Barmer GEK und Hausärzte wollen Rheuma-Patienten besser versorgen

„Die Barmer GEK und der deutsche Hausärzteverband wollen die Versorgung von Menschen mit Rheuma verbessern. Dazu haben sie den ersten Versorgungsvertrag mit der „Versorgungslandschaft Rheuma“ geschlossen.

Rheumapatienten, die bei der Barmer GEK versichert sind, sollen künftig binnen 14 Tagen einen Termin beim Rheumatologen bekommen und bei akuten Krankheitsschüben sogar umgehend. Ihre Versorgung erfolgt in enger und zeitnaher Abstimmung zwischen Rheumatologen und Hausärzten. „Den entsprechenden Versorgungsvertrag hat die Krankenkasse mit der Versorgungslandschaft Rheuma GmbH, ein gemeinsames Unternehmen des Berufsverbandes Deutscher Rheumatologen e.V. und des Deutschen Hausärzteverbandes e.V., abgeschlossen“, schreibt die gesetzliche Krankenkasse in einer Pressemitteilung. Am 1. Oktober soll der Vertrag zunächst in Hessen, Mecklenburg-Vorpommern sowie Sachsen beginnen und dann sukzessive bundesweit umgesetzt werden.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel von Cornelia Wanke, Gesundheitsstadt Berlin.

ZDFzoom: Das Leiden der Schmerzkranken

Quelle: ZDF
Quelle: ZDF

Am Mittwoch, den 20. Mai 2015, 22:45 Uhr, zeigt das ZDF in seiner Reihe ZDFzoom eine Dokumentation mit dem Titel „Das Leiden der Schmerzkranken“.

23 Millionen Deutsche leiden an chronischen Schmerzen. Die Patienten finden oft keine Spezialisten oder müssen lange auf Termine warten. Das Problem der Unterversorgung ist seit Jahren bekannt. Von den ungefähr 5.000 Ärzten mit der Weiterbildung „Spezielle Schmerztherapie“ praktizieren nur 1.000 im niedergelassenen Bereich. Ein Grund: zu wenig Geld. Einige Experten fordern seit langem die Einführung des besser bezahlten Facharztes für Schmerzmedizin. Der 51jährige Stefan Gosch aus Nordfriesland lebt mit Dauerschmerzen, leidet am chronischen Schmerzsyndrom. Vor 30 Jahren hatte er einen schweren Motorradunfall. 25 Operationen folgten. Nur dank moderner Knieprothesen kann er überhaupt wieder laufen. Nach zehnjähriger Suche hatte er endlich einen Schmerzmediziner in Husum gefunden, der ihm helfen konnte und ihn mit Medikamenten so eingestellt hat, dass die Schmerzen für Stefan Gosch erträglich wurden. Doch sein Arzt hat die Praxis jetzt aufgegeben und ist nach Norwegen gegangen, weil er die Schmerzmedizin nicht mehr sinnvoll praktizieren konnte, so sagt er. Einer der Gründe dafür ist die aus seiner Sicht unzureichende Vergütung.

Gerade hat der „Berufsverband der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin“ Zahlen veröffentlicht, dass von den 23 Millionen Schmerzpatienten in Deutschland rund 2,8 Mio. Menschen unter schweren chronischen Schmerzen leiden. Und nur jeder Achte wird von einem Schmerzspezialisten behandelt. Auf dem Ärztetag 2014 wurde festgestellt, dass Betroffene vom Beginn ihrer chronischen Schmerzkrankheit bis zur richtigen Diagnose durchschnittlich zwei Jahre brauchen, vier Jahre sogar bis zu einem adäquaten Behandlungsansatz. Schmerzmediziner appellieren immer wieder an die Kassenärztliche Bundesvereinigung, Bundesärztekammer und Bundesgesundheitsministerium, die Unterversorgung abzustellen, z. B. durch die Einführung einer Bedarfsplanung. Doch die Verantwortlichen schieben sich den schwarzen Peter gegenseitig zu.

Hier der Link zur ZDFmediathek.

Es geht ums Geld und die Sicherung der Pfründe

Die Kritik des Berufsverbands der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland e.V. (BVSD) bezüglich der wenig zufriedenstellenden schmerztherapeutischen Versorgung in Deutschland hat am gestrigen Tag hohe Wellen geschlagen. Es geht – wie fast immer – ums Geld. Aber nicht nur Schmerztherapeuten, die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Spitzenverband der Krankenkassen sind sich uneins. Auch die verschiedenen schmerzrelevanten Fachgesellschaften

  • BVSD (Berufsverband der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland e.V.)
  • DGS (Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V.)
  • DGSS (Deutsche Schmerzgesellschaft e.V.)
  • IGOST (Interdisziplinäre Gesellschaft für orthopädische/unfallchirurgische und allgemeine Schmerztherapie)
  • DGPSF (Deutsche Gesellschaft für psychologische Schmerztherapie und -forschung e. V.)

kriegen es nicht auf die Reihe die Ausgestaltung eines Facharztes für Schmerztherapie zu erarbeiten und eine flächendeckende Versorgung zu ermöglichen. Übereinstimmend hatten noch 2012 alle schmerzrelevanten Fachgesellschaften in Deutschland im Rahmen einer abgestuften Versorgung einen „Facharzt für Schmerztherapie“ als Querschnittsfach gefordert und sich daran gemacht, die Kompetenzen dieses Facharztes zu definieren.

Ein „Facharzt für Schmerzmedizin“ wäre notwendig, da die ambulante Versorgung mit Bedarfsplanung und Sicherstellung sich ausschließlich an Fachgebietsgrenzen orientiert und damit die Sicherstellung der schmerztherapeutischen Versorgung an das Fachgebiet Schmerzmedizin gekoppelt wäre.

Doch davon ist man inzwischen wieder weit entfernt. Die DGSS hat nach der Aufnahme der DIVS (Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Schmerztherapie, dem Zusammenschluss der einzelnen medizinischen Fachgesellschaften wie z.B. Chirurgie, Innere Medizin, Anästhesie) wieder einen Rückzieher gemacht und beugt sich dem Diktat der einzelnen Fachgesellschaften.

Steht am Ende die Frage, ob sich die Gesellschaften tatsächlich dem Wohl des Patienten verpflichtet fühlen oder ob hier nur die Sicherung der Pfründe von Fachgebieten oder Ambulanzeinrichtungen über der höchsten ärztlichen Maxime stehen.

Anhang:

Fachverbände und Gesellschaften im Schmerzbereich

Schmerz- und Palliativtag: DGS kämpft weiter für den Facharzt

„Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin lässt sich nicht beirren: Unermüdlich fordert sie seit Langem die Einführung des Facharztes für Schmerzmedizin, so auch auf dem Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt. Damit stößt sie auf innerärztlichen Widerstand.

Dr. Gerhard Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS), hatte zum Auftakt des Deutschen Schmerz- und Palliativtags am Mittwoch in Frankfurt eine klare Botschaft.

Um die etwa 23 Millionen Schmerzpatienten in Deutschland besser versorgen zu können, sei eine Bedarfsplanung erforderlich, sagte er.

Dafür werde aber dringend die Einführung eines Facharztes für Schmerzmedizin benötigt, denn die Bedarfsplanung orientiert sich an Facharztgruppen.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel (Christoph Fuhr, Ärzte Zeitung).