Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2018 in Frankfurt „Schmerzmedizin 4.0 – Digitalisierung – Vernetzung – Kommunikation“

Quelle: schmerz-und-palliativtag.de

Die Digitalisierung sowie das Auswerten persönlicher Daten sind heute in allen Lebensbereichen angekommen. Auch der Gesundheitssektor setzt verstärkt auf moderne Informations- und Kommunikationstechnologien. Die damit verbundenen Möglichkeiten und Herausforderungen für den Praxisalltag werden das zentrale Thema beim 29. Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt sein.

Unter dem Motto „Schmerzmedizin 4.0 – Digitalisierung / Vernetzung / Kommunikation“ können sich vom 08. bis 10. März 2018 (inkl. Pre-Congress am 07. März) Ärzte, Psychotherapeuten, Psychologen, Apotheker und andere medizinische Berufsgruppen aus ganz Deutschland über die Zukunft der Schmerzmedizin austauschen und fortbilden. Eröffnet wird der Kongress mit der politischen Vordenkerin und Wissenschaftlerin Prof. Dr. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin a.D. mit ihrem Exzellenzvortrag zum Thema „Geht der Mensch wirklich vor?“. Es folgen zahlreiche Veranstaltungen zu neuen Therapieoptionen wie monoklonale Antikörper oder Cannabis, aktuellen Forschungsansätzen sowie alle Facetten der Schmerzprävention, -Ätiologie und -Therapie und der Psychodynamik.

Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) vernetzt als führende Versorgergesellschaft mit dem digitalen „DGS-PraxisRegister Schmerz“ bisher als einzige Fachgesellschaft anonymisiert über 180.000 Patientendaten und fachliche Expertise, um für Schmerzpatienten die bestmögliche Versorgung zu erreichen. Seit Herbst 2014 stellt die größte Gesellschaft für praktisch tätige Schmerztherapeuten in Europa mit dem Online-Tool iDocLive® allen schmerzmedizinisch interessierten Ärzten eine elektronische Direktbearbeitung validierter und anonymisierter Selbstauskunftsinstrumente durch Betroffene zur Verfügung. Über das sogenannte „PraxisRegister Schmerz“ werden u.a. Angaben zur Häufigkeit, Wirksamkeit und Sicherheit bzw. Verträglichkeit unterschiedlichster nicht-medikamentöser und medikamentöser Behandlungsverfahren der täglichen Praxis gesammelt und ausgewertet.

Mithilfe des gemeinsam von der DGS und der Patientenorganisation Deutsche Schmerzliga e.V. (DSL) entwickelten Online-Tools „mein-Schmerz.de“ können seit Mitte 2016 Betroffene ihren Schmerz erfassen und Erfahrungen mitteilen. Die im „Jahr des Tumorschmerz 2017“ durchgeführte „PraxisUmfrage Tumorschmerz“ bildet zudem erstmalig mit aktuellen Daten die Schmerzversorgung bei Krebspatienten ab.

Update – Schmerz-Prävention, -Ätiologie und -Therapie

Das Programm des 29. Schmerz- und Palliativtages bildet die vielfältigen Facetten der Schmerz-Prävention, -Ätiologie und -Therapie ab: Was tun bei bio-psycho-sozialem Schmerz? Welchen Stellenwert können monoklonale Antikörper in der Migräneprophylaxe einnehmen? Gibt es neue Erkenntnisse in der pharmakologischen Prävention der Schmerzchronifizierung? Inwieweit erweitert Cannabis die Therapieoptionen für Schmerzpatienten und welche Fallstricke sind damit im Praxisalltag verbunden? Wann und wie kommen gemäß der aktuellen Leitlinien Opioide zum Einsatz? Auch der aktuelle Stand in der Methadon-Forschung bei Tumorerkrankungen wird als ein kontrovers diskutierter Therapie- und Forschungsansatz auf dem Programm stehen.

Neu: Tag des Fachpersonals

Beim „Tag des Fachpersonals“ bietet die DGS zudem erstmalig im Rahmen des Schmerz- und Palliativtages Vorträge für medizinische Fachkräfte an, bei denen das Tagesgeschehen in der Praxis im Mittelpunkt steht. Hier werden qualifizierte Referenten ihre Erfahrungen aus dem Praxisalltag (z.B. „Änderungen beim Datenschutz“, „Wissenswertes rund um WHO-3-Opioide und Cannabis“) sowie Vertreter der Polizei zum Thema „Gewalt in der Praxis“ einbringen.

