Gehirn gewöhnt sich an Anblick von Schmerz

Quelle: Rike, pixelio.de
Quelle: Rike, pixelio.de

Das menschliche Gehirn gewöhnt sich an den Anblick von Schmerz. Das haben Wissenschaftler der Universität und Universitätsmedizin Göttingen herausgefunden. Die Forscher analysierten mittels funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) die Hirnstrukturen von Probanden, denen Fotos gezeigt wurden, auf denen anderen Menschen akuter Schmerz zugefügt wird.

Frühere Studien hätten gezeigt, dass beim Beobachten von Schmerz teilweise ähnliche Hirnstrukturen aktiviert werden wie bei eigenen Schmerzerfahrungen. Forscher interpretieren diese Aktivierungen als mögliche neuronale Entsprechungen von Empathie. Diese Entsprechung konnten auch die Göttinger Forscher in ihrer Studie beobachten, heißt es in einer Mitteilung der Uni.

Darüber hinaus untersuchten sie den zeitlichen Verlauf der neuronalen Reaktionen und überprüften, ob diese sich beim wiederholten Betrachten der Fotos verändern. „Wir haben herausgefunden, dass die neuronale Reaktion beim wiederholten Betrachten der Fotos abnimmt, bestimmte Hirnareale also habituieren“, erläutert Dr. Mira Preis, Erstautorin der Studie und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie der Universität Göttingen in der Mitteilung.

„Dies ist umso erstaunlicher, weil die Probanden den Schmerz der beobachteten Personen im Verlauf der Untersuchung gleich einschätzten.“

Für Menschen, die regelmäßig mit dem Schmerz anderer Menschen konfrontiert sind, zum Beispiel Ärzte, Pflegepersonal oder Angehörige von schwer kranken Patienten, könnte diese Gewöhnung eine sinnvolle Reaktion darstellen.

„Diese Menschen können sich dann darauf konzentrieren, anderen Menschen zu helfen, ohne durch zu starke Emotionen gelähmt zu sein“, so Preis.

Quelle: Ärzte Zeitung

Keine Hau-drauf-Strategien!

Die Forschung zur Fibromyalgie liefert spannende Erkenntnisse. Doch das in bessere Therapien zu übersetzen, fällt den Rheumatologen schwer.

Wer Patienten mit Fibromyalgie therapiert, weiß sich oft nicht anders zu helfen als mit unspezifischen, stark wirksamen Medikamenten.

Im Namen der kurzfristig verhinderten Fibromyalgieexpertin Professor Leslie Crofford von der Vanderbilt Universität in den USA berichtete Professor J.A. Pereira da Silva von der Universität Coimbra, Portugal, beim EULAR 2015 in Rom über eine aktuelle Analyse zur realen Versorgungssituation bei Fibromyalgie.

In dieser retrospektiven Erhebung bei 1111 Fibromyalgie-Patienten zeigte sich, dass 89 Prozent der Patienten zusätzlich zur muskulären Symptomatik chronische Gelenkschmerzen aufwiesen. 62 Prozent litten an Migräne, und bei 75 Prozent lag eine Depression vor.

Die Behandlung erfolgte oft mit unspezifischen, stark wirksamen Medikamenten: 22 Prozent nahmen Opioide ein, und 19 Prozent Benzodiazepine. „Von beidem wird bei Fibromyalgie eigentlich explizit abgeraten“, so da Silva.

Das Problem ist, dass spezifische Therapien nach wie vor nicht zur Verfügung stehen. Es gibt viele neue Erkenntnisse, aber die führen oft zu noch mehr Fragezeichen. Als Beispiel nannte da Silva die Beobachtung, dass bei einem gewissen Anteil der Fibromyalgiepatienten die Dichte der intraepidermalen Nervenfasern stark verringert ist.

Dies sei eindeutig nachweisbar, aber es korreliere weder mit der Erkrankungsdauer noch mit der Schmerzsymptomatik: „Es könnte auch eine Folge geringerer körperlicher Aktivität sein, wir wissen es einfach nicht.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel aus der Ärzte Zeitung vom 6. Oktober 2015.

Dr. Google: Das sind die meistgesuchten Krankheiten im Netz

Quelle: KaiRost, pixelio.de
Quelle: KaiRost, pixelio.de

Ob zur Selbstdiagnose oder nach einem Arztbesuch – Millionen von Menschen suchen im Netz nach Krankheiten und Symptome. Eine Studie zeigt die 50 meistgegoogelten Krankheiten in Deutschland. Die Ergebnisse überraschen.

Hautausschlag, Kopfschmerzen, Schmerzen oder Schwellungen – bei solchen Symptomen gehen viele nicht sofort zum Arzt, sondern konsultieren erst mal „Dr. Google“, um sich eine erste Diagnose abzuholen.

Laut Ärzte Zeitung suchen rund 80 Prozent aller Internet-User in Deutschland nach Gesundheitsthemen im Netz, ganz zum Leidwesen mancher Ärzte. Eine Studie der privaten „Central Krankenversicherung“ zeigt nun, welche Krankheiten am häufigsten gegoogelt werden.

