Rezeptfreie Schmerzmittel – auch mit Koffein empfehlenswert

oetonlineSchmerzen lassen sich mit rezeptfreien Präparaten oft gut behandeln. Auch bei Öko-Test schneiden die meisten Schmerzmittel aus der Apotheke gut ab – selbst Kombinations-Arzneimittel. Von 74 getesteten Produkten fallen lediglich zwei mit „ungenügend“ durch.

Schmerz- und Fiebermittel gehören zu den Top-OTCs in den Apotheken. Die Auswahl an Wirkstoffen und Präparaten ist groß. Das Verbrauchermagazin Öko-Test hat für seine Dezember-Ausgabe 74 verschiedene Mono- und Kombinations-Arzneimittel gekauft und von Professor Manfred Schubert-Zsilavecz von der Uni Frankfurt untersuchen lassen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: 38 Präparate erhielten die Bestnote „sehr gut“ und werden von Öko-Test uneingeschränkt empfohlen. 27 Arzneimittel wurden mit „gut“ bewertet, sieben mit „befriedigend“. Zwei fielen mit „ungenügend“ durch.

Wirksam sind alle

Bewertet wurde zum einen die Wirksamkeit und Sicherheit. Hier gab es wenig zu rütteln: Wirksam gegen Schmerzen und Fieber sind alle Präparate. Und die Gebrauchsinformationen enthalten in der Regel die wichtigen Hinweise zu Risiken und Nebenwirkungen, zur Dosierung sowie zur Anwendung bei Kindern und Schwangeren. Zum anderen schaute Öko-Test genauer auf die verwendeten Hilfsstoffe sowie weitere Mängel.

Alles in allem sieht es gut aus für die nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS), Naproxen und Diclofenac sowie für Paracetamol – vor allem als Monosubstanzen in (Brause-)Tabletten-Form.  Sie bekamen fast alle die Bestnote.

Hier der Link zum vollständigen Artikel von Kirsten Sucker-Sket, Deutsche Apotheker Zeitung.

Die Überdosis

Quelle: Karl-Heinz Laube, pixelio.de
Quelle: Karl-Heinz Laube, pixelio.de

„Der Handel mit rezeptfreien Medikamenten wächst, vor allem dank des Internets. Der frühere Präsident der Arzneimittelaufsicht warnt vor Pillen-Missbrauch.

Demnach sei der Umsatz von OTC-Produkten im Versandhandel zuletzt um elf Prozent auf 1,2 Milliarden Euro gewachsen, inklusive Kosmetika und Nahrungsergänzungsmittel. Anders als bei Medikamenten auf Rezept, bei denen eine Bestellung über das Internet oft umständlicher ist als der Gang zur Apotheke vor Ort, boomt der Versand von Arzneien etwa gegen Husten oder Heiserkeit, die ohne ärztliche Überwachung eingenommen werden können. Wie fleißig die Deutschen Pillen schlucken, zeigt sich auch an den insgesamt 700 Millionen verkauften Packungen im Jahr 2014 mit knapp 30,7 Milliarden Tabletten und Kapseln. „Im Ergebnis bedeutet das statistisch eine Tablette pro Tag pro Bundesbürger“, so Schweim. Interessant sei dabei vor allem, dass die durchschnittliche Arzneimittelpackung in Präsenz-Apotheken mit 41,5 Einzeldosen deutlich weniger Einheiten enthalte als die der Versandpharmazien mit 63,4 Einzeldosen. Das zeige bereits, dass der Versandhandel vorwiegend umsatzorientiert agiere, während die Apotheke vor Ort offenbar eher mengenbegrenzend wirke.

Als Beleg für diese These führt der Bonner Professor Detailanalysen zu Schmerzmitteln wie Paracetamol oder Kombi-Präparaten wie Thomapyrin oder Wick Medinait an. „Gerade solche Kombi-Präparate gegen Schmerzen und Erkältung sind therapeutisch unzweckmäßig, weil sie den Überblick über die aufgenommenen Mengen erschweren und das Risiko von Überdosierungen erhöhen“, sagt Schweim. „Ein seriöser Apotheker wird solche Produkte gar nicht erst empfehlen.“ Die Verkäufe sprächen aber eine andere Sprache. So liege etwa bei Thomapyrin der Anteil der über den Versandhandel verkauften Packungen bei 17 Prozent und damit mehr als vier Prozentpunkte über dem durchschnittlichen Marktanteil der Versandapotheken von 12,5 Prozent im OTC-Markt: „Das klingt im ersten Moment wenig. Man muss aber berücksichtigen, dass ein Prozent Marktanteil etwa 120.000 Packungen entspricht.“ Für die Versandapotheken bedeute das 1,86 Millionen Euro Mehrumsatz für ein einziges Präparat.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel von Anja Ettel, Welt am Sonntag.