Das wissenschaftliche Programm sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Interessierte unter www.schmerz-und-palliativtag.de.

Prof. Dr. Rita Süssmuth, Quelle: schmerz-und-palliativtag.de

Programm-Highlights, die man nicht verpassen sollte:

  • Prof. Dr. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin a.D.: „Geht der Mensch wirklich vor?“
  • PD Dr. med. habil. Volker Busch, Leiter der wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft Psychosozialer Stress und Schmerz an der Universität Regensburg: „Bio-psycho-sozialer Schmerz: Seele und Körper unter Stress“
  • Verleihung des Deutschen Schmerzpreises – Deutscher Förderpreis für Schmerzforschung und Schmerztherapie

Deutscher Schmerz- und Palliativtag – aus der Forschung in die Praxis

Vom 08. bis 10.03.2018 (inkl. Pre-Congress am 07.03.) sind Ärzte, Psychotherapeuten, Psychologen, Apotheker, Physiotherapeuten und andere medizinische Berufsgruppen zum Deutschen Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt eingeladen. Mit seiner praxisrelevanten Ausrichtung gibt der Deutsche Schmerz- und Palliativtag all-tagstaugliches schmerzmedizinisches Wissen und Fähigkeiten an die Hand – direkt aus der Forschung in die tägliche Arbeit.

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Schmerzblogade auf Facebook

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Facebook ändert seine Startseite – und zwar massiv. Das kann dazu führen, dass Ihr weniger Nachrichten von Schmerzblogade seht. Wenn Ihr auch künftig meine Inhalte bekommen wollt, dann könnt Ihr das auf meiner Facebook-Seite einstellen. Und Ihr braucht keine Angst haben: Man kann das nicht nur für eine Seite machen, sondern das ist mit bis zu 30 bevorzugten Seiten möglich!

Die beiden Bilder zeigen, wie man am Desktop bzw. in der Mobil-App vorgehen muss. Dankeschön!

Übrigens: Meine Facebook-Seite ist Fanpage und Newscenter in einem. Dort finden sich neben meinen Blogeinträgen auch jeden Tag Neuigkeiten aus den Medien zum Thema chronische Schmerzen. Wer noch nicht dabei ist: Einfach auf der rechten Seite auf „Schmerzblogade auf Facebook“ klicken und abonnieren!

Leben mit dem Schmerz

Quelle: Welt am Sonntag

„Millionen Menschen in Deutschland sind chronisch schmerzkrank. Einen Arzt zu finden, der helfen kann, dauert oft Jahre. Doch jetzt beginnen auch deutsche Mediziner, neue Wege in der Behandlung zu gehen.“

So beginnt Wiebke Hollersen ihren Artikel „Leben mit dem Schmerz“ in der Welt am Sonntag vom 28. Januar 2018. Leider ist der Artikel (noch) nicht online verfügbar.

Hier einige der Kernaussagen des Artikels:

  • 23 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Schmerzen, die kein akutes Warnsignal mehr sind, sondern die immer wiederkommen oder einfach nicht nachlassen wollen (Sven Gottschling, Chefarzt am Zentrum für Palliativmedizin und Kinderschmerztherapie am Uniklinikum des Saarlands).
  • Sechseinhalb Jahre dauere es im Schnitt, bis ein Schmerzpatient auf einen Arzt treffe, der ihm helfen kann, so Gottschling.
  • Erst seit 2016 ist die Schmerzmedizin ein Pflichtfach für Medizinstudenten in Deutschland.
  • Der Schmerz hat biologische Ursachen, er ist mit der psychischen Verfassung des Kranken verwoben, und er wird auch von seinen Lebensumständen beeinflusst. Man betrachte jeden Schmerz inzwischen nach diesem „biopsychosozialen Modell“, sagt Gottschling.
  • „Lange galt Schmerz als rein körperliches, biologisches Problem. Das war falsch. Heute meinen einige, Schmerz sei ein rein seelisches Problem. Das ist genauso falsch“, sagt Jan-Peter Jansen vom Schmerzzentrum Berlin.