Top-50: von Schilddrüsenvergrößerung bis psychosomatische Erkrankungen

Die Studie, die den Namen „Praxis Dr. Internet“ trägt, hat laut Ärzte Zeitung über 41 Millionen Google-Suchanfragen aus Deutschland im Zeitraum von November 2013 bis Oktober 2014 analysiert. Herausgekommen ist eine Hitliste der 50 meistgesuchten Krankheiten im Netz.

Das mit Abstand am häufigsten gegoogelte Krankheitsbild ist mit durchschnittlich 294.000 Suchen pro Monat Schilddrüsenvergrößerung. An zweiter Stelle liegt Diabetes mit 140.220 monatlichen Suchen, gefolgt von Hämorrhoiden und Magenschleimhautentzündung.

Die letzten drei Plätze belegen Prostatavergrößerung, übermäßiges Schwitzen und psychosomatische Erkrankungen.

Online-Ratgeber nicht überzeugend

Ein weiteres zentrales Erkenntnis aus der „Praxis Dr. Internet“ Studie zeigt, dass die Qualität von medizinischen Ratgeber-Websites in der Mehrzahl noch zu wünschen übrig lässt.

Knapp ein Drittel erhielt die Note „mangelhaft“ oder „ungenügend“, die Durchschnittsnote aller untersuchten Ratgeber-Seiten war lediglich eine „4+“, also gerade mal ausreichend.

Die Top-50-Krankheitssuchbegriffe

  1. Schilddrüsenvergrößerung (Struma): 294.690
  2. Diabetes: 140.220
  3. Hämorrhoiden: 127.400
  4. Magenschleimhautentzündung: 118.740
  5. Magersucht: 109.020
  6. Neurodermitis: 107.240
  7. ADHS: 103.720
  8. Depression: 102.430
  9. Durchfall: 99.270
  10. Bluthochdruck: 96.470
  11. Kopfschmerzen: 96.460
  12. Rheuma: 93.110
  13. Schlafstörungen: 91.220
  14. Bandscheibenvorfall: 90.930
  15. Fettstoffwechselstörung: 89.920
  16. Darmkrebs: 89.890
  17. HIV: 88.650
  18. Angststörung: 87.330
  19. Rückenschmerzen: 80.520
  20. Hepatitis B: 78.540
  21. Koronare Herzkrankheit: 76.590
  22. Burn-out: 73.900
  23. Wechseljahrbeschwerden: 73.570
  24. Akne: 72.630
  25. Schwindel: 72.260
  26. Haarausfall: 71.300
  27. Chronische Bronchitis: 70.050
  28. Schnupfen: 58.750
  29. Demenz: 57.360
  30. Übergewicht: 54.400
  31. Schwerhörigkeit: 51.460
  32. Grüner Star: 50.050
  33. Brustkrebs: 45.600
  34. Inkontinenz: 39.330
  35. Niereninsuffizienz: 37.790
  36. Kurz- und Weitsichtigkeit: 34.750
  37. Krampfadern: 34.030
  38. Prostatakrebs: 32.340
  39. Degenerative Veränderung der Wirbel: 31.690
  40. Nicht oder nur teilweise durchgebrochene Zähne: 28.550
  41. Heuschnupfen: 27.430
  42. Divertikulose: 27.070
  43. Häufiges Wasserlassen: 23.800
  44. Erektionsstörung: 23.120
  45. Asthma: 21.490
  46. Bauch- und Beckenschmerzen: 21.460
  47. Muttermal: 19.990
  48. Prostatavergrößerung: 19.500
  49. Übermäßiges Schwitzen: 14.510
  50. Psychosomatische Erkrankungen: 11.720

Schmerzkranke brauchen Selbstmanagement-Fähigkeiten

Chronische Schmerzpatienten benötigen jede Menge Selbstmanagement-Fähigkeiten, um mit ihrem Leiden umgehen zu können, erinnert die Europäische Schmerzföderation EFIC.

Die Entwicklung derartiger Fähigkeiten könnte durch mangelnde Gesundheitskompetenz beeinträchtigt werden. Aktuelle Studien aus Irland zeigten, dass viele Schmerzpatienten hierbei Defizite aufweisen.

Gesundheitskompetenz („Health Literacy“) ist die Fähigkeit einer Person, gesundheitsbezogene Informationen und Angebote zu finden, zu verarbeiten und zu benützen. Forscher des University College Dublin Centre for Translational Pain Research haben die Gesundheitskompetenz bei Patienten mit chronischen Schmerzen beleuchtet.

„Unsere Ergebnisse zeigen, und das ist besorgniserregend, dass ein großer Anteil chronischer Schmerzpatienten nur über unzureichende Gesundheitskompetenz verfügt“, wird Studienautorin Laura Mackey in der Mitteilung zum EFIC-Kongress zitiert.

Vor allem demografische Faktoren wie Alter oder geringere Bildung tragen zu einem erhöhten Risiko bei. „Das Problem der ungenügenden Gesundheitskompetenz bei einem Großteil der Patienten mit chronischen Schmerzen sollte Angehörigen der Gesundheitsberufe bewusst sein, sie sollten Menschen mit einem diesbezüglichen Risiko identifizieren können und den Einsatz entsprechender Interventionen überlegen“, betont Mackey.

