Zitat des Tages

„Menschen mit chronischen Schmerzen sind in der Lage morgens so zu lächeln, als hätten sie nachts nicht geweint.“

Sprüche of Os

Wenn Kopfschmerzen zum Alltag gehören – Spezialambulanzen setzen auf vielfältige Therapieverfahren

Quelle: „obs/Wort & Bild Verlag – Apotheken Umschau“

Bei gelegentlichen Kopfschmerzen hilft oft eine Tablette – gehören die Beschwerden aber zum Alltag, kommt es nicht in Frage, jedes Mal eine Pille zu schlucken. Kritisch wird es ab etwa acht Kopfschmerztagen im Monat, wie das Gesundheitsmagazin „Apotheken Umschau“ schreibt. „Dann sollte man zum Neurologen gehen“, rät Professor Andreas Straube, Oberarzt am Klinikum der Universität München. An vielen Unikliniken gibt es mittlerweile Spezialambulanzen mit Kopfschmerzexperten. Diese setzen als Ergänzung zu Medikamenten stark auf weitere Therapieverfahren. So schulen sie schwer Betroffene in Techniken wie der progressiven Muskelentspannung, suchen nach möglichen Verhaltensänderungen und klären über denkbare Auslöser der Beschwerden auf. Damit lässt sich zum Beispiel bei Migräne viel erreichen. Denn Migräneattacken können durch Stress ausgelöst werden. Daher ist es sinnvoll, in Gesprächen herauszufinden, welche Situationen für den Patienten belastend sind. Eine weitere Möglichkeit, die Reaktionen des eigenen Körpers besser zu verstehen, ist das Biofeedback. Dabei werden auf einem Bildschirm etwa Herzfrequenz und Muskelentspannung angezeigt. Die Patienten lernen, diese Reaktionen willentlich zu verändern. Auch von der Wirksamkeit von Ausdauersport sind Experten überzeugt. In der neuen „Apotheken Umschau“ berichten mehrere Patienten über ihren Weg aus der Schmerzfalle.

Das Gesundheitsmagazin „Apotheken Umschau“ 4/2017 B liegt in den meisten Apotheken aus und wird ohne Zuzahlung zur Gesundheitsberatung an Kunden abgegeben.

Pressekontakt:

Sylvie Rüdinger
Tel. 089 / 744 33 194
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Original-Content von: Wort & Bild Verlag – Apotheken Umschau, übermittelt durch news aktuell

Schmerztolerante haben weniger Mitgefühl

Selbstempfundener Schmerz beeinflusst die Empathie für das Leiden anderer

Weniger Schmerz, weniger Mitgefühl: Unsere Fähigkeit, den Schmerz anderer Menschen nachzuempfinden, hängt von unserer eigenen Schmerzempfindlichkeit ab. Sind wir selbst eher schmerztolerant oder haben wir ein Schmerzmittel genommen, dann schätzen wir auch das Leiden anderer als nicht so schlimm ein, wie ein Experiment belegt. Der Grund für diese Verbindung: Empathie und Schmerzwahrnehmung aktivieren ähnliche Hirnareale und reagieren beide offenbar auf Opioide.
Quelle: ErikaWittlieb, pixabay.com

Nicht jeder empfindet Schmerzen gleich intensiv: Schon länger weiß man beispielsweise, dass Frauen sensibler auf Schmerzen reagieren als Männer. Aber auch die Verknüpfungen im Gehirn spielen für die Schmerzempfindlichkeit eine Rolle. Zudem kann schon ein langes Ausschlafen oder eine effektive Ablenkung dabei helfen, die Schmerztoleranz zu erhöhen, wie Forscher herausfanden.

Wie aber sieht es mit dem Mitfühlen des Schmerzes anderer aus? Gibt es möglicherweise einen Zusammenhang zum eigenen Empfinden – nach dem Motto: Wenn ich nicht viel spüre, hab ich auch weniger Mitleid mit anderen? Man weiß bereits, dass Empathie und eigenes Erleben im Gehirn sehr eng miteinander verknüpft sind – beide aktivieren teilweise die gleichen Hirnareale. Claus Lamm von der Universität Wien und seine Kollegen haben daher überprüft, wie eng Schmerzempfinden und Empathie für andere tatsächlich zusammenhängen.