Achtsamkeit und Schmerz

„Achtsamkeit und Schmerz“ von Claus Derra und Corinna Schilling, Quelle: Thalia.de

Achtsamkeit und Schmerz – darüber schreiben Claus Derra und Corinna Schilling in ihrem neuen Buch.

Mit Achtsamkeitsübungen richtig angewandt lassen sich (chronische) Schmerzen wirkungsvoll und nachhaltig behandeln. Wissenschaftliche Studien belegen, dass Achtsamkeitsübungen längerfristig wirksamer sind als Schmerzmittel. Darüber hinaus lindern und bessern sie Symptome, die oft mit Schmerzen einhergehen, wie Niedergeschlagenheit, Schlaflosigkeit, Erschöpfungszustände und Unkonzentriertheit. Alltagstaugliche Achtsamkeits- und Entspannungsübungen sind einfach anwendbar und beanspruchen wenig Zeit. Sie werden in den persönlichen Alltag integriert, beispielsweise könnte man sie an der Bushaltestelle oder morgens beim Zähneputzen durchführen, manche im Sitzen, andere im Stehen. Dem Buch zugrunde liegen ein neu entwickeltes biopsychosoziales Gesundheitsmodell sowie ein neues Konzept einer Verbindung von Achtsamkeit mit gezielten Imaginationen und Autosuggestionen.

Gliederung:

I. Achtsamkeit, Gesundheit und gutes Leben

  • Was bedeutet Gesundheit?
  • Körperliche Gesundheit (Bewegung, Stressabbau, Ernährung, Schlaf)
  • Psychosoziale Gesundheit (Bedeutung von Beziehungen, Umgang mit Konflikten, Selbstwertgefühl)
  • Gutes Leben – was ist praktisch wichtig
  • Gutes Leben – 37 Minuten täglich
  • Tagebuch Gutes Leben – 15 Momente die zu beachten sind
  • Alltagsstrategien der Achtsamkeit (täglich, kleine Momente, integriert in ein Ritual)

II. Körperschmerz – Seelenschmerz

  • Stresskrankheit chronischer Schmerz
  • Warum Schmerz immer im Gehirn entsteht
  • Warum leiden Frauen 3x häufiger unter Schmerz als Männer
  • Wie Stress chronische Schmerzen macht (stressbedingte Hyperalgesie)
  • Was kann ich vom Arzt/Therapeuten erwarten – was muss ich selbst tun?

III. Gutes Leben und chronischer Schmerz

  • Was kann ich verbessern, wer kann helfen
  • Habe ich die Wirksamkeit meiner Schmerztherapie ausgeschöpft
  • Therapie alleine reicht nicht – gutes Leben bedeutet mehr
  • Wirksamer Stressabbau

Das Buch mit der dazugehörigen CD liefert ein Repertoire an Hilfestellungen und einfachen Übungen, die Betroffenen ein gutes Leben trotz Schmerz ermöglichen. Zusatzmaterialien stehen als Download bereit (PDF).

Portrait:

Corinna Schilling, Dr. med., ist Fachärztin für Anästhesiologie, spezielle Schmerztherapie und Palliativmedizin, Weiterbildung in Mediation und Fortbildung in Akupunktur, Hypnose und manueller Medizin. Sie arbeitet als niedergelassene Schmerztherapeutin in Berlin. Claus Derra, Dr. med., ist Arzt und Diplom-Psychologe, Facharzt für Psychiatrie, psychosomatische Medizin und Psychotherapie mit dem Spezialgebiet Schmerztherapie, tätig in eigener psychotherapeutischer Praxis in Bad Mergentheim und Berlin.

  • Broschiert: 235 Seiten
  • Verlag: Klett-Cotta; Auflage: 2 (2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 9783608960990
  • ISBN-10: 3608960996

Diese Dinge kennst du nur, wenn du eine chronische Erkrankung hast

Young woman is standing and looking out the window, Quelle: Getty Images

Dieser sehr empathische Artikel vom 29. November 2017 erschien ursprünglich in der HuffPost US und wurde von Martina Zink (HuffPost Deutschland) aus dem Englischen übersetzt und bearbeitet.

