Doch lieber Pfefferminzöl?

Quelle: bschpic, pixelio.de
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„Kein Medikament wird häufiger und unbedachter eingenommen als Schmerztabletten. Paracetamol, ASS und Ibuprofen gelten als harmlos – ein Irrtum.

Ein paar Kaffeebecher waren es, die Wissenschaftler der University of Kentucky zum Nachdenken brachte. Sie hatten Probanden einen solchen Becher geschenkten und ihnen sagten, dass sie ihren Becher verkaufen dürfen, den Preis sollten die Probanden selbst festlegen. Doch vorher mussten die Teilnehmer noch eine Tablette schlucken. Entweder enthielt diese Paracetamol – oder sie war ohne Wirkstoff. Das Erstaunliche: Wenn die Teilnehmer vorher Paracetamol eingenommen hatten, verlangten sie im Durchschnitt vier Dollar für den Becher. Zwei Dollar weniger als die Teilnehmer aus der Kontrollgruppe, die das Placebo genommen hatten. Mit Schmerzmittel im Körper wurde die Ware also um ein Drittel günstiger hergegeben. Schmerzmittel lindern also nicht nur körperliche Schmerzen, sondern auch den Schmerz von finanziellen Verlusten.

Als Erklärung vermutet Studienleiter Nathan DeWall, dass Paracetamol nicht nur Fieber und Kopfschmerzen lindert, sondern auch den Schmerz bei der Trennung von Eigentum. Oder vom eigenen Geld – viel davon auszugeben, verursacht Menschen meist unangenehme Gefühle. „Ein Schmerzmittel kann diese Empfindung betäuben.“

Das ist nicht die einzige Nebenwirkung von rezeptfreien Schmerztabletten.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel von Jörg Zittlau, Welt am Sonntag.

Frakturschmerz: Ibuprofen bei Kindern Morphin gleichwertig

„Die starken Schmerzen, die Kinder nach einem Knochenbruch erleiden, müssen nicht unbedingt mit Codein oder anderen Opiaten behandelt werden. In einer randomisierten Studie im Canadian Medical Association Journal erzielte das nichtsteroidale Antiphlogistikum Ibuprofen eine gleich starke Wirkung wie Morphin.

Codein war lange Zeit ein beliebtes Schmerzmittel bei Kindern. Die Wirkung beruht auf der „Aktivierung“ zu Morphin in der Leber. Die verantwortliche Enzymreaktion unterliegt starken genetischen Schwankungen. Bei „ultraschnellen Metabolisierern“ kann es zu einer unerwartet starken Morphinwirkung kommen, die aufgrund der geringen thera­peutischen Breite das Risiko von schweren Atemdepressionen birgt. Nach mehreren tödlichen oder lebensbedrohlichen Intoxikationen, zu denen es in der postoperativen Schmerzbehandlung gekommen war (Adenoidektomie/Tonsillektomie), hatten die Arzneibehörden vor einem unkritischen Einsatz gewarnt.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel (Deutsches Ärtzteblatt)

Alltägliches Doping mit Ibuprofen

„Aspirin war gestern. Heute schlucken die Deutschen dauernd Ibuprofen – gegen Kater, bei Fieber oder vor dem Marathon. Das kann böse enden.

Es ist nicht lange her, da war Deutschland Aspirin-Land. Wenn man Kopfschmerzen hatte, eine Erkältung, Fieber, dann nahm man eine Tablette mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure, kurz ASS, besser bekannt unter dem Markennamen des ersten und bis heute dominanten Herstellers Bayer: Aspirin. Mittlerweile gibt es viele günstige Varianten der Tablette, doch die Bezeichnung Aspirin ist Synonym für den gesamten Markt geblieben. Aspirin, das Original, gibt es seit 1899, es ist ein deutsches Traditionsprodukt und rezeptfrei.“

aspirin-wird-vom-thron-gestossen-ibuprofen-ist-der-deutschen-liebstes-schmerzmittel

trotz-groesserer-stueckzahl-ist-der-umsatz-von-ibuprofen-relativ-gering

Hier der Link zum vollständigen Artikel (Lisa Nienhaus, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Rezeptfreie Schmerzmittel: Nur achtsamer Einsatz mindert die Risiken

„Wer regelmäßig Schmerzmittel nimmt, kann schnell in einem Teufelskreis landen, denn auf Dauer können die Mittel selbst Kopfschmerzen verursachen, berichtet die Zeitschrift test in ihrer September-Ausgabe. Auch weitere Nebenwirkungen sind möglich. Der Rat: Rezeptfreie Mittel nur in Maßen einnehmen, ohne ärztlichen Rat maximal 4 Tage hintereinander und nicht mehr als 10 Tage im Monat.

Rezeptfreie Medikamente gegen Schmerzen gelten gemeinhin als harmlos, doch auch sie können der Gesundheit schaden, wenn man damit unachtsam umgeht. So lösen Schmerzmittel bei längerem Gebrauch selber Kopfschmerzen aus. Auch weitere Nebenwirkungen sind möglich. Besonders gefürchtet: Leberschäden durch Paracetamol sowie Magengeschwüre und -blutungen durch Acetylsalizylsäure (ASS), Ibuprofen, Diclofenac. Manche Schmerzmittel könnten sogar das Herzinfarktrisiko erhöhen, zeigen neue Studien.

Die Stiftung Warentest hat die Untersuchungen gesichtet. Fazit: Vormals als geeignet bewertete rezeptfreien Wirkstoffe sind nach wie vor geeignet. Ihr Nutzen überwiegt auch nach jetzigem Forschungsstand das Risiko – wenn Patienten sie achtsam einsetzen. Deshalb rät test: Schmerzmittel ohne ärztlichen Rat maximal 4 Tage hintereinander und höchstens an 10 Tagen im Monat einnehmen.

test gibt Hintergrundinformationen zum Thema und bietet zusätzlich erstmals (kostenpflichtig) Kurzporträts von rezeptfreien Schmerzmitteln mit Bewertung, Dosierhinweisen und Neben-/Wechselwirkungen unter www.test.de/schmerzmittel. Unter www.test.de/medikamente findet sich eine Medikamentendatenbank mit mehr als 8000 Mitteln für 185 Anwendungsgebiete (kostenpflichtig).“