Wie stark leidet der andere?

Für ihr Experiment zeichneten die Forscher die Hirnaktivität von 102 Probanden auf, während diese durch elektrische Reizung ihrer Haut leichte Schmerzen zugefügt bekamen. Gleichzeitig sahen diese auf dem Monitor ein bestimmtes Symbol das den Schmerz ankündigte. Alle Teilnehmer wurden zudem danach gefragt, wie stark sie diese Schmerzen subjektiv empfanden und in einem psychologischen Test auf ihre Empathie getestet.

Spannend wurde dann im zweiten Versuchsteil: In diesem erhielten zunächst wieder alle Teilnehmer den Schmerzreiz. Dann jedoch sahen sie das schmerzverzerrte oder neutrale Gesicht eines anderen Menschen, dem gerade vermeintlich Schmerzen zugefügt wurden. Die Probanden sollte einschätzen, wie stark der andere den Schmerz empfindet. Der Clou dabei: Ein Teil der Probanden hatte vor diesem Versuch ein Schmerzmittel erhalten, der Rest nur ein Placebo.

Schmerzmittel hemmt Empathie

Wie sich zeigte, linderte das Schmerzmittel nicht nur die von den Teilnehmern selbst empfundenen Schmerzen. Es veränderte auch ihre Empathie: Unter der Wirkung des Medikaments schätzten die Probanden auch das Leiden der anderen als weniger schlimm ein. Dieser Trend zu weniger Empathie zeigte sich auch in ihrem Gehirn: Die beiden Areale in der Hirnrinde, die sowohl für Schmerz als auch für mitgefühlten Schmerzen zuständig sind, reagierten bei den Schmerzmittel-Probanden schwächer.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Empathie sehr stark und unmittelbar in unseren eigenen Erfahrungen – bis hin zu deren körperlichen und neuronalen Grundlagen – begründet sein kann“, sagt Lamm. „Das ist mit ein Grund, warum uns die Gefühle anderer Personen so ’nahe gehen‘ können – weil wir sie eben nicht nur sinnbildlich so ’nachempfinden‘, als ob wir sie gerade selbst erleben.“ Andererseits erkläre dieser Effekt auch, warum Empathie teilweise in eine falsche Richtung gehen kann – weil wir die anderen Personen eben primär aus unserem eigenen Blickwinkel heraus beurteilen.

Körpereigene Opioide beteiligt

Der Versuch gab auch erste Hinweise darauf, über welchen Mechanismus Schmerzempfinden und Empathie verknüpft sind: Bei beiden spielen neuronale Schaltkreise eine wichtige Rolle, die auf körpereigene Opioide reagieren. „Diese Bereiche im Gehirn stellen zentrale Bestandteile des körpereigenen Opiatsystems dar, also jenes Systems, das an der Dämpfung von selbst empfundenem Schmerz beteiligt ist“, erklärt Lamm.

Was passiert, wenn man dieses System manipuliert, testeten die Forscher in einem weiteren Versuchsdurchgang. Bei diesem verabreichten sie den Probanden erneut ein Schmerzmittel, gaben aber der Hälfte kurz darauf ein Mittel, das die Opiat-Rezeptoren im Gehirn blockiert. Das macht das Schmerzmittel unwirksam und normalisiert sozusagen ihre Schmerzreaktion.

Opiatblocker normalisiert Empathie

Wie sich zeigte, normalisierte sich mit der Schmerzreaktion und der Blockade des Schmerzmittel-Opiats auch die Empathie der Teilnehmer: Sie fühlten nun wieder genauso intensiv mit den vermeintlich Schmerzgeplagten mit wie ohne Schmerzmittel. „Das macht eine mögliche Beteiligung des Opiatsystems an der ‚Placeboempathie‘ wahrscheinlicher und stellt für uns einen bedeutenden Schritt zu einem mechanistischeren Verständnis von Empathie dar“, sagt Lamm.

