ARTE-Themenabend: Die Angst vor Schmerzen

DownloadAm Dienstag, den 27. Oktober 2015, gibt es den ARTE-Themenabend „Die Angst vor Schmerzen“ mit zwei Dokumentationen um 20:15 Uhr „Angst vor Schmerzen“ (52 Min.) und um 21:05 Uhr „Leben mit Schmerzen“ (52 Min.).

Seit über einem Jahrhundert verspricht uns die Pharmaindustrie, dass mit der richtigen Pille der Schmerz „abgeschaltet“ wird. Risiken und Nebenwirkungen werden bewusst verharmlost. Der ARTE-Themenabend beschäftigt sich mit Schmerz – welche Rolle er in unserem Leben spielt, wie das Geschäft mit dem Schmerz aussieht und warum es für chronisch Betroffene so schwer ist, ernst genommen zu werden und Heilung zu finden.

Hier der Link zu den Dossiers.

Schmerzen stärken unsere Erinnerungen

Angst vor Schmerzen kann schwache Erinnerungen rückwirkend verstärken. Das konnten US-amerikanische Forscher der New York University in einem Experiment mit leichten Stromstößen nachweisen. Sie zeigten, wie scheinbar belanglose Informationen sich ins Gedächtnis einprägen, wenn sie durch ein darauf folgendes, bewegendes Ereignis – wie einen Elektroschock – Bedeutung erlangen. Die Wissenschaftler um Elizabeth Phelps veröffentlichten ihre Studie im Fachjournal „Nature“. Weitere Untersuchungen sollen erforschen, was die Erkenntnisse etwa für Angst- und Traumapatienten bedeuten.

Gericht erlaubt Schwerkranken Cannabis-Anbau

Cannabis-Pflanze Quelle: pixelio.de
Cannabis-Pflanze
Quelle: Susanne Schmich, pixelio.de

Jetzt ist es raus: Schwerkranke dürfen in Einzelfällen Cannabispflanzen für medizinische Zwecke anbauen. Das Urteil eines Kölner Gerichts ist ein großer Erfolg für Schmerzpatienten.

  • In Einzelfällen ist der Eigenanbau von Cannabispflanzen zu therapeutischen Zwecken nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts Köln möglich
  • Von diesem Urteil könnten chronisch kranke Patienten profitieren, denen außer der Droge Cannabis nichts gegen ihre Schmerzen hilft
  • Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte fürchtet große Risiken durch einen Eigenanbau der Droge
  • Wie gut die Inhaltsstoffe von Cannabispflanzen gegen Schmerzen wirken und welche Nebenwirkungen es gibt, ist noch unzureichend untersucht

In Deutschland gab es bereits rund 300 Menschen mit chronischen Schmerzen, die eine Ausnahmegenehmigung besitzen: Sie durften Cannabis erwerben, weil ihnen von ärztlicher Seite attestiert worden war, dass Hanf ihr Leiden lindern kann und sie somit die Chance auf ein einigermaßen erträgliches Leben haben.

Allerdings ist Cannabis aus der Apotheke zu teuer für schwerkranke Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen in aller Regel nicht oder nur wenig arbeiten können. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten von rund 600 Euro im Monat in der Regel nicht. Eine echte Alternative ist der Anbau von Cannabis. Aber das war bisher verboten.

Ausgerechnet das Bundesgesundheitsministerium war der Meinung, der Anbau von Cannabis in der Privatwohnung eines Schwerkranken müsse zurückstehen gegenüber dem Schutzinteresse der Bevölkerung. Man sah Cannabis offenbar noch immer als gefährliche Einsteigerdroge.

Aber es geht hier nicht um die Verharmlosung von Cannabis. Es geht hier um Menschen wie die drei Kläger vor dem Kölner Verwaltungsgericht. Sie sind schwer krank, haben alle anderen möglichen Therapien erfolglos durchlaufen. Für sie gibt es keine andere Option.

Du bist nicht allein!

Wenn man Schmerzpatient ist, stellt man sich gerne einmal die Frage: Warum gerade ich? Und obwohl man natürlich weiß, dass man nicht alleine ist, fühlt man sich oft alleine gelassen – von Ärzten und Therapeuten, den Krankenkassen und Arzneimittelkonzernen, den Freunden und der Familie.

Vielen Menschen hilft es, wenn sie sich sich klar machen, dass es alleine in Deutschland schätzungsweise 12 bis 15 Millionen Menschen sind, die unter chronischen, länger andauernden oder wiederkehrenden Schmerzen leiden. Und auch viele Personen des öffentlichen Lebens gehören und gehörten dazu.

So litten z.B. viele berühmte Personen unter Migräne und haben diese beschrieben oder auf Gemälden festgehalten. Darunter Heinrich Heine, Friedrich Nietzsche, Karl Marx, Sigmund Freud, Julius Cäsar, Claude Monet, Vincent van Gogh oder auch Ludwig van Beethoven.

Auch Persönlichkeiten wie George Washington und Gustav Mahler waren Kopfschmerzkandidaten, ebenso wie Prinzessin Margaret und Eugen Delacroix.

Prominente Rheumapatienten

Der berühmte Herzchirurg Christiaan Barnard, der 1967 in Kapstadt die erste Herztransplantation durchgeführt hatte, litt in späteren Jahren an einer schweren Form der Arthritis. Auch Papst Johannes Paul II. litt unter Arthritis, die ihm mit zunehmenden Alter immer mehr zu schaffen machte.

Mit der Gicht (Arthritis urica) hatten es viele berühmte Persönlichkeiten der Geschichte zu tun, so z.B. Peter Paul Rubens, Albrecht von Wallenstein, Oliver Cromwell, Giacomo Casanova, Isaac Newton, Gottfried Wilhelm Leibnitz, Benjamin Franklin, Johann Wolfgang von Goethe und Charles Darwin.

John F. Kennedy

Aber einer der wohl bekanntesten Schmerzpatienten war wohl John F. Kennedy. Sein ganzes Leben, gerade als Erwachsener, litt Kennedy ununterbrochen an unsäglichen Schmerzen. Vor allem am Rücken, wo schon in jungem Alter eine akute Osteoporose eingesetzt hatte. Sie war direkte Folge intensiver Kortisonbehandlungen aufgrund der Addison-Krankheit, die Kennedys Nebenniere befallen hatte.