Keine Hau-drauf-Strategien!

Die Forschung zur Fibromyalgie liefert spannende Erkenntnisse. Doch das in bessere Therapien zu übersetzen, fällt den Rheumatologen schwer.

Wer Patienten mit Fibromyalgie therapiert, weiß sich oft nicht anders zu helfen als mit unspezifischen, stark wirksamen Medikamenten.

Im Namen der kurzfristig verhinderten Fibromyalgieexpertin Professor Leslie Crofford von der Vanderbilt Universität in den USA berichtete Professor J.A. Pereira da Silva von der Universität Coimbra, Portugal, beim EULAR 2015 in Rom über eine aktuelle Analyse zur realen Versorgungssituation bei Fibromyalgie.

In dieser retrospektiven Erhebung bei 1111 Fibromyalgie-Patienten zeigte sich, dass 89 Prozent der Patienten zusätzlich zur muskulären Symptomatik chronische Gelenkschmerzen aufwiesen. 62 Prozent litten an Migräne, und bei 75 Prozent lag eine Depression vor.

Die Behandlung erfolgte oft mit unspezifischen, stark wirksamen Medikamenten: 22 Prozent nahmen Opioide ein, und 19 Prozent Benzodiazepine. „Von beidem wird bei Fibromyalgie eigentlich explizit abgeraten“, so da Silva.

Das Problem ist, dass spezifische Therapien nach wie vor nicht zur Verfügung stehen. Es gibt viele neue Erkenntnisse, aber die führen oft zu noch mehr Fragezeichen. Als Beispiel nannte da Silva die Beobachtung, dass bei einem gewissen Anteil der Fibromyalgiepatienten die Dichte der intraepidermalen Nervenfasern stark verringert ist.

Dies sei eindeutig nachweisbar, aber es korreliere weder mit der Erkrankungsdauer noch mit der Schmerzsymptomatik: „Es könnte auch eine Folge geringerer körperlicher Aktivität sein, wir wissen es einfach nicht.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel aus der Ärzte Zeitung vom 6. Oktober 2015.

Mit einer Krankheit zu leben, an deren Existenz keiner glaubt

„Tender Points“ von Amy Berkowitz
Quelle: VICE Media

„Amy Berkowitz‘ chronische Schmerzen begannen in der Schulter. Dann spürte sie den stumpfen Schmerz im ganzen Körper. Mit 23 Jahren wurde ihr dieses ständigen Unbehagen zu viel. „Jeden Morgen wachte ich auf und fühlte mich, als wäre ich von einem LKW überfahren worden“, schreibt Berkowitz in ihrem neuen Buch Tender Points. „Ich fühle mich, als hätte mich ein Bus angefahren. Ich wache auf und ich fühle mich, als hätte ich ein Schleudertrauma. Ich wache auf und ich fühle mich, als hätte ich auf dem Boden geschlafen.“ Ihr Buch ist nach den 18 Punkten benannt, die Personen mit Fibromyalgie bei Druck als schmerzhaft empfinden—„zwei am unteren Nacken über dem Schlüsselbein, zwei direkt unter der Mitte der Schlüsselbeine, einer in der Falte am Ellenbogen, zwei weitere an der Innenseite des Knies, auf der Körperrückseite zwei am unteren Nacken, einer über jedem Schulterblatt und im Schulterblatt, zwei auf jeder Seite der unteren Wirbelsäule, zwei weitere an der äußeren Seite der Kniesehne“—und sie führt darin in poetischer Präzision aus, wie es sich anfühlt, mit dem chronischen Schmerz dieser Krankheit zu leben und wie es sich anfühlt, wenn einem keiner glaubt, dass man leidet.“

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Von wegen nur eingebildet

„Fibromyalgie galt lange als ein rein psychisches Leiden. Neue wissenschaftliche Ergebnisse zeigen, dass das zu kurz greift. Doch woher kommt der Schmerz?

Quelle: FAZ
Quelle: F.A.S.

Lachen erschallt im Innenhof des Fachwerkhauses. Fröhlich und unbeschwert klingt es und täuscht darüber hinweg, dass von den zwei Dutzend Frauen hier jede an chronischen Schmerzen leidet. Während sie häkeln oder Speckstein schleifen und sich an großen Holztischen Kaffee einschenken, versuchen sie, das ewige Kribbeln in Armen und Beinen zu ignorieren. Und zu vergessen, dass Muskelschwäche, Erschöpfung, Unkonzentriertheit und Schlafstörungen ihr Leben einschränken. Ihr Leiden nennt sich Fibromyalgie, es ist eine Art Weichteilrheuma. Die Liste der Symptome ist lang, selbst Herzschmerzen zählen dazu. Aber fassen lässt sich die Krankheit nur schwer.

Der Austausch mit anderen Betroffenen ist deshalb so wichtig für die Frauen, die einmal in der Woche hier in einem Vorort von Mainz zu Kaffee und Kuchen zusammenkommen. Es sei kein Ort für kollektives Jammern, stellt Christiane Solbach klar, die seit fünfzehn Jahren die Treffen organisiert. Die Treffen gäben ihnen Kraft, man könne sich über wissenschaftliche Neuigkeiten und Erfahrungen mit Ärzten unterhalten. Sie selbst musste schon so einige machen: Christiane Solbach erhielt 1998 ihre Diagnose, damals war sie Anfang vierzig und litt schon über Jahre.