Wie genau die Opioide unsere Empathie beeinflussen, ist allerdings noch unklar. „Wir stellen uns nun die Frage, inwieweit die beobachteten Effekte im Opiatsystem direkt auf empathische Prozesse wirken, oder lediglich über den Umweg der Manipulation des eigenen Erlebens entstehen“, erklärt Lamm. Das Team arbeitet derzeit an einer weiteren Studie, die direkte Effekte einer Opiatverabreichung auf Empathie untersucht. (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2015; doi: 10.1073/pnas.1511269112)

 (Universität Wien, 29.09.2015 – NPO)

Stress lass nach – Wasch mir den Pelz, aber mach‘ mich nicht nass

Stress bei Schmerzpatienten

Viele oder fast alle meiner Patienten mit chronischen Schmerzen haben ein Problem mit Stress. Meistens ist der Stress nicht einfach auf ein kleines Problem, das vorübergeht, zurückzuführen. Vielmehr haben zahlreiche Patienten mit Konflikten zu kämpfen, die sich wie die Tropfburgen aus nassem Sand pyramidenförmig aufbauen und unglaublich stabil sind. Auf eine einmal angelegte Basis eines solchen Konflikt-Turmes lässt sich mühelos Schicht für Schicht nasser Sand aufbauen. Ein Konflikt, der nicht gelöst wird, macht unzufrieden. Unzufriedenheit bedrückt nicht nur, sondern zieht auch Ärger, Frust und Ohnmachtsgefühle nach sich. Sie führt zu Fehlentscheidungen und neuen Kränkungen. Und der Stress? – Der ist ein ständiger Begleiter.

Stressbedingte Hyperalgesie

Wir wissen, dass Stress kein rein seelisches Problem ist, sondern auch ein körperliches. Der Blutdruck steigt, die Herzfrequenz steigt, Stresshormone werden mit vielen Konsequenzen ausgeschüttet. Ein bisschen Stress kann jeder gut vertragen, schließlich lieben wir den Kick auf der Achterbahn oder beim Krimilesen. Auch ein Löwe, der eine Gazelle jagt, braucht seine Stresshormone. Aber hinterher liegt der Löwe im Schatten und döst stundenlang.

Stress ist also nicht unbedingt schädlich, sondern hilft uns, wenn nötig, unsere volle Leistungsfähigkeit abzurufen. Aber wenn die Stresssituation nicht aufhört und wir andauernd auf Hochtouren laufen, läuft etwas schief. Wir jagen sozusagen rund um die Uhr und ohne Sinn und Verstand unseren ganz eigenen Gazellen nach. Im Gehirn gerät bei Dauerstress Vieles durcheinander. Bestimmte Hirnregionen, wie das anteriore Cingulum und der präfrontale Cortex, sind besonders involviert. Und es verwundert nicht, dass ausgerechnet diese Hirnregionen in der Schmerzverarbeitung an vorderster Stelle stehen. Eine stressbedingte Hyperalgesie kann so entstehen.

Stress – warum es den meisten so schwerfällt, sich von ihm zu trennen

Warum lässt man es dann nicht einfach sein mit den Stress? Die meisten von uns sind eben keine Löwen, die sich nach getaner Arbeit erholen. Manche Menschen suchen regelrecht stressbelasstete Situationen. Wer im Stress ist, ist schließlich gefragt und wichtig. Andere stürzen sich auf den Stress, um nicht nachdenken zu müssen, um Konflikten auszuweichen, um das Selbstbild zu erhalten, um die eigene Sicherheit zu gewährleisten – es gibt unzählige Gründe. Dem Gestressten sagen, er solle mal einen Gang runter schalten und sich erholen, reicht nicht. Wenn der Stress krankheitsunterhaltend oder –verursachend wird, dann ist das Problem oft in einem fest verankerten Lebensstil zu suchen.

