Schmerz: Eine Befreiungsgeschichte

“Schmerz: Eine Befreiungsgeschichte” von Harro Albrecht Quelle: amazon.de
“Schmerz: Eine Befreiungsgeschichte” von Dr. med. Harro Albrecht
Quelle: amazon.de

Schmerz ist eine menschliche Ur-Erfahrung und das Symptom, das Menschen am häufigsten zum Arzt treibt. Mehr als 16 Millionen Deutsche leiden unter andauernden oder wiederkehrenden Schmerzen. Doch die Schmerzmittel, die ihnen verordnet werden, haben mitunter schwere Nebenwirkungen und helfen nicht immer. Die Lösungsvorschläge der Pharmaindustrie und der Biomedizin erweisen sich zunehmend als Sackgasse. An ihre Stelle sind Neurobiologen, Psychologen und Soziologen getreten, die einen neuen Blick auf das Phänomen Schmerz erlauben.

Der Arzt und Wissenschaftsjournalist Dr. med. Harro Albrecht, Jahrgang 1961, führt ebenso spannend wie erkenntnisreich durch die Welt des Schmerzes. Er spricht mit Medizinern, mit Naturwissenschaftlern ebenso wie mit Geisteswissenschaftlern, mit Leidenden, mit Hoffnungsvollen, mit lustvollen Schmerzgenießern und mit Verzweifelten. Sein Resümee: Schmerz ist weit mehr als eine körperliche Empfindung. Schmerz besitzt auch eine gesellschaftliche Dimension und erzählt von unserem Geist-Körper-Verhältnis ebenso wie von kulturellen Prägungen und religiösen Wertorientierungen. Diese Erkenntnis macht Mut: Linderung ist möglich. Aber wir müssen lernen, anders mit Schmerzen umzugehen.

  • Gebundene Ausgabe: 608 Seiten
  • Verlag: Pattloch (2. März 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3629130380
  • ISBN-13: 978-3629130389

Konditionierung: Pawlow gegen Schmerz

„Die Kopfschmerzen bessern sich schlagartig, wenn das Telefon klingelt. Klingt nach Zauberei, ist aber nur Konditionierung. Dass sie auch bei Schmerzen funktioniert, konnten Wissenschaftler nun nachweisen und eröffnen damit neue Behandlungsstrategien für Schmerzpatienten.

Pawlowsche Hunde, das waren die Hunde, bei denen zu jeder Mahlzeit eine Glocke bimmelte. Nach kurzer Zeit genügte bereits das Klingeln der Glocke, um bei den Tieren den Speichelfluss anzuregen – sie waren konditioniert, und ihr experimentierfreudiges Herrchen bekam für diese Versuche sogar im Jahr 1904 den Nobelpreis verliehen. Eine eben solche Konditionierung könnte auch Menschen mit chronischen Schmerzen helfen, wie Wissenschaftler in einem Experiment, das kürzlich im Fachmagazin PLOS One veröffentlicht wurde, zeigen konnten.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel (Sonja Schmitzer, DocCheck News)

Kann man sich Schmerzen einbilden?

Eine Frage, die sich manche Menschen mit wiederkehrenden oder chronischen Schmerzen hin und wieder stellen. Ein Mensch, der einen akuten Schmerz empfindet, weil er sich mit dem Hammer auf den Finger geschlagen oder wie mein kleiner Sohn mal wieder gegen eine Tür gelaufen ist, würde sich solch eine Frage nie stellen. Klare Ursache, klare Wirkung. Ein anderer Auslöser für ein Zweifeln am tatsächlichen Vorhandensein der Schmerzen ist oft das persönliche Umfeld, das entweder kein Verständnis oder das nötige Wissen hat („Du hast doch gesagt Dein Arzt hat hat auf den Röntgenbildern nichts Schlimmes finden können. Dann können doch auch die Schmerzen nicht so schlimm sein.“).

Ich habe das Glück ein verständnisvolles Umfeld zu haben. Doch stößt jedes Verständnis an seine natürlichen Grenzen, wenn die Kräfte der nahestehenden Personen nachlassen.

Für das Wissen in meinem Umfeld bin ich zwar nicht alleine verantwortlich. Aber ich versuche einen kleinen Beitrag durch Aufklärung zu leisten – zum Beispiel mit diesem Blog.

Lest hier, was Michael Schenk, Leiter des Zentrums für Integrative Schmerzmedizin Berlin sowie Vorstandsmitglied des Berufsverbands der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin, im Artikel von Andrea Schorsch (n-tv) zu der Frage „Kann man sich Schmerzen einbilden?“ sagt.

Kein Allheilmittel für jeden Schmerz

„Früher haftete Cannabis nichts Verbotenes an, heute ist es für Schmerzpatienten schwierig, an Cannabis-Produkte zu gelangen. Mediziner in Deutschland verordnen Cannabis vor allem Patienten mit Multipler Sklerose oder Krebs.

In der Generation unserer Urgroßeltern haftete Cannabis noch nichts Verbotenes an: Sie tranken es als Tee, um Beschwerden zu lindern, Frauen legten es sich gegen Menstruationsbeschwerden auf den Bauch, erzählt Gerhard Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin und Leiter des Schmerz- und Palliativzentrums Göppingen. Die aus den weiblichen Blüten der Hanfpflanze gewonnenen Extrakte sind ein uraltes Heilmittel, erstmals schriftlich dokumentiert wurde die medizinische Nutzung von Cannabis in einem fast 5000 Jahre alten chinesischen Lehrbuch. Bis Ende der 1920er Jahre war Cannabis auch problemlos in Form alkoholischer Extrakte als Medikament verfügbar, und wer wollte, konnte sich Hanf auch selbst anbauen.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel (Pamela Dörhöfer, Frankfurter Rundschau)