„Ich habe diesen Artikel geschrieben um, die Menschen aufzuklären, die mehr über chronische Erkrankungen wissen möchten.

Er ist aus meiner Perspektive geschrieben – als Ärztin, die für viele Jahre Patienten mit chronischen Erkrankungen behandelt hat und als jemand, der selbst fünf Jahre seines Lebens wegen chronischer Erkrankung ans Bett gefesselt war.

Ich möchte darauf aufmerksam machen, damit Freunde, Familie, Arbeitgeber, Kollegen und Therapeuten chronische Krankheiten besser verstehen können.

Meine Hoffnung ist es, dass dadurch Beziehungen gestärkt und Missverständnisse reduziert werden und es zur Besserung des Gesundheitssystems beiträgt.

Chronische Erkrankungen sind oft unsichtbar

Chronische Erkrankungen sind Krankheiten, Zustände oder Verletzungen, die Jahre oder sogar ein Leben lang anhalten können. Normalerweise sind sie auch nicht heilbar – in manchen Fällen können sie aber nachlassen.

Das Ausmaß kann ganz unterschiedlich ausfallen. Es gibt Betroffene, die immer noch arbeiten gehen können und ein aktives oder ein anscheinend „normales“ Leben führen können. Andere wiederum sind sehr krank und sind durch die Krankheit ans Haus gebunden.

Die meisten Menschen mit einer chronischen Erkrankung haben eine unsichtbare Krankheit. Der Großteil der Symptome ist nicht sichtbar, was dazu führen kann, dass es an Verständnis und Unterstützung von Ärzten, Familie, Freunden und Kollegen mangelt.

1. Niemand möchte sich krank fühlen

In all den Jahren, in denen ich als Ärztin Patienten mit chronischen Krankheiten behandelt habe, habe ich nie jemanden getroffen, der krank sein wollte und nicht alles dafür getan hätte, dass es ihm besser geht.

Patienten haben verzweifelt nach Antworten und Behandlungen für ihre erdrückenden Symptome gesucht.

2. Viele Ärzte verstehen chronische Krankheiten nicht

Viele Jahre waren Ärzte der falschen Annahme, dass einige chronische Erkrankungen durch Depressionen oder Angststörungen hervorgerufen werden und die einzige Behandlung für diese Patienten war psychiatrische Versorgung.

➨ Mehr zum Thema: Die Ursache von Depressionen geht auf fünf Erfahrungen aus der Kindheit zurück

Trotz medizinischer Befunde, die diese Annahmen widerlegen, gibt es immer noch Ärzte, die in ihren Meinungen festgefahren sind und chronische Erkrankungen nicht wirklich verstehen oder wie sie diese angemessen behandeln sollen.

Daher verbringen Patienten häufig sehr viel wertvolle Zeit damit, einen Arzt zu finden, der ihre Krankheit versteht und ihnen geeignete Behandlungsmöglichkeiten anbieten kann – während ihre Symptome immer schlimmer werden.

3. Nicht im Stande zu sein zur Arbeit zu kommen, heißt nicht, dass man Urlaub macht

Diejenigen, die aufgrund chronischer Erkrankung nicht arbeiten können, machen keinen „Urlaub“.

Stattdessen kämpfen sie jeden Tag mit den einfachsten Aufgaben: aus dem Bett kommen, sich anziehen, kochen, baden etc. Sie müssen oft zu Hause bleiben, da sie zu krank sind, um das Haus zu verlassen, außer für Arzttermine.

Musstest du schon mal für ein paar Tage im Haus bleiben, wegen schlechtem Wetter oder einem vorübergehenden Gesundheitsproblem? Erinnerst du dich daran, wie nervig es ist, nicht nach draußen gehen zu können und etwas zu unternehmen?

Jetzt stelle dir vor für Wochen oder Monate das Haus nicht verlassen zu können. Frustrierend, oder?