Lebensstiländerung

Um den Lebensstil zu verändern, wird schon harter Tobak benötigt. Ohne ganz viel Leidensdruck ändern wir Menschen nichts. Schon gar nichts Grundlegendes. Alle grundlegende Änderung macht Angst, verunsichert und braucht Zeit. Zum Jahresbeginn nehmen wir uns oft Veränderungen vor, wollen dieses oder jenes an schlechten Eigenschaften ablegen. Am besten wäre es allerdings, wenn sich doch eher die Anderen ändern, denn dann wäre doch für uns auch alles einfacher, oder?

Eine grundlegende Veränderung braucht vor allem Vertrauen zu den Menschen, die einen dabei begleiten. Und es braucht natürlich die Hoffnung auf etwas Besseres. Wenn ich mir keine Verbesserung erhoffe und keinen Vorteil in der Veränderung sehe, dann fehlt der Anreiz. Vielleicht geht der Weg zur Veränderung über Verführung und Verlockung besser als mit Druck. Wer seinen Lebensstil einmal zum Positiven hat verändern können, der will nie mehr dahin zurück, wo er herkommt.

Autor Dr. med. Sabine Borck, Ärztliche Leiterin Schmerztherapie

Dr. med. Sabine Borck ist ärztliche Leiterin der Schmerztherapie der Vitos Klinik für Neurologie Weilmünster. Sie ist Ärztin für Neurologie und Anästhesie und verfügt über die Zusatzbezeichnungen spezielle Schmerztherapie, Manuelle Therapie und Palliativmedizin. Außerdem hat sie eine abgeschlossene osteopathische Ausbildung.

Weitere Artikel von Dr. med. Sabine Borck finden sich im Vitos Blog.

Kennen Indianer wirklich keinen Schmerz? Bekannte Schmerzphänomene unter der Lupe

Quelle: Sanofi/Ibuflam
Quelle: Sanofi/Ibuflam

„Ein Indianer kennt keinen Schmerz – dieses bekannte Sprichwort hat wohl jeder in seiner Kindheit schon mal zu hören bekommen. Handelt es sich dabei nur um einen lockeren Spruch, oder steckt mehr dahinter? Und was sagt die Wissenschaft zu diesem und anderen Schmerzphänomenen?

Kennen Indianer wirklich keine Schmerzen? Wortwörtlich darf man diese Redensart selbstverständlich nicht nehmen. Und das ist auch gut so, denn akuter Schmerz ist für jeden ein wichtiges Warnsignal des Körpers und weist auf Verletzungen oder Schädigungen im Gewebe hin. Indianer haben eine besondere Art, mit Schmerzen umzugehen. Sie versuchen sich von Schmerzen durch Tanz, Trance und Konzentration auf ein „höheres Ziel“ abzulenken. In der Tat kommt die Wissenschaft zu dem Schluss, dass religiöse und magische Praktiken maßgeblichen Einfluss auf Schmerzempfinden und -bewältigung haben (1). Eindeutig geklärt ist der Ursprung der Redensart „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“ jedoch nicht. Es gibt verschiedene Erklärungsansätze. So schrieb beispielsweise Karl May in „Der Schatz im Silbersee“ (2) über Indianer, dass sie „die größten Qualen ertragen ohne mit der Wimper zu zucken“ und die Schmerzen am Marterpfahl „mit lächelndem Munde“ quittieren. Bei ihrem Sonnentanz lassen sich Indianer scheinbar schmerzfrei die Haut durchbohren (3). Diese Zeremonie wird ebenfalls als mögliche Quelle für die Redensart angenommen.

