Schmerz-ABC für Kinder: Wenn die Kleinsten chronisch leiden

Quelle: SWR2
Quelle: SWR2

Am 12. August 2015 lief auf SWR2 die Sendung „Schmerz-ABC für Kinder: Wenn die Kleinsten chronisch leiden“.

Zwei Millionen Kinder und Jugendliche hierzulande leiden unter chronischen Schmerzen. Zum Teil sind sie so stark beeinträchtigt, dass auch ihr ganzer Alltag davon bestimmt wird.

Der Beitrag, der über diesen Link in der ARD-Mediathek zu finden ist, dauert 27:30 Minuten.

Falsche Indikation schafft ungewollte Gefahr

In einem Artikel von Petra Apfel, FOCUS-Online, wird vor dem falschen Gebrauch des Fentanyl-Pflasters gewarnt.

Die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft habe schon im Frühjahr 2012 darauf hingewiesen, dass Fentanyl-Pflaster nur richtig eingesetzt wirksame und sichere Schmerzmittel seien: nur gegen schwere, kontinuierliche Schmerzen und nur für Patienten, die bereits an andere Opioide gewöhnt seien. Nicht angebracht sei Fentanyl gegen akute Schmerzen (die Wirkung setzt frühestens nach zwölf Stunden ein) und als erstes Opioid-Medikament (Gefahr der Überdosierung). In der Praxis werde der Wirkstoff jedoch überwiegend als Analgetikum der ersten Wahl und als Akut-Schmerzmittel verschrieben.

Hitze, Alkohol und Grapefruit meiden

Auch die Patienten müssten mit den Fentanyl-Pflastern umgehen können: Wärme durch Sonne, Sauna oder Heizdecke, aber auch Fieber erhöhe die Konzentration des Wirkstoffs im Blut, Alkohol verstärke die Wirkung ebenso wie Grapefruit(saft). Darauf wiesen Pharmakologen der amerikanischen Mayo-Klinik hin. Außerdem – eigentlich eine Selbstverständlichkeit – dürften die Pflaster nicht in Kinderhände gelangen. Zumindest in den USA seien mehrere Kinder gestorben, die ein Pflaster entdeckt und verschluckt hatten. Die Wirkstoffkonzentration sei selbst in einem gebrauchten Pflaster noch hoch genug für die tödliche Wirkung.

Ungewollt auf Kinderhaut – Lebensgefahr

2014 warnte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zusammen mit der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) in einem sogenannten Rote-Hand-Brief erneut vor dem ungewollten Kontakt mit Fentanyl-Pflastern. Es könnten lebensbedrohliche Situationen entstehen, besonders, wenn das Pflaster unbeabsichtigt auf Kinderhaut gerät. Unter ärztlicher Aufsicht dürften schwerkranke Kinder schon ab zwei Jahren das Schmerzpflaster haben.

Wie gefährlich Fentanyl-Pflaster sein können, zeige die lange Liste von Neben- und Wechselwirkungen auf dem Beipackzettel. Aber: Nehmen Arzt und Patient die Warnhinweise ernst, sei das Schmerzmittel zum Kleben eine wirksame und auch sichere Waffe gegen schwere Schmerzen, die rund um die Uhr Linderung benötigen.

Mobbing tut richtig weh – oft dauerhaft

Quelle: Fotostudio Works/Lehre Villach, pixelio.de
Quelle: Fotostudio Works/Lehre Villach, pixelio.de

„Mobbing, körperliche und sexuelle Misshandlungen sowie Konflikte in der Familie begünstigen chronische Schmerzen bei Jugendlichen – und die dauern oft bis ins Erwachsenenalter an. Das zeigt eine aktuelle niederländische Studie.

Chronische Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen sind keine Seltenheit, in Studien waren je nach Definition ein Zehntel bis ein Viertel der Minderjährigen betroffen.

Problematisch werden solche Schmerzen, wenn sie über Jahre hinweg persistieren: Dann können sie die Leistungen in der Schule beeinträchtigen und die Kinder daran hindern, Hobbys und Freizeitaktivitäten nachzugehen oder sich einen Freundeskreis aufzubauen.

Auch gibt es Hinweise, dass viele Erwachsene mit chronischen Schmerzen schon in der Kindheit unter solchen litten, häufig an Bauch- und Kopfschmerzen oder Schmerzen in den Extremitäten, berichten Psychiater um Jessica Voerman von der Erasmus-Universität in Rotterdam.

Zudem wird berichtet, dass junge Erwachsene mit chronischen Schmerzen in der Kindheit vermehrt missbraucht oder gemobbt worden sind.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel (Thomas Müller, Ärzte Zeitung).

Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen im Fokus

Erfreulicherweise bereits am zweiten Tag waren Schmerzen im Kindes- und Jugendalter im Fokus eines Lunchseminars des 26. Deutschen interdisziplinären Schmerz- und Palliativkongresses in Frankfurt am Main. Insbesondere Prävention und Therapie von Kopf-, Rücken- und Menstruationsschmerzen bei Jugendlichen sowie die Versorgung jugendlicher Schmerzpatienten standen auf der Tagesordnung. Veranstalter des Symposiums waren die „Initiative Schmerzlos“ zum richtigen Umgang mit Schmerzen bei Jugendlichen sowie das Unternehmen Reckitt Benckiser.

v.l. Prof. Evers, Dr. Pothmann, Dr. Gendolla, Dr. Längler
v.l. Prof. Evers, Dr. Pothmann, Dr. Gendolla, Dr. Längler

Chronische, also langfristig anhaltende Schmerzen nehmen im höheren Lebensalter zu. Aber dass gerade Kopf-, Rücken- und Menstruationsschmerzen bei Jugendlichen einen großen Leidensdruck erzeugen und deren Lebensqualität beeinträchtigen, geht leider häufig unter. Laut Dr. med. Raymund Pothmann, Leiter des Zentrums Integrative Kinderschmerztherapie und Palliativmedizin „Delfin Kids“ und des Kinderhospizes Sternenbrücke in Hamburg, sei etwa jedes sechste Schulkind von Kopfschmerzen betroffen und als beratungs- bzw. behandlungsbedürftig einzustufen. Auch, so Dr. med. Astrid Gendolla, Fachärztin für Neurologie, Spezielle Schmerztherapie und Psychotherapie aus Essen, litten etwa 10 bis 20% aller Jugendlichen an muskuloskelettalen Schmerzen und Studien zufolge zwischen 43 und 91% der heranwachsenden Mädchen unter Menstruationsbeschwerden.

Was also tun? Sowohl in ihren Vorträgen als auch in der Pressekonferenz zum selbigen Thema forderten Pothmann und Gendolla den Ausbau eines altersgerechten Behandlungsangebots – sowohl aus inhaltlicher als auch geografischer Sicht. Weite Teile des Landes, gerade die neuen Bundesländer, seien unterversorgt. „Mit effizienten Maßnahmen lässt sich ein nachhaltiges Ergebnis bei drei von vier Jugendlichen erzielen“, so Pothmann. Auch das Thema Aufklärung kam immer wieder zur Sprache. Aber nicht nur die betroffenen Kinder und Jugendlichen selbst müssten besser aufgeklärt werden, sondern vor allem auch deren Umfeld.

Laut einer Studie von Synovate im Auftrag von Reckitt Benckiser aus dem Jahr 2010 zur Selbstmedikation bei Schmerzen in Europa, sind mehr als die Hälfte aller Deutschen (53%) der Meinung, sie seien gut über den Umgang mit Schmerzen bei Kindern informiert. Prof. Dr. med. Dr. phil. Stefan Evers, Chefarzt der Neurologischen Klinik II im Krankenhaus Lindenbrunn in Coppenbrügge und Generalsekretär der International Headache Society, welcher die Studie vorstellte, zeigten sich deutsche Eltern aber sehr zurückhaltend, wenn es um die Behandlung der Schmerzen ihrer Kinder geht. Seine Forderung: Aufklärung über die gegebene Sicherheit von Schmerzmitteln bei angemessenem Gebrauch.

Frakturschmerz: Ibuprofen bei Kindern Morphin gleichwertig

„Die starken Schmerzen, die Kinder nach einem Knochenbruch erleiden, müssen nicht unbedingt mit Codein oder anderen Opiaten behandelt werden. In einer randomisierten Studie im Canadian Medical Association Journal erzielte das nichtsteroidale Antiphlogistikum Ibuprofen eine gleich starke Wirkung wie Morphin.

Codein war lange Zeit ein beliebtes Schmerzmittel bei Kindern. Die Wirkung beruht auf der „Aktivierung“ zu Morphin in der Leber. Die verantwortliche Enzymreaktion unterliegt starken genetischen Schwankungen. Bei „ultraschnellen Metabolisierern“ kann es zu einer unerwartet starken Morphinwirkung kommen, die aufgrund der geringen thera­peutischen Breite das Risiko von schweren Atemdepressionen birgt. Nach mehreren tödlichen oder lebensbedrohlichen Intoxikationen, zu denen es in der postoperativen Schmerzbehandlung gekommen war (Adenoidektomie/Tonsillektomie), hatten die Arzneibehörden vor einem unkritischen Einsatz gewarnt.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel (Deutsches Ärtzteblatt)

Bauchweh im Kopf

Quelle: Blick.ch
Quelle: Blick.ch

„Was bei Kindern und Jugendlichen mit Übelkeit beginnt, ist oft eine Migräne. Gesunder Lebensstil kann die schmerzhaften Kopfwehattacken verhindern.

Immer wenn Nicolas Isler aus Baldigen AG sich erbrechen muss, weiss Mutter Martina, dass es den Zehnjährigen wieder erwischt hat. Er leidet seit seinem fünften Lebensjahr an Migräne. Damit ist der Fünftklässler in guter Gesellschaft, haben in der Schweiz doch rund eine Million Menschen regelmässig Migräneattacken. Frauen sind dabei dreimal so oft betroffen wie Männer – zumindest in der hormonell aktiven Phase von 15 bis 50 Jahren.
Migräne ist eine Erkrankung des Nervensystems im Gehirn – mit vielfältigen Symptomen. Attacken kündigen sich meist ein bis zwei Tage vorher mit Stimmungsschwankungen, Gereiztheit und Harndrang an. Jeder Zehnte erlebt kurz vorher eine Sehstörung.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel (Thomas Vogel, Blick)

Migräne bei Kindern: Chillen statt Pillen

„Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass 17 Prozent aller Kinder und Jugendlichen mindestens einmal pro Monat Kopfschmerzen haben, sieben Prozent der Befragten sogar wöchentlich. Viele Kinder könnten ihre Kopfschmerzen mit Entspannungstechniken lindern, so eine Studie.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel (Matthias Bastigkeit, DocCheck News)