4. Chronische Erkrankungen können viele Emotionen auslösen

Eine Chronische Krankheit kann den biochemischen Aufbau des Stimmungs-Kontrollzentrums im Gehirn verändern. Zusätzlich können die folgenden Frustrationen die Laune beeinflussen und zu Depressionen und/ oder Angststörungen führen:

  • Das Warten auf/ Suchen einer Diagnose
  • Die Unfähigkeit zu Arbeiten und sich produktiv zu fühlen
  • Veränderung in der Familendynamik
  • Verlust sozialer Interaktionen und Isolation
  • Finanzielle Probleme
  • Der Kampf mit den Symptomen umzugehen und alltägliche Aufgaben zu meistern

Menschen mit chronischen Krankheiten fühlen oft einen großen Verlust. Es ist nicht unüblich einige oder alle Phasen der Trauer zu durchleben (Nicht-wahrhaben-wollen, Wut, Verhandeln, Depression, Akzeptanz).

Sie trauern um das Leben, dass sie einst hatten. Sie trauern um das Leben, das sie jetzt ertragen müssen. Sie trauern um das Leben, dass sie sich eigentlich erträumt hatten.

Viele chronisch Erkrankten fühlen sich auch häufig isoliert. Obwohl sie sich soziale Interaktionen wünschen, machen es ihre Symptome nicht leicht und manchmal sogar unmöglich überhaupt am Telefon zu reden, eine E-Mail oder einen Facebook-Post zu schreiben.

5. Die Symptome chronischer Krankheiten sind sehr komplex

Die Symptome, die den meisten Betroffenen widerfahren, variieren abhängig von der Krankheit.

Allerdings sind viele von ihnen von diesen Symptomen betroffen: extreme Müdigkeit, Schmerzen, Kopfschmerzen, Bewusstseinstrübung, Übelkeit und/ oder Schwindel.

Es ist nicht unüblich, dass diese Symptome kommen und gehen – manchmal von Stunde zu Stunde. Unternehmungen zu planen, kann dadurch sehr schwer werden.

Ein „guter Tag“ für Menschen mit chronischer Erkrankung wäre für andere vermutlich ein Krankheitstag.

6. Erschöpfung durch chronische Krankheiten ist viel mehr als einfach nur „müde sein“

Erschöpfung und Müdigkeit ist ein gängiges Symptom und in vielen Fällen ist es akut und sehr kräftezehrend. Es kann durch einfache Aktivitäten oder umfangreiche Ereignisse ausgelöst werden, wie zum Beispiel Reisen.

Betroffene müssen oft „dafür zahlen“ um an Unternehmungen teilnehmen zu können, in dem sie sich dann für Tage, Wochen oder sogar Monate davon erholen müssen.

Sie müssen sich vielleicht auch oft ausruhen und in letzter Minute Verabredungen absagen. Das heißt nicht, dass sie faul sind, oder Aktivitäten vermeiden wollen.

Wenn die Erschöpfung eintritt, gibt es keine andere Möglichkeit, als sich auszuruhen. Es ist, als ob der Körper „gegen eine Wand rennt“ und nicht weiter kann, egal was er versucht.

Für ein besseres Verständnis der Erschöpfung und eingeschränkten Energie eines chronisch kranken Menschens, kann man hier einen hilfreichen Artikel über die „Löffel Theorie“ lesen.

Musstest du schon mal für mehrere Tage im Bett bleiben, wegen einer Erkältung, Operation oder einem Klinikaufenthalt? Erinnere dich, wie sich das angefühlt hat. Du konntest kaum vom Bett aufstehen und jede kleine Tätigkeit war anstrengend.

Und jetzt denke darüber nach, wie es sich anfühlen muss, sich jeden Tag, den ganzen Tag so zu fühlen – über Monate oder Jahre hinweg.

7. Schmerz ist ein häufiges Symptom von chronischer Erkrankung

Bei chronisch Erkrankten tritt oft ein anhaltender Schmerz auf, einschließlich Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, Nervenschmerzen, Rückenschmerzen und/ oder Nackenschmerzen.

➨ Mehr zum Thema: 23 Mio. Schmerzpatienten gibt es: Ihre Versorgung ist lückenhaft – was sich ändern muss

8. Bewusstseinstrübung ist äußerst frustrierend

Bewusstseinstrübung ist deshalb frustrierend, weil es ein Symptom ist, deren Auswirkungen man anderen schwer erklären kann.