Wer rastet, der rostet

Es muss nicht gleich ein ritueller Tanz sein, aber man kann trotzdem viel von den Indianern lernen: Es ist wichtig, aktiv und frühzeitig etwas gegen Schmerzen zu unternehmen. Akute Schmerzen lassen sich beispielsweise mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln wie Ibuflam® akut mit dem Wirkstoff Ibuprofen behandeln (4). Der Wirkstoff Ibuprofen ist für leichte bis mäßig starke Schmerzen das rezeptfreie Schmerzmittel der ersten Wahl in Deutschland schlechthin. 2016 waren rund die Hälfte (50,6 Prozent) aller in Deutschland verkauften Schmerzmittel in oraler Form Arzneimittel mit diesem Wirkstoff (5). Aus gutem Grund: Schließlich kann der Wirkstoff bei den häufigsten leichten bis mäßig starken Schmerzen zum Einsatz kommen. 91 Prozent aller Deutschen sind jährlich von Schmerz betroffen. Zu den häufigsten Schmerzarten gehören Rücken-, Nacken- und Schulterschmerzen (70 Prozent der Frauen, 57 Prozent der Männer) sowie Muskel- und Gelenkschmerzen (51 Prozent der Frauen, 51 Prozent der Männer) (6). Gerade hier gilt es, die akuten Schmerzen frühzeitig zu bekämpfen. Bei Schmerzen, die länger als drei Tage andauern, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Denn bleiben akute Schmerzen unbehandelt, geraten die Betroffenen in einen Teufelskreis und der Schmerz kann chronisch werden: Um den akuten Schmerz zu reduzieren, werden bestimmte Bewegungen vermieden und eine Schonhaltung wird eingenommen. Das verspannt die Muskulatur zusätzlich und verstärkt die Schmerzen. Zudem „rosten“ die Gelenke ein, denn der Knorpel in Gelenken wird aufgrund der falschen oder fehlenden Bewegung nicht mehr optimal mit Nährstoffen versorgt. Oder, wie es der Volksmund auf den Punkt bringt: „Wer rastet, der rostet“. Regelmäßige Bewegung (z.B. Schwimmen, Rad fahren, Spaziergänge) beugt also Schmerzen auch vor (7). Als weitere vorbeugende Maßnahmen sind eine Reduzierung sozialer und psychologischer Stressfaktoren (8) sowie eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung (9) zu empfehlen.

Ertragen Frauen wirklich mehr Schmerzen als Männer?

Entgegen der weitläufigen Meinung, dass Frauen mehr Schmerzen ertragen können, haben Untersuchungen gezeigt, dass Männer wohl tatsächlich „das stärkere Geschlecht“ sind (10). Im Experiment wurden Männer und Frauen einem Hitze- und Druckreiz ausgesetzt. Frauen schätzten die Schmerzintensität höher ein und hielten den Schmerz weniger lange aus als Männer. Demnach scheint das weibliche Nervensystem „empfindlicher“ zu sein und die Schmerzverarbeitung sensibler. Warum das so ist? Eindeutig geklärt ist diese Frage nicht, aber ein Faktor scheinen die Hormone Östrogen und Progesteron zu sein. In der Schwangerschaft führen hormonelle Veränderungen beispielsweise dazu, dass Frauen unempfindlicher gegenüber Schmerzen sind und beim Geburtsvorgang starke Schmerzen relativ gut ertragen können.“

Doch egal, ob nun zum Beispiel die Hormone oder mangelnde Bewegung die Ursache sind – Schmerzen können den Alltag zur Tortur werden lassen. Manche Dinge erträgt man gerne. Schmerzen nicht. Schnelle Hilfe ist also angesagt.

(1) Larbig, W. (1982). Schmerz: Grundlagen – Forschung – Therapie. Stuttgart: Kohlhammer.
(2) Der Schatz im Silbersee. Zeitschriftenfassung 1890/91. 12. Kapitel:Auf Tod und Leben.
(3) Prof. Dr. med. Matthias Karst (2014). Das Schmerz-Buch: Neue Wege wagen. Hannover: Schlütersche.
(4) Gebrauchsinformation Ibuflam® akut, Stand: August 2015.
(5) IMS Health, Sell-out in EUR, Analgetika Rezeptfrei N02B2, MAT 10/2013 und 10/2016.
(6) Umfrage TNS Healthcare, repräsentative Befragung bei 1.500 Personen 14+ in der deutschsprachigen Bevölkerung, Feldzeit: 27. bis 30. Juni 2008.
(7) Robert Koch Institut, Statistisches Bundesamt (2012): Rückenschmerzen. Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 53: S.17-22.
(8) Dossier der Deutschen Schmerzliga e.V. (2013): Chronischer Schmerz: Daten, Fakten, Hintergründe – Informationen der Deutschen Schmerzliga e.V.
(9) Göbel, H., Heinze,A.(2015). DGS-Praxisleitlinie primäre Kopfschmerzen v2.0. DGS-Praxisleitlinien Schmerzmedizin.
(10) http://www.dgss.org/patienteninformationen/besonderheiten-bei-schmerz/schmerz-und-geschlecht

