Kongress zu Schmerzen im Oktober: „(Um)denken erwünscht“

Quelle: www.schmerzkongress2016.de
Quelle: http://www.schmerzkongress2016.de

Vom 19. bis 22. Oktober 2016 findet in Mannheim der Deutsche Schmerzkongress statt. Unter dem Motto „(Um)denken erwünscht“ werden Schmerzexperten aus ganz Deutschland über neue Erkenntnisse auf dem Gebiet der Schmerzmedizin diskutieren.

Das Kongressmotto soll als Impuls verstanden werden, neu über bestehende Ansätze nachzudenken, etwa im Bereich der Studien und Datengewinnung. Neben der evidenzbasierten Medizin (EBM) wollen die Experten die Bedeutung von „Praxis-Daten“ aus Schmerzregistern ausloten und ermitteln, wie diese für Wissenschaft und Praxis genutzt werden können.

Themenschwerpunkte des Kongresses sind unter anderem: Der mündige Kopfschmerzpatient, Individualisierte Schmerztherapie und neue medikamentöse Verfahren in der Migränetherapie.

Mehr Infos zum Kongress gibt es auf: http://schmerzkongress2016.de/

Schmerzhafte Verwirrung

Gestern startete der Deutsche Schmerzkongress 2015 in Mannheim. Veranstalter: Die Deutsche Schmerzgesellschaft (DGSS) sowie die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).

Unter den Schmerz-Fachgesellschaften gibt es weiter extrem unterschiedliche Auffassungen mit Blick auf die Einführung eines Facharztes für Schmerzmedizin. Dieser Facharzt wird seit Jahren vom Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS), Dr. Gerhard Müller-Schwefe, gefordert.

Sowohl Professor Andreas Straube, Präsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, als auch der Tagungspräsident des Schmerzkongresses, Professor Martin Marziniak aus München, lehnten Müller-Schwefes Forderung bei einem Pressegespräch ab.

Käme dieser „Allgemeinmediziner des Schmerzes“, dann hätte das fatale Konsequenzen, warnte Straube: „Die Interdisziplinarität der Schmerztherapie, für die wir kämpfen, wäre dann tot!“

Quelle: Andreas Hermsdorf, pixelio.de
Quelle: Andreas Hermsdorf, pixelio.de

Ein Kommentar von Christoph Fuhr aus der Ärzte Zeitung von 15. Oktober 2015, der mir aus der Seele spricht:

„Zwei Kongresse, zwei völlig unterschiedliche Botschaften. Eine bessere Versorgung für Schmerzpatienten wird gebremst, weil es immer noch zu viele Orthopäden, Anästhesisten, Neurologen, Psychiater und Psychologen gibt, die sich an ihre Pfründe klammern und die Fachkompetenz für Schmerz ausschließlich für sich selbst reklamieren.

Deshalb muss dringend der Facharzt für Schmerz kommen. Das war die Botschaft beim Deutschen Schmerztag im März in Frankfurt am Main. Beim Deutschen Schmerzkongress, der am Mittwoch in Mannheim begonnen hat, hörte sich das völlig anders an.

Wenn dieser „Allgemeinarzt des Schmerzes“ komme, sei dies der Tod der Schmerztherapie, die auf einen interdisziplinären Ansatz setzt. Ja, was den nun?

Im Kern geht es hier um zwei völlig unterschiedliche Konzepte, die zugleich fundamentale Auswirkung auf Versorgungsstrukturen haben. Dass Fachgesellschaften unterschiedliche Auffassungen vertreten und sich auch mal trefflich streiten, ist völlig legitim und muss in der Regel nicht überbewertet werden.