Es ist eine kognitive Fehlfunktion, die bei chronischer Erkrankung üblich ist – das kann dazu führen, Schwierigkeiten zu haben Wörter zu finden, sich zu konzentrieren oder sich an etwas zu erinnern.

Diejenigen mit Bewusstseinstrübung wissen oft, was sie sagen wollen, können aber keine Gedanken in Wörter fassen, um wirksam zu kommunizieren.

9. Das Risiko für Infektionen ist größer

Das Immunsystem von chronisch Erkrankten kann überaktiv sein und anstatt Infektionen der Krankheit abzuwehren, kämpft das Immunsystem gegen die körpereigenen Organe, Gelenke, Nerven und/ oder Muskeln.

Viele Betroffene nehmen Medikamente, um ihr überaktives Immunsystem zu unterdrücken und infolgedessen sollten sie kranke Menschen aus dem Weg gehen.

Eine kleine Erkältung einer gesunden Person kann zu einer gefährlichen Infektion für chronisch Kranke werden.

10. Bestimmte Lebensmittel können die Symptome verschlimmern

Bestimmtes Essen kann die Symptome von Erkrankten verschlechtern. Geläufige Auslöser sind Gluten, Milchprodukte, Zucker, Soya, Hefe, Alkohol und industriell verarbeitete Lebensmittel.

Diese Auslöser können Entzündungen verstärken, was die weiteren Symptome auch vermehrt – diese können für Stunden oder Tage (manchmal auch Wochen) anhalten.

Da wir uns von vielen dieser Lebensmittel ernähren, ist es oft schwer herauszufinden, welches davon die Symptome ausgelöst hat. Und sein Lieblingsessen zu vermeiden kann eine Herausforderung sein.

11. Empfindlichkeit gegenüber Gerüchten ist weitverbreitet

Bestimmte Gerüche wie Parfum, Reinigungsmittel und Rauch können Kopfschmerzen, Bewusstseinstrübung, Übelkeit und andere Symptome hervorrufen.

Einige Medikamente für die Behandlung chronischer Krankheiten sind niedrig dosierte Chemotherapie-Medikamente. Die Empfindlichkeit kann man mit der von Schwangeren oder Chemotherapie-Patienten gleichsetzen.

12. Es ist anstrengend, eine chronische Krankheit zu bewältigen

Chronisch Erkrankte müssen gut organisiert sein, damit sie ausreichend Erholung bekommen, symptomauslösendes Essen vermeiden, die Medikamente zur richtigen Zeit einnehmen und Grippen vermeiden können.

➨ Mehr zum Thema: Grippe-Impfung: Wer sich vor Influenza schützen sollte

Es ist verständlich, dass sie sich auch nur wie ein „normaler“ Mensch fühlen wollen und auch mal eine Pizza essen oder lange wach bleiben – auch wenn sie wissen, dass sie später „dafür zahlen müssen“.

Mitgefühl und Unterstützung kann einen großen Unterschied machen

Trotz dem Ringen mit Trauer, Isolation und zehrenden Symptomen, kämpfen chronisch Erkrankte weiter. Sie kämpfen jeden Tag damit, ihren Körper zu verstehen und Dinge zu machen, die für andere selbstverständlich sind.

Die Mitmenschen in ihrer Umgebung können ihre Herausforderungen im Alltag wahrscheinlich nicht nachvollziehen, daher ist es oft schwer, angemessene Unterstützung von anderen zu erhalten.

Du kannst einen großen Unterschied im Leben eines chronisch Kranken machen, indem du dich mit den Symptomen auseinander setzt und ihnen mit Mitgefühl und Unterstützung entgegenkommst.

Verständnis für chronische Krankheiten kann helfen, diese weniger „unsichtbar“ zu machen. Darum ist es so wichtig, dass du dir die Zeit genommen hast, um diesen Artikel zu lesen. Danke!“

Pressemeldung DGS „Opioid-Abhängigkeit: Notstand in USA ausgerufen“

Nachdem der amerikanische Präsident Donald Trump aufgrund der massiven Zunahme an Drogentoten den nationalen Notstand bezüglich Opioiden erklärt hat, gibt die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) Entwarnung: In Deutschland sei aktuell kein Gesundheitsnotstand aufgrund von Opioid-Abhängigkeit zu befürchten. Die gesetzlichen Regelungen sowie die vorhandenen Leitlinien zum Einsatz von Opioiden verhinderten in den meisten Fällen die Entwicklung einer Abhängigkeit.

