Doch lieber Pfefferminzöl?

Quelle: bschpic, pixelio.de
Quelle: bschpic, pixelio.de

„Kein Medikament wird häufiger und unbedachter eingenommen als Schmerztabletten. Paracetamol, ASS und Ibuprofen gelten als harmlos – ein Irrtum.

Ein paar Kaffeebecher waren es, die Wissenschaftler der University of Kentucky zum Nachdenken brachte. Sie hatten Probanden einen solchen Becher geschenkten und ihnen sagten, dass sie ihren Becher verkaufen dürfen, den Preis sollten die Probanden selbst festlegen. Doch vorher mussten die Teilnehmer noch eine Tablette schlucken. Entweder enthielt diese Paracetamol – oder sie war ohne Wirkstoff. Das Erstaunliche: Wenn die Teilnehmer vorher Paracetamol eingenommen hatten, verlangten sie im Durchschnitt vier Dollar für den Becher. Zwei Dollar weniger als die Teilnehmer aus der Kontrollgruppe, die das Placebo genommen hatten. Mit Schmerzmittel im Körper wurde die Ware also um ein Drittel günstiger hergegeben. Schmerzmittel lindern also nicht nur körperliche Schmerzen, sondern auch den Schmerz von finanziellen Verlusten.

Als Erklärung vermutet Studienleiter Nathan DeWall, dass Paracetamol nicht nur Fieber und Kopfschmerzen lindert, sondern auch den Schmerz bei der Trennung von Eigentum. Oder vom eigenen Geld – viel davon auszugeben, verursacht Menschen meist unangenehme Gefühle. „Ein Schmerzmittel kann diese Empfindung betäuben.“

Das ist nicht die einzige Nebenwirkung von rezeptfreien Schmerztabletten.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel von Jörg Zittlau, Welt am Sonntag.

Es gibt 37 Arten von Kopfschmerzen…

Quelle: Rainer Sturm, pxelio.de
Quelle: Rainer Sturm, pxelio.de

…und Werbung, die alle gleichzeitig bei mir auslösen.

Zum einen sind der heutigen Medizin nicht 37, sondern über 250 verschiedene Arten von Kopfschmerzen bekannt (Internationale Kopfschmerz-Klassifikation (ICHD-2).

Zum anderen bezeichnen unabhängige Verbraucherorganisationen, wie z.B. die Stiftung Warentest, die Wirkstoffkombination Acetylsalicylsäure + Paracetamol + Coffein als „wenig geeignet bei Schmerzen, Fieber sowie beim Migräneanfall“. Es sei eine nicht sinnvolle Kombination von Schmerzmitteln. Die therapeutische Wirkung verbessere sich nicht zuverlässig, unerwünschte Effekte hingegen könnten gleichzeitig auftreten.

Doch was mich am allermeisten aufregt ist die Tatsache, dass Schmerzmittelwerbung sehr oft suggeriert, eine Pille könne Kopfschmerzen einfach so „wegzaubern“. Bei akuten Kopfschmerzen mag das manchmal gelingen. Nur leider greifen auch viele Menschen mit chronischen Kopfschmerzen zu Medikamenten mit genannter Wirkstoffkombination. Werbung als auch Homepage des Herstellers des bekanntesten Präparats mit dieser Wirkstoffkombination machen da leider keinen Unterschied.

Paracetamol bringt bei Rückenschmerzen nichts

Quelle: rameckers. freeimages.com
Quelle: rameckers. freeimages.com

„Schon seit Jahren gibt es Zweifel daran, ob Paracetamol bei Rückenschmerzen die richtige Wahl ist. Jetzt zeigt eine neue Analyse: Wirkung gleich null – dafür bergen die Pillen aber erhebliche Risiken.

Noch immer wird in vielen Leitlinien Paracetamol für die Ersttherapie bei Rücken- und Nackenschmerzen sowie Hüft- und Kniearthrose empfohlen. Dabei hatte bereits 2008 eine Metaanalyse Zweifel an der Wirksamkeit ergeben.

Dies bestätigt nun eine systematische Analyse eines Teams um Dr. Gustavo C. Machado vom George Institute for Global Health in Sydney. Ausgewertet wurden randomisierte und placebokontrollierte Studien.

Primäre Endpunkte waren Schmerz, Einschränkungen der Beweglichkeit und Lebensqualität.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel (Peter Leiner, Ärzte Zeitung).

Paracetamol macht gleichgültig

Quelle: Verena Münch, pixelio.de
Quelle: Verena Münch, pixelio.de

„Es gehört zu den geläufigsten Schmerzmitteln: Paracetamol. Doch wer das Medikament einnimmt, dämpft einer neuen Studie zufolge nicht nur seine körperliche Schmerzen, sondern auch seine Gefühle – und zwar positive wie negative. Paracetamol soll Schmerzen, Fieber und Erkältungsbeschwerden lindern. Neben Ibuprofen und Präparaten mit Acetylsalicylsäure – wie Aspirin – gehört es zu den weltweit gebräuchlichsten Schmerzmitteln. Das fiebersenkende Medikament steht auf der „Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation“ und wird sogar Schwangeren verordnet. Einer neue Studie zufolge dämpft Paracetamol jedoch nicht nur Schmerzen, sondern auch Emotionen – und zwar positive wie negative. Die Psychologen von der Ohio State University veröffentlichten ihre neuen Erkenntnisse kürzlich im Fachjournal Psychological Science.“ Hier der Link zum vollständigen Artikel (Berliner Zeitung).

