Infos zu individualisierter Therapie bei Schmerzen

logo-onko-internetportalDie Möglichkeiten einer präzisen Diagnostik und Therapie bei Schmerzen haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert, sodass heute bei jedem Krebskranken eine Schmerzlinderung und bei 90 Prozent der Patienten sogar eine Schmerzfreiheit erreicht werden kann.

Entscheidend für eine erfolgreiche Schmerztherapie ist ein interdisziplinäres Konzept, das neben der Pharmakotherapie auch psychosoziale Interventionen und die aktive Mitarbeit des Patienten einschließt, erinnert das ONKO-Internetportal in einer Mitteilung.

Unter www.krebsgesellschaft.de/thema_august2016 stellt das ONKO-Internetportal medizinische Konzepte für eine auf individuelle Bedürfnisse des Patienten angepasste Schmerztherapie vor.

Schmerz nach der Krebstherapie: Kaum auszuhaltende Qualen

Quelle: NicoLeHe, pixelio.de
Quelle: NicoLeHe, pixelio.de

Lange dachten Ärzte, Krebspatienten könnten keine chronischen Schmerzen entwickeln. Heute wissen sie es besser. Gut versorgt sind diese Patienten trotzdem noch nicht.

Sei doch froh, dass du die schwere Erkrankung überstanden hast – diesen Satz hat Cecile Kreutz in den vergangenen sechs Jahren nicht nur einmal gehört. Ende 2009 entdeckten die Ärzte bei der heute 64-Jährigen einen Lungentumor, der so groß gewachsen war, dass er schon das umliegende Gewebe angegriffen hatte. Um ihn herauszuoperieren, mussten die Ärzte nicht nur Teile der Lunge entfernen, sondern auch Muskeln und Rippen herausschneiden. Eine große Narbe am Oberkörper zeugt von der Schwere des Eingriffs, dem eine lange Chemotherapie folgte.

Dass sie heute noch lebt und mit dem Rollator überall hinkommt, dafür ist Cecile Kreutz dankbar. Doch diese Freude wurde lange durch starke Schmerzen getrübt, die sie seit der Chemotherapie Tag für Tag begleiteten und sie bei jeder Bewegung einschränkten. Kein Arzt hatte dafür eine Erklärung. „Da kann man nichts machen“, sagte man ihr genauso häufig wie „Damit müssen Sie nun leben“. Doch Kreutz sagt ganz offen, dass für sie die vergangenen Jahre kein Leben mehr waren. Kein Atemzug ohne Schmerzen, kein Liegen ohne Drücken im Oberkörper. Mehrfach am Tag litt sie unter Attacken, die sich anfühlten, als steche man ihr mit zahlreichen Messern in den Rücken.

Chronischer Tumorschmerz tritt immer häufiger auf

Stefan Wirz kennt solche Leidenswege zur Genüge. Er ist Chefarzt der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin des Katholischen Krankenhauses im Siebengebirge. Der Schmerzmediziner hat sich auf Patienten spezialisiert, die unter einem Tumorschmerz leiden, und vor allem auf die, bei denen dieser chronisch ist. Sie werden immer zahlreicher, was – auch wenn es erst einmal nicht so klingt – eine gute Nachricht ist. Denn durch bessere Therapien überleben immer mehr Menschen eine Krebserkrankung. Nicht selten leben sie noch Jahrzehnte nach der Diagnose und gelten als geheilt. Doch durch die steigenden Überlebensraten zeigen sich auch Folgen der Erkrankung, die früher keine Rolle gespielt haben. Der chronische Tumorschmerz zählt dazu.

Erst langsam nimmt die Medizin dieses Leid der Krebspatienten wirklich ernst. Bis vor kurzem hat man Schmerzen unterteilt in Akutschmerz, chronifizierten Schmerz und Tumorschmerz. Lehrbücher schlossen aus, dass eine Schmerzempfindung Eigenschaften aus zwei der drei Kategorien haben könne. Laut medizinischem Fachwissen konnten nur Schmerzen von Nicht-Tumorpatienten „chronifizieren“, chronisch werden. Das Resultat: Betroffene Tumorpatienten fielen und fallen in eine Versorgungslücke unseres Gesundheitssystems.

Für Krebspatienten, die so schwer krank sind, dass sie wohl nicht mehr gesund werden, hat sich die Palliativmedizin in den vergangenen Jahren zu einer hilfreichen Fachrichtung entwickelt. Damit diese Patienten die restliche Zeit ihres Lebens so angenehm wie möglich verbringen können, ist es eine der Hauptaufgaben der Palliativmedizin, Schmerzen zu bekämpfen.

