Pressemeldung DGS „Opioid-Abhängigkeit: Notstand in USA ausgerufen“

Nachdem der amerikanische Präsident Donald Trump aufgrund der massiven Zunahme an Drogentoten den nationalen Notstand bezüglich Opioiden erklärt hat, gibt die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) Entwarnung: In Deutschland sei aktuell kein Gesundheitsnotstand aufgrund von Opioid-Abhängigkeit zu befürchten. Die gesetzlichen Regelungen sowie die vorhandenen Leitlinien zum Einsatz von Opioiden verhinderten in den meisten Fällen die Entwicklung einer Abhängigkeit.

Mehr über das Thema in der Pressemeldung der DGS:


Opioid-Abhängigkeit: Notstand in USA ausgerufen

In Deutschland derzeit kein Gesundheitsnotstand aufgrund von Opioid-Abhängigkeit zu befürchten

Berlin, 31. Oktober 2017. Nachdem der amerikanische Präsident Donald Trump aufgrund der massiven Zunahme an Drogentoten den nationalen Notstand bezüglich Opioiden erklärt hat, gibt die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) Entwarnung: In Deutschland sei aktuell kein Gesundheitsnotstand aufgrund von Opioid-Abhängigkeit zu befürchten. Die gesetzlichen Regelungen sowie die vorhandenen Leitlinien zum Einsatz von Opioiden verhinderten in den meisten Fällen die Entwicklung einer Abhängigkeit.

Vor wenigen Tagen hat der amerikanische Präsident Donald Trump angesichts einer drastischen Zunahme von Opioid-Abhängigen in den USA einen Gesundheitsnotstand erklärt. Die New York Times veröffentlichte bereits im Juni 2017 Daten, nach denen im Vorjahr ca. 65 000 US-Bürger an einer Drogenüberdosis starben. Damit übersteigt die Zahl der Drogentoten diejenigen, die im Straßenverkehr oder aufgrund von Herzerkrankungen oder HIV starben.[1]

Strenge Regelungen zum Einsatz von Opioiden in Deutschland

„In Deutschland ist der Einsatz von Opioiden weitestgehend unproblematisch“, so Dr. Oliver Emrich, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS). „Schmerzpatienten hierzulande erhalten in der Regel nur dann Opioide, wenn die strengen Regeln der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtmVV) und des Betäubungsmittelgesetzes  (BtmG) eingehalten werden.“ Lediglich bei ca. 1-3 Prozent der mit Opioiden behandelten Schmerzpatienten kommt es trotz Einhaltung aller Vorsichtsmaßnahmen zu Abhängigkeitssymptomen unter der Behandlung mit Opioiden.[2]

USA: Opioide oft ohne Kontrollen

Ein Controlling von Schmerzpatienten unter Opioiden gibt es in den USA bislang kaum. Amerikanische Ärzte verschrieben immer größere Mengen an Opioiden, ohne deren Wirkungen und unerwünschte Wirkungen wie die Auslösung eines Suchtverhaltens ausreichend zu prüfen. Die 2016 publizierten Leitlinien des Centers for Disease Control and Prevention (CDC) mahnen zwar enge, zum Teil wöchentliche Wirkungs-Nebenwirkungs-Kontrollen einer Schmerzbehandlung mit Opioiden an, finden aber wenig Beachtung unter den Ärzten.[3]

Grundsätzlich bergen Opioide ein hohes Potenzial der Suchtstoffabhängigkeit, vor allem gerade auch dann, wenn sie gespritzt oder unretardiert eingenommen werden. Eine unretardierte Applikation führt zu hohen Rezeptorschwankungen der Opioide an den Opioidrezeptoren. Diese Schwankungen wiederum können zu Abhängigkeit im Sinne einer übermäßigen Erwartung der Applikation führen. Wissenschaftliche Auswertungen und die Empfehlungen aller Fachgesellschaften in Deutschland legen daher nahe, Opioide streng indikationsbezogen, retardiert, niedrig dosiert, zeitlich begrenzt und kontrolliert einzusetzen.2 Nicht retardierte Opioide, ein laxes Monitoring und eine unzureichende Prä-Anamnese der Patienten, die Opioide nehmen, erhöhen das Risiko einer Suchtstoffabhängigkeit.

„In Deutschland besteht derzeit kein Anlass, einen Notstand bezüglich der Opioid-Praxis zu beklagen“, so das Fazit von Emrich. „Wir haben hierzulande erheblich bessere und stringentere Behandlungsregeln sowie gesetzliche Regelungen, um eine so fatale Entwicklung, wie wir sie in den USA sehen, wirkungsvoll zu verhindern.“

Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) e.V.

Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) e.V. ist mit rund 4.000 Mitgliedern die größte Gesellschaft praktisch tätiger Schmerztherapeuten in Europa. Sie setzt sich für ein besseres Verständnis und für bessere Diagnostik und Therapie des chronischen Schmerzes ein. Bundesweit ist sie in rund 125 regionalen Schmerzzentren organisiert, in denen interdisziplinäre Schmerzkonferenzen veranstaltet werden. Oberstes Ziel der DGS ist die Verbesserung der Versorgung von Menschen mit chronischen Schmerzen. Dies kann nur durch die Etablierung der Algesiologie in der Medizin erreicht werden. Dazu gehört die Qualitätssicherung in der Schmerzmedizin durch die Etablierung von Therapiestandards sowie die Verbesserung der Aus-, Fort- und Weiterbildung auf den Gebieten der Schmerzdiagnostik und Schmerztherapie für Ärzte aller Fachrichtungen. Um die Bedürfnisse von Patienten noch besser zu verstehen, arbeitet die DGS eng mit der Patientenorganisation Deutsche Schmerzliga (DSL) e.V. zusammen.

[1] https://www.nytimes.com/interactive/2017/06/05/upshot/opioid-epidemic-drug-overdose-deaths-are-rising-faster-than-ever.html

[2] http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/145-003l_S3_LONTS_2015-01.pdf

[3] CDC Guideline for Prescribing Opioids for Chronic Pain — United States, 2016, Recommendations and Reports / March 18, 2016 / 65(1);1–49)

 

Dauerhaft starke Schmerzen – wann helfen Opioide?

Opioide sind erprobte Medikamente, die seit vielen Jahren zur Behandlung von Schmerzen eingesetzt werden. Bei Krebsschmerzen sind Opioide ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Bei chronischen Schmerzen anderer Ursache herrscht oft Unsicherheit, ob Opioide hier helfen und wie sie einzunehmen sind. Zudem haben viele Patienten Vorbehalte und Bedenken beispielsweise in Bezug auf Abhängigkeit. Werden Opioide jedoch richtig eingesetzt, können Schmerzen gut gelindert werden.

Mehr in der Patienteninformation des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ): Dauerhaft starke Schmerzen – wann helfen Opioide

Opioide: Tod auf Rezept

„US-Fachgesellschaften warnen vor zu freizügigem Opioideinsatz jenseits der Onkologie. In einem Positionspapier berichten sie von Todesfällen und Abhängigkeiten durch die Wirkstoffklasse. Patienten sollten gründlicher untersucht und gegebenenfalls an Experten überwiesen werden.

Die American Academy of Neurology (AAN) befasste sich mit einem unangenehmen Thema: In den USA – und sicher nicht nur dort – erhalten viele Patienten Opioide, um Kopfschmerzen, Rückenschmerzen sowie Schmerzen bei Fibromyalgie in den Griff zu bekommen. Besonders fatal: Laut Rishi Desai vom Brigham and Women’s Hospital in Boston erhält jede fünfte Schwangere bis zur Niederkunft mindestens eine Opioidverordnung. Als möglichen Grund gibt der Forscher Rückenschmerzen an.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel (DocCheck News)

Warum Dreiviertel der Patienten unnötig leiden

Migräne Quelle: pixelio.de
Migräne
Quelle: Rike, pixelio.de

„Migräne oder Spannungskopfschmerzen sind unerträglich. Viele, die darunter leiden, greifen selbst zu Medikamenten, die den Dauerschmerz erträglich machen. Das aber hat seine Tücken. Denn Kopfschmerzen können auch durch ein zu häufiges Einnehmen von Schmerzmitteln entstehen. Schockierend häufig könnte man laut neuer Forschungsergebnisse Kopfschmerzen anders in den Griff bekommen.

Rund eine Million Deutsche leiden unter chronischer Migräne. An mehr als 15 Tagen, hindert sie ein unerträglicher Kopfschmerz daran, einen klaren Gedanken zu fassen. Viele helfen sich selbst damit, möglichst frühzeitig ein Schmerzmittel einzunehmen. So, ihre Hoffnung, werde das Pochen im Kopf nicht unkontrollierbar und ein halbwegs normaler Tag möglich. Denn Migräne knockt die Betroffenen oft dermaßen aus, dass sie gewöhnliche und alltägliche Aufgaben nicht mehr meistern können. Aus diesem Grund zählt die WHO die chronische Krankheit zu den zehn Erkrankungen mit der stärksten funktionellen Behinderung weltweit.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel (Tanja Walter, RP Online)