Schmerzmittel ohne Rezept – ein Bestseller in Deutschland

Prof. Dr. Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen berichtete vergangene Woche auf dem Deutschen Schmerzkongress in Hamburg über eine Relation, die jedes Jahr aufs Neue erstaunt: Analysiert man die Absatzzahlen von Schmerzmitteln in Deutschland, so steht der Verbrauch im Rahmen der Selbstmedikation mit weitem Abstand an der Spitze. Im Jahr 2013 wurden 111 Millionen Packungen Schmerzmittel ohne Rezept in der Apotheke verkauft (77,4%), auf die rezeptpflichtigen Mittel entfielen gerade einmal 32,5 Millionen Packungen (22,6%).

Wenig überraschend werden bei den nicht rezeptpflichtigen Mitteln Analgetika mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen und Paracetamol am häufigsten verkauft. Bei den rezeptpflichtigen Mitteln sind es Analgetika mit den Wirkstoffen Metamizol, Tilidin oder Tramadol. Insgesamt ist der Absatz der Schmerzmittel in den letzten Jahren leicht rückläufig. Unterm Strich bleibt die Schmerzbehandlung in Deutschland vor allem eine Behandlung im Rahmen der Selbstmedikation.

Die 10 meistverkauften rezeptfreien Analgetika nach Packungsmengen im Jahr 2013 (ohne Re-Importe):

  1. Paracetamol-ratiopharm
  2. Thomapyrin
  3. Ibu 1A Pharma
  4. Ibu-ratiopharm
  5. Ibuhexal
  6. Nurofen
  7. Dolormin
  8. Aspirin
  9. Aspirin Plus C
  10. Ibubeta

Die 10 meistverkauften rezeptpflichtigen Analgetika (ohne NSAR) nach Packungsmengen im Jahr 2013 (ohne Re-Importe):

  1. Novaminsulfon Winthrop
  2. Novaminsulfon-ratiopharm
  3. Tilidin comp. Stada
  4. Novaminsulfon 1A Pharma
  5. Tramal
  6. Tramadol Stada
  7. Novalgin
  8. Katadolon
  9. Tilidin AL comp.
  10. Valoron N

Quelle: IMS Health

IMS Infografik: Rezeptfreie Schmerzmittel

„Rezeptfrei erhältliche Schmerzmittel sind die meist nachgefragten Medikamente in deutschen Apotheken. Zur Linderung diverser Arten von Schmerzen kauften Verbraucher im Jahr 2013 rund 109 Millionen Packungen OTC-Analgetika im Wert von 548 Millionen Euro (zu Apothekenverkaufspreisen). Einer ausgeprägten Erkältungssaison in den ersten Monaten 2013 verdanken sich überdurchschnittlich hohe Zuwachsraten (+6 % nach Umsatz /+5 % nach Menge in Packungen) im letzten Jahr.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel von IMS Health.

Rezeptfreie Schmerzmittel: Nur achtsamer Einsatz mindert die Risiken

„Wer regelmäßig Schmerzmittel nimmt, kann schnell in einem Teufelskreis landen, denn auf Dauer können die Mittel selbst Kopfschmerzen verursachen, berichtet die Zeitschrift test in ihrer September-Ausgabe. Auch weitere Nebenwirkungen sind möglich. Der Rat: Rezeptfreie Mittel nur in Maßen einnehmen, ohne ärztlichen Rat maximal 4 Tage hintereinander und nicht mehr als 10 Tage im Monat.

Rezeptfreie Medikamente gegen Schmerzen gelten gemeinhin als harmlos, doch auch sie können der Gesundheit schaden, wenn man damit unachtsam umgeht. So lösen Schmerzmittel bei längerem Gebrauch selber Kopfschmerzen aus. Auch weitere Nebenwirkungen sind möglich. Besonders gefürchtet: Leberschäden durch Paracetamol sowie Magengeschwüre und -blutungen durch Acetylsalizylsäure (ASS), Ibuprofen, Diclofenac. Manche Schmerzmittel könnten sogar das Herzinfarktrisiko erhöhen, zeigen neue Studien.

Die Stiftung Warentest hat die Untersuchungen gesichtet. Fazit: Vormals als geeignet bewertete rezeptfreien Wirkstoffe sind nach wie vor geeignet. Ihr Nutzen überwiegt auch nach jetzigem Forschungsstand das Risiko – wenn Patienten sie achtsam einsetzen. Deshalb rät test: Schmerzmittel ohne ärztlichen Rat maximal 4 Tage hintereinander und höchstens an 10 Tagen im Monat einnehmen.

test gibt Hintergrundinformationen zum Thema und bietet zusätzlich erstmals (kostenpflichtig) Kurzporträts von rezeptfreien Schmerzmitteln mit Bewertung, Dosierhinweisen und Neben-/Wechselwirkungen unter www.test.de/schmerzmittel. Unter www.test.de/medikamente findet sich eine Medikamentendatenbank mit mehr als 8000 Mitteln für 185 Anwendungsgebiete (kostenpflichtig).“