Mehr über das Thema in der Pressemeldung der DGS:


Opioid-Abhängigkeit: Notstand in USA ausgerufen

In Deutschland derzeit kein Gesundheitsnotstand aufgrund von Opioid-Abhängigkeit zu befürchten

Berlin, 31. Oktober 2017. Nachdem der amerikanische Präsident Donald Trump aufgrund der massiven Zunahme an Drogentoten den nationalen Notstand bezüglich Opioiden erklärt hat, gibt die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) Entwarnung: In Deutschland sei aktuell kein Gesundheitsnotstand aufgrund von Opioid-Abhängigkeit zu befürchten. Die gesetzlichen Regelungen sowie die vorhandenen Leitlinien zum Einsatz von Opioiden verhinderten in den meisten Fällen die Entwicklung einer Abhängigkeit.

Vor wenigen Tagen hat der amerikanische Präsident Donald Trump angesichts einer drastischen Zunahme von Opioid-Abhängigen in den USA einen Gesundheitsnotstand erklärt. Die New York Times veröffentlichte bereits im Juni 2017 Daten, nach denen im Vorjahr ca. 65 000 US-Bürger an einer Drogenüberdosis starben. Damit übersteigt die Zahl der Drogentoten diejenigen, die im Straßenverkehr oder aufgrund von Herzerkrankungen oder HIV starben.[1]

Strenge Regelungen zum Einsatz von Opioiden in Deutschland

„In Deutschland ist der Einsatz von Opioiden weitestgehend unproblematisch“, so Dr. Oliver Emrich, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS). „Schmerzpatienten hierzulande erhalten in der Regel nur dann Opioide, wenn die strengen Regeln der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtmVV) und des Betäubungsmittelgesetzes  (BtmG) eingehalten werden.“ Lediglich bei ca. 1-3 Prozent der mit Opioiden behandelten Schmerzpatienten kommt es trotz Einhaltung aller Vorsichtsmaßnahmen zu Abhängigkeitssymptomen unter der Behandlung mit Opioiden.[2]

USA: Opioide oft ohne Kontrollen

Ein Controlling von Schmerzpatienten unter Opioiden gibt es in den USA bislang kaum. Amerikanische Ärzte verschrieben immer größere Mengen an Opioiden, ohne deren Wirkungen und unerwünschte Wirkungen wie die Auslösung eines Suchtverhaltens ausreichend zu prüfen. Die 2016 publizierten Leitlinien des Centers for Disease Control and Prevention (CDC) mahnen zwar enge, zum Teil wöchentliche Wirkungs-Nebenwirkungs-Kontrollen einer Schmerzbehandlung mit Opioiden an, finden aber wenig Beachtung unter den Ärzten.[3]

Grundsätzlich bergen Opioide ein hohes Potenzial der Suchtstoffabhängigkeit, vor allem gerade auch dann, wenn sie gespritzt oder unretardiert eingenommen werden. Eine unretardierte Applikation führt zu hohen Rezeptorschwankungen der Opioide an den Opioidrezeptoren. Diese Schwankungen wiederum können zu Abhängigkeit im Sinne einer übermäßigen Erwartung der Applikation führen. Wissenschaftliche Auswertungen und die Empfehlungen aller Fachgesellschaften in Deutschland legen daher nahe, Opioide streng indikationsbezogen, retardiert, niedrig dosiert, zeitlich begrenzt und kontrolliert einzusetzen.2 Nicht retardierte Opioide, ein laxes Monitoring und eine unzureichende Prä-Anamnese der Patienten, die Opioide nehmen, erhöhen das Risiko einer Suchtstoffabhängigkeit.