Hier der Link zum vollständigen Artikel von Lucia Schmidt, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.

Ursache für Tumorschmerz entdeckt

Quelle: Gesundheitsstadt Berlin
Quelle: Gesundheitsstadt Berlin

„Schmerz ist eines der häufigsten Begleiterscheinungen von Krebs. Wissenschaftler haben nun eine Ursache für Tumorschmerz entdeckt. Der Fund könnte helfen, den Schmerz künftig besser auszuschalten.

Krebs tut oft lange Zeit nicht weh. Doch im fortgeschrittenen Stadium leiden viele Patienten oft unter unerträglichen Schmerzen, insbesondere wenn Knochenmetastasen vorliegen. Wissenschaftler vom Universitätsklinikum Heidelberg und dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) sind dem Tumorschmerz nun wissenschaftlich nachgegangen. In Experimenten konnten sie zeigen, dass Tumore bestimmte Botenstoffe ausschütten, die benachbarte Nervenzellen überempfindlich für Schmerzreize macht. Tumore produzieren diese Botenstoffe, um das Wachstum neuer Blutgefäße in ihrer Umgebung anzuregen. Der Sensor dieser Botenstoffe ist das Rezeptorprotein VEGF-Rezeptor 1, das sowohl in Blutgefäßen als auch in Nervenendigungen vorkommt. Schalteten die Wissenschaftler den VEGF-Rezeptor aus, linderte das die Tumorschmerzen, wie die Forscher in der Zeitschrift „Cancer Cell“ berichten.hmerz entdeckt. Der Fund könnte helfen, den Schmerz künftig besser auszuschalten.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel (Beatrice Hamberger, Gesunheitsstadt Berlin).

Tumorschmerz: Das Opioid-Komplott

„Etwa 50 Prozent aller Krebspatienten haben Schmerzen, in fortgeschrittenen Stadien sind es bis zu 90 Prozent. Onkologen kritisieren, dass sich die Firmen zu stark auf Opioide konzentrieren. Dabei gibt es alternative schmerztherapeutische Ansätze im Falle eines Therapieversagens.

Um die Lebensqualität von Patienten mit Tumorschmerzen zu verbessern, ist neben psychoonkologischen Konzepten vor allem eine maßgeschneiderte Analgesie gefragt. Das Thema betrifft sowohl kurative als auch palliative Therapien. Sprechen Patienten mit Tumorschmerz nicht ausreichend auf Morphin, Hydromorphon oder Oxycodon an, verschreiben Ärzte andere Opioide. Bislang gab es zum Wechsel der Medikation keine ausreichend validen Daten.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel (Michael van den Heuvel, DocCheck News).

Die letzte Option gegen ein qualvolles Ende

„Ein Medikamenten-Cocktail erlaubt es Todkranken, die letzten Tage friedlich zu verbringen. Doch er ist umstritten. Denn die Arznei kann auch gezielt zur Sterbehilfe eingesetzt werden.

Er hat ein seltsam seliges Lächeln in seinem fahlen Gesicht, während er tief schläft. In wachem Zustand hat er zuletzt unerträgliche Schmerzen durchlitten. Er ist alt, 92, und hat schwarzen Hautkrebs mit Metastasen. Die Ärzte der Klinik in Süddeutschland geben ihm nur noch ein paar Tage.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel (Susanne Donner, Die Welt)

Kein Allheilmittel für jeden Schmerz

„Früher haftete Cannabis nichts Verbotenes an, heute ist es für Schmerzpatienten schwierig, an Cannabis-Produkte zu gelangen. Mediziner in Deutschland verordnen Cannabis vor allem Patienten mit Multipler Sklerose oder Krebs.

In der Generation unserer Urgroßeltern haftete Cannabis noch nichts Verbotenes an: Sie tranken es als Tee, um Beschwerden zu lindern, Frauen legten es sich gegen Menstruationsbeschwerden auf den Bauch, erzählt Gerhard Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin und Leiter des Schmerz- und Palliativzentrums Göppingen. Die aus den weiblichen Blüten der Hanfpflanze gewonnenen Extrakte sind ein uraltes Heilmittel, erstmals schriftlich dokumentiert wurde die medizinische Nutzung von Cannabis in einem fast 5000 Jahre alten chinesischen Lehrbuch. Bis Ende der 1920er Jahre war Cannabis auch problemlos in Form alkoholischer Extrakte als Medikament verfügbar, und wer wollte, konnte sich Hanf auch selbst anbauen.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel (Pamela Dörhöfer, Frankfurter Rundschau)