Beim Thema Facharzt für Schmerz allerdings ist lange genug diskutiert worden. Die Beteiligten sollten endlich in die Gänge kommen und einen Konsens finden. Klappt das nicht, wird es am Ende nur einen Verlierer geben: der Schmerzpatient lässt grüßen.“

Allein unter Ärzten und Therapeuten

Deutscher Schmerzkongress 2014 Quelle: Homepage
Deutscher Schmerzkongress 2014
Quelle: Homepage

Am Samstag ging in Hamburg der Deutsche Schmerzkongress zu Ende. Zielgruppe: Mediziner, Algesiologen, Physiologen, Psychologen, Psycho-, Physio- und Ergotherapeuten. Und ich mittendrin. „Was wir brauchen, ist eine abgestufte Versorgung, die sicherstellt, dass jeder erhält, was er zur Behandlung seiner Beschwerden erfordert. Es kommt darauf an, dass die Behandlung von Schmerzen noch deutlicher in der Versorgungswirklichkeit verankert und die stationäre sowie ambulante Versorgung verbessert wird. Wir brauchen einen Versorgungsplan für Deutschland“, sagte Prof. Thomas Tölle, Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft, auf der Pressekonferenz des Kongresses.

Ein zentrales Thema des Kongresses war, wie Mediziner und Therapeuten ihre Patienten unterstützen können, ihre Selbstheilungskräfte zu aktivieren. „Patienten mit chronischen Schmerzen können sehr viel tun, um mit ihrer Krankheit besser umzugehen. Es reicht nicht aus, nur Medikamente einzunehmen. Vielmehr müssen die Patienten selbst aktiv werden, sich trotz Kopfschmerzen beispielsweise regelmäßig bewegen oder Entspannungsübungen ausführen. Das kann auf Dauer sehr wirksam sein“, sagte Tölle. Man müsse daher dem Gespräch mit dem Patienten noch viel mehr Aufmerksamkeit und Zeit widmen. Ich bin gespannt, ob sich Ärzte und Therapeuten diese Zeit nehmen.

Die wirksamste Therapie, so die Experten, sei eine vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung. Diese sehen die Ärzte durch die fortschreitende Ökonomisierung in der Medizin in Gefahr. Sie wollten mit diesem Kongress auch Impulse setzen, um die Schmerztherapie aus den ökonomischen Zwängen zu befreien, damit die Schmerztherapie Kranke wirklich befreit. Eine sehr beeindruckende Rede zu diesem Thema hielt Prof. Dr. Giovanni Maio, Mediziner, Philosoph und Universitätsprofessor für Bioethik.

In den kommenden Tagen werde ich über die neuesten Erkenntnisse, die während des Schmerzkongresses präsentiert wurden, berichten und hoffe auch einige Charts zeigen zu dürfen.

22.-25. Oktober, Hamburg: Deutscher Schmerzkongress

„Unter dem Motto „SCHMERZTHERAPIE BEFREIT – BEFREIT SCHMERZTHERAPIE“ treffen sich über 2.500 Schmerzexperten, Forscher, Wissenschaftler, Ärzte, Psychologen, Pflegende und Physiotherapeuten sowie die interessierte Fachöffentlichkeit zum Deutschen Schmerzkongress vom 22. bis zum 25. Oktober 2014 in Hamburg, der gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen Schmerzgesellschaft und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).

Das diesjährige Motto „SCHMERZTHERAPIE BEFREIT – BEFREIT SCHMERZTHERAPIE“ macht deutlich: Die Erfolge der Schmerztherapie sind groß, aber der diesjährige Kongress wird explizit auch die Einflussfaktoren, Beschränkungen und Tabus erörtern, die die Behandlung von Schmerzerkrankungen erschweren und zu Fehlbehandlungen führen können. Eine zentrale Rolle spielt hier die fortschreitende Ökonomisierung der Medizin aber auch weitere „Tabuthemen“, die oftmals durch das gesellschaftliche Umfeld definiert sind und manchmal hinter den großen Herausforderungen der Schmerztherapie wie der Behandlung von chronischen Schmerzen, der Akutschmerztherapie oder aber der Tumorschmerztherapie verschwinden: Mehrere Symposien des Kongresses beschäftigen sich von daher mit den Zusammenhängen zwischen Schmerz und Sexualität, aber auch mit den Zusammenhängen zwischen Gewalterfahrungen im Kindesalter und der Entstehung chronischer Schmerzen.

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