Im Kindesalter fing es an. Mal traf der Schmerz die Schulter, mal Knie oder Hüfte. Immer hörte er nach kurzer Zeit wieder auf. Mit Mitte dreißig erlitt Solbach nach einer Legionelleninfektion ein Lungenversagen. Danach breitete sich der Schmerz im ganzen Körper aus und blieb. Es vergingen fünf weitere Jahre und viele Arztbesuche, bis ein Rheumatologe eine Fibromyalgie diagnostizierte. „Ich war sehr froh, dass meine Krankheit endlich einen Namen hatte. Ich dachte schon, ich bilde mir meine Beschwerden nur ein“, sagt Solbach.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel von Jakob Simmank, Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Fibromyalgie: Diagnose und Behandlung

Quelle: NDR
Quelle: NDR

Schmerzen überall im Körper, die Gelenke fühlen sich steif und unbeweglich an, dazu ein Gefühl völliger Erschöpfung – die Fibromyalgie ist durch unspezifische Schmerzen gekennzeichnet. Die Symptome treten oft phasenweise mit Beschwerden in unterschiedlicher Intensität auf, die vor allem durch emotionalen Stress oder Schlafmangel beeinflusst werden. Die Erkrankung betrifft vor allem Frauen und ähnelt dem Rheuma.

In „Visite“, dem Gesundheitsmagazin des NDR, lief am 7. Juli 2015 ein Beitrag mit dem Titel „Was tun bei Fibromyalgie?“ (Autor: Ulrich Neumann) sowie ein Interview mit Dr. Matthias Apelt, Facharzt für Innere Medizin und Schmerztherapie aus Wattenbek (Moderation: Vera Cordes).

Hier der Link zur Sendung und zur NDR Mediathek.

Fibromyalgie: Wieso? Weshalb? Warum?

Quelle: DocCheck News
Quelle: DocCheck News

„Hielten Ärzte die Fibromyalgie in den 1990ern noch für weitgehend psychisch bedingt, finden heute immer mehr Studien körperliche Korrelate. Was die umstrittene Erkrankung verursacht, bleibt jedoch nach wie vor unklar.

Fibromyalgie-Patienten fühlen sich meistens gekränkt, wenn sie auf mögliche psychische Ursachen angesprochen werden. Auch die Deutsche Fibromyalgie-Vereinigung e.V. (DFV) schreibt auf ihrer Website: „Das Fibromyalgie-Syndrom ist nicht psychisch bedingt“. Das Syndrom gehört zu den Krankheiten des Muskel- und Skelettsystems bzw. des Weichteilgewebes und wird in der ICD-10 mit „M79.70“ kodiert.

Hier der Link zum vollständigen Artikel (Dunja Voos, DocCheck News).

Akupunktur ist wirksamste Komplementärtherapie bei Arthrose

„Akupunktur ist die effektivste Komplementärtherapie bei Erkrankungen des Bewegungsapparates, insbesondere bei Arthrose, Fibromyalgie und Lumbago. Das ergab eine Übersichtsstudie der englischen Stiftung Arthritis Research UK.

Nur bei wenigen komplementärmedizinischen Behandlungsmethoden ist die Wirksamkeit wissenschaftlich gesichert. Für Akupunktur gibt es allerdings schon eine ganze Reihe von Studien, welche die positiven Effekte der Behandlung nachweisen und dabei wissenschaftlichen Anforderungen genügen. Eine aktuelle Untersuchung zeigt nun, dass Akupunktur die wirksamste komplementärmedizinische Behandlungsmethode bei Arthrose und anderen muskoskeletalen Schmerzzuständen ist. Die Übersichtsstudie wurde von der gemeinnützigen Stiftung Arthritis Research UK in Auftrag gegeben und umfasst die aktuellen Daten zu verschiedenen medizinischen Komplementärtherapien, die bei rheumatoider Arthritis, Arthrose, Fibromyalgie oder Lumbago („Hexenschuss“) Anwendung finden.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel (Gesundheitsstadt Berlin)

Fibromyalgie. Die Schmerzkrankheit erkennen und erfolgreich behandeln

"Fibromyalgie" von Dr. med. Eberhard J. Wormer Quelle: amazon.de
„Fibromyalgie“ von Dr. med. Eberhard J. Wormer
Quelle: amazon.de

Muskelschmerzen, Rückenschmerzen, Schlafstörungen, gedrückte Stimmung, chronische Erschöpfung?

Fibromyalgie gehört zu den rätselhaftesten Leiden unserer Zeit. Immer mehr Menschen, vorwiegend Frauen, sind von der chronischen Erkrankung betroffen. Schätzungen zufolge leiden heute etwa ein bis fünf Prozent der Bevölkerung westlicher Industriestaaten an chronischen Schmerzen. Bis zur richtigen Diagnose vergehen oft Jahre, denn das weite Spektrum der Symptome führt vielfach zur Fehleinschätzung.

Lesen Sie hier, wie die Schmerzkrankheit schnell und zuverlässig erkannt und erfolgreich behandelt werden kann. Dr. Eberhard J. Wormer fasst den aktuellen Stand der Wissenschaft zusammen und stellt die wirksamsten medizinischen Therapie- und Selbsthilfekonzepte vor: Ob Schmerz- oder Psychotherapie, medikamentöse oder naturheilkundliche Behandlung, ob Konzepte für Bewegung, Entspannung oder Ernährung – wirklich erfolgreich kann bei Fibromyalgie nur ein individuell maßgeschneiderter Therapieansatz sein. Dieser Ratgeber hilft Betroffenen und Behandelnden, entsprechende Lösungen zu finden.

Da anhaltende Schmerzen die Psyche und das soziale Umfeld in Partnerschaft, Familie und Beruf belasten, gibt der Autor hierzu wertvolle Anregungen und Tipps – inklusive Informationen zum Thema Berufsunfähigkeit und soziale Absicherung.

  • Broschiert: 159 Seiten
  • Verlag: Mankau Verlag; Auflage: 1 (10. September 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3863741714
  • ISBN-13: 978-3863741716