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Kongress stellt Vernetzung in den Fokus

Unter dem Motto „Schmerzmedizin – Praxis und Theorie der Versorgung“ findet vom 22. bis 25. März 2017 im Congress Center Messe Frankfurt / Main der Deutsche Schmerz- und Palliativtag 2017 statt. Der Fortschritt in der schmerzmedizinischen Versorgung erfordere den ständigen Wissenstransfer und einen konstruktiven Dialog zwischen allen Beteiligten, den einzelnen „Versorger-Gruppen“, den Kostenträgern und nicht zuletzt den politischen Entscheidern, so die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) vorab zum Kongress.

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„Die Versorgung von akuten und chronischen Schmerzen findet vor allem im niedergelassenen Bereich statt – also beim Hausarzt, Facharzt und Schmerzmediziner“, betont Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe, Präsident der DGS und Veranstaltungspräsident. Ein zentrales Anliegen der DGS sei es daher, aktuelles Wissen in die medizinische Versorgung zu transportieren und zu integrieren.

Die Relevanz der engen Vernetzung aller Beteiligten findet in diesem Jahr Ausdruck in der gemeinsamen Gestaltung des Programms durch DGS und Deutscher Hausärzteverband. In der speziell auf die Bedürfnisse der Hausärzte ausgerichteten Veranstaltung „State of the Art: Gemeinsam gegen die Schmerzchronifizierung“ (Pre-Congress, 22. März, 13.30 – 17.45 Uhr) werden in verschiedenen Vorträgen die Schnittstellen aufgezeigt und mögliche Lösungen diskutiert.

Ergänzend widmet sich Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, am 24. März ab 18.30 Uhr im Rahmen eines Symposiums der Frage „Schmerzchronifizierung – was machen Hausärzte und Schmerzmediziner daraus gemeinsam?“.

Schmerzbewältigung in verschiedenen Kulturen

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Quelle: sasint, pixabay.com

Wenn der türkische Patient auf die Frage, wo es weh tut, klagt, ihm tue alles weh, er sei schließlich krank, kann das den deutschen Arzt leicht überfordern. Unterschiedliche Kulturen gehen mit Schmerz ganz unterschiedlich um. Wie sie das tun, hat PD Dr. Norbert Kohnen (Universität Düsseldorf) untersucht. „Der Umgang mit Schmerz ist abhängig von der Kontrollüberzeugung“, so sein Fazit. Während Deutsche, Nordeuropäer und Amerikaner Rat beim Fachmann suchen und sich davon individuelle Kontrolle über den Schmerz erhoffen, sind die Menschen in Mittelmeerstaaten mit der Überzeugung aufgewachsen, nur die Familie könne helfen. Sie äußern ihren Schmerz daher ganz anders. „Deswegen ist bei der Untersuchung ausländischer Patienten eine transkulturelle Kompetenz gefordert“, so Dr. Kohnen. „Nimmt der Arzt auf diese Unterschiede keine Rücksicht, sind Stress und Hilflosigkeit die Folgen, die wiederum mit erhöhter Schmerzempfindlichkeit einhergehen.“