Patienten durch Selbstmanagement zu befähigen, könnte den Einfluss von chronischen Schmerzzuständen minimieren und damit zu einem besseren Outcome führen, so die irische Expertin.

Es sollte allen Gesundheitsdienstleistern ein Anliegen sein, dass unzureichende Gesundheitskompetenz dabei nicht zur Barriere wird.

Pharmabranche nimmt Ringen um wirksames Migränemittel nun ernst

„Sie tragen Sonnenbrillen in abgedunkelten Räumen, versuchen es mit kalten Essigkompressen oder kauen frische Ingwerwurzeln. Andere Migränepatienten halten es mit dem pochenden Schmerz tagelang nur…

Sie tragen Sonnenbrillen in abgedunkelten Räumen, versuchen es mit kalten Essigkompressen oder kauen frische Ingwerwurzeln. Andere Migränepatienten halten es mit dem pochenden Schmerz tagelang nur im Dunkeln aus. Auf eines können sich die meisten unter den chronischen Kopfschmerzen Leidenden aber schnell verständigen: Die Pharmaindustrie hat sie in den letzten Jahren faktisch im Stich gelassen. Neben obskuren Hausmitteln wurde Patienten zuletzt mit dem toxischen Faltenkiller Botox zweifelhafte Hoffnungen auf Linderung gemacht.

Jetzt aber tut sich etwas. Vier bedeutende Pharmakonzerne haben eine erste Generation von Medikamenten entwickelt, die Migräneattacken mit ihren Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Sehstörungen wirksam verhindern sollen. Alle Wirkstoffe kreisen um ein Peptid im Hirnstoffwechsel, das die Schmerzattacke auslöst – und alle können als Blockbuster-Kandidaten mit der Aussicht auf Milliardenumsätze gelten.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel von David Wainer, Die Welt.

Antidepressiva plus Schmerzmittel: erhöhte Gefahr für Hirnblutung

Quelle: Harald Wanetschka, pixelio.de
Quelle: Harald Wanetschka, pixelio.de

65 Prozent der Menschen mit einer Depression leiden auch unter chronischen Schmerzen. So könnte eine neue Studie aus Korea besonders interessant für diese Zielgruppe sein. Denn werden Antidepressiva und Schmerzmittel miteinander kombiniert, könnte dies die Gefahr für Hirnblutungen erhöhen. Die koreanischen Forscher mahnen daher zu erhöhter Wachsamkeit, wenn Mittel aus diesen Wirkstoffgruppen gleichzeitig eingenommen werden.

Nahmen Personen zusätzlich zu Antidepressiva auch Schmerzmittel ein, die der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) angehörten, stieg ihr Risiko an, innerhalb von 30 Tagen eine Hirnblutung zu erleiden. Dies habe insbesondere auf Männer zugetroffen, berichtet das Team koreanischer Forscher in der medizinischen Fachzeitschrift The BMJ. Ihre Ergebnisse bestätigten frühere Studien, in denen eine Kombination von Antidepressiva mit NSAR, zu denen unter anderem Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin), Ibuprofen oder Diclofenac zählen, mit mehr Risiken behaftet sei.

Die Forscher betonen allerdings, dass unter Umständen auch Faktoren, die in ihrer Studie nicht berücksichtigt worden seien, einen Einfluss auf die Ergebnisse gehabt haben könnten. Eine Interpretation sei deshalb nur mit Vorsicht möglich. Trotzdem sollten Menschen, die Medikamente aus beiden Gruppen einnehmen, besonders wachsam sein, so ihr Rat. Dem schließen sich auch Forscher aus Großbritannien in einem begleitenden Editorial an. Sie betonen, dass sowohl Antidepressiva als auch Schmerzmittel weit verbreitete Medikamente seien und dass die Krankheitsbilder, bei denen diese Mittel zum Einsatz kommen, oft gemeinsam auftreten.

Hälfte der Lebenszeit geht verloren

„Depression, Alzheimer, Kopfschmerzen, Sucht – sorgen zusammen mit Rückenschmerz bereits weltweit für die meiste in Krankheit verbrachte Lebenszeit.

Die Bevölkerung wächst global weiterhin sehr stark, zugleich steigt die Lebenserwartung auch in den Entwicklungs- und Schwellenländern.

Es überrascht daher wenig, wenn damit die Zahl der in Krankheit verbrachten Lebensjahre global zunimmt – von weltweit 538 Millionen im Jahr 1990 auf 765 Millionen im Jahr 2013. Das geht aus einer aktuellen Veröffentlichung der „Global Burden of Disease Study“ (GBD) 2013 hervor.

Forscher um Professor Theo Vos von der Universität in Seattle im US-Staat Washington haben dafür unzählige Studien, Umfragen und Gesundheitsreports aus der ganzen Welt ausgewertet.“

Hier der Link zum Artikel von Thomas Müller, Ärzte Zeitung.