„In Deutschland besteht derzeit kein Anlass, einen Notstand bezüglich der Opioid-Praxis zu beklagen“, so das Fazit von Emrich. „Wir haben hierzulande erheblich bessere und stringentere Behandlungsregeln sowie gesetzliche Regelungen, um eine so fatale Entwicklung, wie wir sie in den USA sehen, wirkungsvoll zu verhindern.“

Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) e.V.

Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) e.V. ist mit rund 4.000 Mitgliedern die größte Gesellschaft praktisch tätiger Schmerztherapeuten in Europa. Sie setzt sich für ein besseres Verständnis und für bessere Diagnostik und Therapie des chronischen Schmerzes ein. Bundesweit ist sie in rund 125 regionalen Schmerzzentren organisiert, in denen interdisziplinäre Schmerzkonferenzen veranstaltet werden. Oberstes Ziel der DGS ist die Verbesserung der Versorgung von Menschen mit chronischen Schmerzen. Dies kann nur durch die Etablierung der Algesiologie in der Medizin erreicht werden. Dazu gehört die Qualitätssicherung in der Schmerzmedizin durch die Etablierung von Therapiestandards sowie die Verbesserung der Aus-, Fort- und Weiterbildung auf den Gebieten der Schmerzdiagnostik und Schmerztherapie für Ärzte aller Fachrichtungen. Um die Bedürfnisse von Patienten noch besser zu verstehen, arbeitet die DGS eng mit der Patientenorganisation Deutsche Schmerzliga (DSL) e.V. zusammen.

[1] https://www.nytimes.com/interactive/2017/06/05/upshot/opioid-epidemic-drug-overdose-deaths-are-rising-faster-than-ever.html

[2] http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/145-003l_S3_LONTS_2015-01.pdf

[3] CDC Guideline for Prescribing Opioids for Chronic Pain — United States, 2016, Recommendations and Reports / March 18, 2016 / 65(1);1–49)

 

Schmerz lass nach – leben mit dem Leiden

Moderator Michael Steinbrecher, Quelle: swr.de

Schmerz lass nach! Das wünscht sich jeder vierte Deutsche.

Es sticht im Rücken, es hämmert im Kopf, es pocht im Zahn – wer chronische Schmerzen hat, quält sich durchs Leben.
Etwa 15 Millionen Bürger leiden unter dauernden oder wiederkehrenden Schmerzen – und das in einer hochtechnisierten Welt, in der Milliarden für die Gesundheit und den medizinischen Fortschritt ausgegeben werden.

Schmerzmittel gehören mittlerweile für viele Menschen zu ihrem Alltag, ca. zwei Millionen Deutsche sind medikamentenabhängig. Die Deutschen bekommen mehr Schmerzmittel verschrieben als je zuvor – seit kurzem darf der Arzt auch Cannabis auf Rezept verordnen.

Wer bereits eine lange Behandlungs-Odyssee hinter sich hat, greift in seiner Verzweiflung nach dem letzten Strohhalm und kann dabei auch auf gefährliche selbsternannte Heiler stoßen, die in einem ausufernden Therapie-Dschungel mit windigen Heilmethoden locken.

Am Ende ist der Patient viel Geld, aber nicht den Schmerz los. Auch Selbstmedikation spielt eine immer größere Rolle – statt Fachärzten wird Dr. Google um Rat gefragt. Genau hier wittert die Pharmaindustrie neue Absatzmärkte jenseits der Rezeptpflicht.

Woher kommt der hemmungslose Griff zur Tablette? Was können Schmerzkliniken leisten, welche Rolle spielen Selbstheilungskräfte, brauchen wir für jedes Symptom gleich eine Pille?

Das ist das Thema im Nachtcafé am heutigen Freitag, um 22.00 Uhr, im SWR Fernsehen.

Gäste:

Monika Baumgartner – bei der Schauspielerin blieb 15 Jahre ein Tumor unentdeckt
Annette Bartnicki – ihre 10-jährige Tochter muss täglich starke Schmerzen aushalten
Stefan Ustorf – Verletzungen gehörten zum Alltag des Ex-Eishockey-Profis
Birgit Spengler – wurde arbeitsunfähig durch Clusterkopfschmerzen
Michael Mross – der TV-Börsenexperte verlor bei einem Unfall Bein und Arm
Prof. Dr. Sven Gottschling – Chefarzt und Schmerzmediziner