Kopf erkältet – ich drehe durch

Jeder Patient ist ein Informant. Ob seine Information ankommt, hängt vom Adressaten ab: Kommt ein deutscher Patient zum deutschen Arzt, liegen die Verhältnisse günstig: Untersucher und Informant haben den gleichen kulturellen Hintergrund und die gleiche Sozialisation. Bei beiden ähneln sich Erziehung, Werte, Normen, Symbole und Verhalten, ihre Assoziationen resultieren aus einem gemeinsamen Erleben gesellschaftlicher Strukturen wie Familie, Freundeskreis und Arbeitswelt. „Klagt der Patient beim Arzt darüber, dass ‚ihm eine Laus über die Leber gelaufen ist‘, dann wissen beide um den Sinn der Aussage“, erläutert Dr. Kohnen. Diese günstigen Verhältnisse finden sich bei der Vorstellung fremdländischer Patienten nicht. Klagt ein türkischer Patient darüber, dass „er seinen Kopf erkältet hat“, dann weiß der Arzt nicht, dass damit gemeint ist „Ich bin dabei durchzudrehen“. Auch verstehen Ärzte oft die Reaktion ihrer fremdländischen Patienten auf Krankheit und Schmerz nicht. „Besonders auffällig ist das bei den verschiedenen Schmerzäußerungen fremdländischer Patienten“, so Kohnen.

Iren ziehen sich zurück, Italiener äußern sich lautstark

Deutsche Ärzte haben aus ihrer soziokulturellen Sicht eine Vorstellung, welche Schmerzäußerungen und welche Schmerzbewältigungen angebracht und welche unangemessen sind. Ihre Erfahrungen beziehen sich in der Regel aber nur auf eine Ethnie, nämlich die eigene Bevölkerung. Diese einseitige Sicht kann zu Verständigungsschwierigkeit und Fehlurteilen bei der Behandlung ausländischer Patienten führen. Empirische Daten zeigen, dass jede Kultur gemäß ihrer eigenen Werte und Normen Schmerzbewältigungsstrategien entwickelt: Iren ziehen sich zurück, weil es unfein ist, Schmerz zu äußern; Nordamerikaner suchen so früh wie möglich den Arzt auf, schildern ihm die Beschwerden ohne emotionale Regung, damit er sofort eine rationale Behandlung einleiten kann; Juden erdulden den Schmerz, weil Gott ihnen so ein Zeichen geben will; Italiener äußern Schmerzen laut und deutlich, damit ihnen die familiäre Anteilnahme zukommt, Philippinos fügen sich fatalistisch in ihr Schicksal.

Individuell oder familienorientiert

„Man kann unterscheiden zwischen individualorientierten (Deutsche, Briten, Iren, Nordeuropäer und Nordamerikaner) und familienorientierten Gesellschaften (Italiener, Türken, Mittelmeervölker, Asiaten)“, erläutert der Forscher. Familienorientierte Gesellschaften sind überzeugt, Krankheit und Schmerz nur mit Hilfe der Familie bewältigen zu können. Patienten werden notwendigerweise von vielen Angehörigen begleitet. Sie haben eine hohe externale Kontrollüberzeugung, während Patienten aus individualorientierten Gesellschaften überzeugt sind, sich selbst helfen zu können, indem sie der Vernunft folgend fachärztlichen Rat einholen.

Ärzte müssen sich eindenken

Diese Bedingungen muss ein Arzt bedenken, denn das Verweigern der erlernten kulturellen Bewältigungsstrategien führt zu Hilflosigkeit, Verzweiflung, zu erhöhtem Stress und damit zu größerer Schmerzempfindlichkeit. „Transkulturelle Kommunikation ereignet sich im Zuhören, Erfassen und Erlernen andersartiger, wenn auch laienhafter Erklärungsweisen von Krankheit und Schmerz“, unterstreicht Dr. Kohnen. Er fordert Ärzte auf, sich in die Erlebniswelten ihrer fremdländischen Patienten einzudenken. Viele in fremden Traditionen erzogenen Patienten haben z.B. die Vorstellung, ihre Krankheit sei ein individuelles Ereignis. „Sie verstehen deshalb nicht, dass sie nun eine Krankheit haben sollen, die mit ein und demselben Begriff belegt wird, die auch ihr Nachbar hat. Es ist doch ihre ganz individuelle Krankheit“, erläutert Dr. Kohnen. Individualisieren und nicht generalisieren heiße deshalb die Devise.