Paracetamol, Schwangerschaft, ADHS, Entwicklungsstörungen

„Paracetamol-Exposition während der Schwangerschaft erhöht nach neuen Studien bei den Kindern das Risiko u.a. für schwergradige Entwicklungsstörungen, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Hyperaktivitätssyndrom (HAS).

Paracetamol gehört zu dem am meisten verwendeten Schmerzmittel während der Schwangerschaft. Mehrere Studien der letzten Jahre haben ein erhöhtes Risiko für Hodenhochstand und Unfruchtbarkeit bei Jungen und Asthma bei Kindern nach Paracetamol-Exposition während der Schwangerschaft beschrieben. In Hinblick auf die geringe Wirksamkeit von Paracetamol bei Schmerzen reichen alleine diese Risiken aus, um von der Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft zu warnen. Gleichwohl wird weiter in Publikationen Paracetamol als unbedenklich den Schwangeren geradezu aufgedrängt. Zwei neue Studien der letzten Monate haben nun weitere überraschende und erschreckende neue Risiken für die Paracetamol-Einnahme in der Schwangerschaft dokumentiert.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel (Prof. Dr. Hartmut Göbel, Schmerzklinik Kiel)

Schmerztherapie im Alter: Die besondere Herausforderung

„Die Behandlung chronischer Schmerzen stellt Betroffene und Fachleute vor besondere Herausforderungen. Das gilt vor allem bei älteren Patienten, bei denen während einer langfristigen Analgetika-Behandlung häufig Nebenwirkungen auftreten.

Zu den häufigsten Ursachen für chronische Schmerzen gehören bei älteren Patienten Erkrankungen des Bewegungsapparats wie Osteoporose-bedingte Knochenbrüche und Arthrose, Tumoren und Neuropathien, etwa der Post-Zoster-Schmerz. Da chronischer Schmerz nicht nur den Körper betrifft, gibt es besondere Anforderungen an die Therapie. »Grundsätzlich braucht jede Schmerzbehandlung eine multimodale Herangehensweise«, erklärte Privatdozent Dr. Heinrich Burkhardt, Universitätsklinikum Mannheim, auf dem Geriatrie-Kongress Ende September in Halle. Neben physikalischen und psychologischen Verfahren kommen dabei vor allem Analgetika zum Einsatz.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel (Iris Hinneburg, Pharmazeutische Zeitung)

Rezeptfreie Schmerzmittel: Nur achtsamer Einsatz mindert die Risiken

„Wer regelmäßig Schmerzmittel nimmt, kann schnell in einem Teufelskreis landen, denn auf Dauer können die Mittel selbst Kopfschmerzen verursachen, berichtet die Zeitschrift test in ihrer September-Ausgabe. Auch weitere Nebenwirkungen sind möglich. Der Rat: Rezeptfreie Mittel nur in Maßen einnehmen, ohne ärztlichen Rat maximal 4 Tage hintereinander und nicht mehr als 10 Tage im Monat.

Rezeptfreie Medikamente gegen Schmerzen gelten gemeinhin als harmlos, doch auch sie können der Gesundheit schaden, wenn man damit unachtsam umgeht. So lösen Schmerzmittel bei längerem Gebrauch selber Kopfschmerzen aus. Auch weitere Nebenwirkungen sind möglich. Besonders gefürchtet: Leberschäden durch Paracetamol sowie Magengeschwüre und -blutungen durch Acetylsalizylsäure (ASS), Ibuprofen, Diclofenac. Manche Schmerzmittel könnten sogar das Herzinfarktrisiko erhöhen, zeigen neue Studien.

Die Stiftung Warentest hat die Untersuchungen gesichtet. Fazit: Vormals als geeignet bewertete rezeptfreien Wirkstoffe sind nach wie vor geeignet. Ihr Nutzen überwiegt auch nach jetzigem Forschungsstand das Risiko – wenn Patienten sie achtsam einsetzen. Deshalb rät test: Schmerzmittel ohne ärztlichen Rat maximal 4 Tage hintereinander und höchstens an 10 Tagen im Monat einnehmen.

test gibt Hintergrundinformationen zum Thema und bietet zusätzlich erstmals (kostenpflichtig) Kurzporträts von rezeptfreien Schmerzmitteln mit Bewertung, Dosierhinweisen und Neben-/Wechselwirkungen unter www.test.de/schmerzmittel. Unter www.test.de/medikamente findet sich eine Medikamentendatenbank mit mehr als 8000 Mitteln für 185 Anwendungsgebiete (kostenpflichtig).“