Mein eigener Arzt

play-stone-1237457
Quelle: geralt, pixabay.com

Man kennt das ja als Schmerzpatient: nach dem Arztbesuch ist vor dem Arztbesuch. Immer auf der Suche nach Heilung oder – in einem späteren Stadium und nach Abzug aller Illusionen – nach Linderung der Schmerzen. In der Yellow Press als auch in der Fachpresse werden hierfür gerne Begriffe wie „Odyssee“ oder „von Pontius zu Pilatus“ verwendet.

Die Ärzte, die ich kenne, sind wirklich gut. Sie sind das, was man gemeinhin als „Koryphäe“ bezeichnet – in ihrem Fachgebiet. Und genau da liegt die Krux. Wenn die Ärzte in ihrem Fachgebiet alles getan haben und es darum geht nach links und rechts zu schauen, scheitern sie – sei es aus Zeitmangel, Unwissenheit oder schlicht an ihrem Ego.

Wenn dieser Punkt erreicht ist, werden viele Patienten das, was sie ohnehin für viel zielführender halten: ihr eigener Arzt. Auch mir geht es oft so, dass ich sage: „Ich kenne meinen Körper doch am besten.“ Also handele ich – hinter dem Rücken des Facharztes – und wähle andere Anlaufstellen, von denen ich mir Hilfe, Beratung und vielleicht sogar Heilung erhoffe. Andere Patienten suchen im Internet nach Lösungen, googeln stundenlang, finden immer neue Diagnosen, die vielleicht überhaupt nichts mit ihrem Problem, nämlich ihren Schmerzen, zu tun haben.

All das müsste nicht sein, wenn es entweder einen Facharzt für Schmerzmedizin gäbe oder zumindest eine bessere Vernetzung fachgebietsübergreifend. Der Schmerz ist traditionell ein Gebiet, auf das sich Ärzte vieler verschiedener Fachgebiete stürzen. Immer wieder sind Fachgebietsrangeleien zu beobachten, insbesondere die Anästhesisten halten den Schmerz für ihre Domäne. Eine eindimensionale, fachgebietsbezogene Schmerztherapie hilft aber nicht weiter. Selbst wenn der Patient von drei oder vier Fachdisziplinen angesehen wird, dann aber die Ärzte untereinander nicht kommunizieren, ist das alles umsonst – aber alles andere als kostenlos.

Zu welchem Arzt mit chronischen Schmerzen?

Quelle: Gesundheitsstadt Berlin
Quelle: Gesundheitsstadt Berlin

Patienten mit chronischen Schmerzen wissen in Deutschland oft nicht wohin. Denn es gibt zuwenig Schmerzmediziner und Schmerztherapeuten. Patienten und schmerzmedizinische Organisationen fordern daher nun eine Gesetzesregelung.

Die Unterversorgung von Patienten mit chronischen Schmerzen in weiten Teilen Deutschlands muss beendet werden. Das forderten Patienten und schmerzmedizinische Organisationen am Donnerstag im Rahmen des „Nationalen Versorgungsforums Schmerz“ in Berlin.

Die Verbände der Schmerzmedizin kritisieren seit langem, dass eine adäquate schmerzmedizinische Versorgung der Bevölkerung nicht abgesichert sei. Es gebe zu wenig Schmerztherapeuten und der Nachwuchs fehle, so der Berufsverband der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland e.V. (BVSD), die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) und die Deutsche Schmerzliga e.V. (DSL) in einer gemeinsamen Erklärung.

Trotz mehrmaliger und wiederholter Willensbekundungen seitens der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und des GKV-Spitzenverbandes in den letzten Jahren habe sich an der eklatanten schmerzmedizinischen Unterversorgung nichts verändert, kritisieren die Verbände. Sie sehen daher nun den Gesetzgeber in der Pflicht.

Hier der Link zum vollständigen Artikel von Angela Mißlbeck, Gesundheitsstadt Berlin.

Verbände legen Basis für Bedarfsplanung

968318_m3w605h320q75v25858_urn-newsml-dpa-com-20090101-150323-99-01271_large_4_3Die Fachgesellschaften und Verbände in der Schmerzmedizin haben gemeinsame Struktur- und Qualitätskriterien für schmerzmedizinische Einrichtungen entwickelt.

Diese sollen unter anderem die Basis für eine Bedarfsplanung in der schmerzmedizinischen Versorgung schaffen sowie die Versorgung von Schmerzpatienten in Deutschland verbessern.

Dafür soll laut einer gemeinsamen Mitteilung der Verbände auch eine „Fachkunde Schmerzmedizin“ geschaffen werden mit dem Ziel, die primärärztliche Versorgung zu verbessern.

Darüber hinaus beinhalten die Qualitätsstandards den Nachweis von Fortbildungen, Zusammenarbeit in interdisziplinären Behandlerteams oder eine Mindestanzahl an neuen Patienten pro Jahr je nach Klassifizierung der Einrichtung.

Laut des Papieres leiden in Deutschland etwa 23 Millionen Menschen unter chronischen Schmerzen und 2,2 Millionen davon unter schwersten chronischen Schmerzen mit psychischen Beeinträchtigungen. Nur etwa jeder achte Patient kann von einem der rund 1100 ambulant tätigen Schmerzärzte versorgt werden.

Die Versorgung sei nach wie vor ungenügend, so die Autoren des Konsenspapiers. Das liege unter anderem daran, dass es bisher keine klar definierten Strukturen der schmerzmedizinischen Versorgung gebe.

18 Monate Wartezeit für Schmerzpatienten

Quelle: meinbier, pixelio.de
Quelle: meinbier, pixelio.de

„Noch immer existieren Kapazitätsengpässe in der Schmerzmedizin. Die Versorgung ist ineffizient.

Gut 1000 schmerzmedizinisch tätige Ärzte gibt es in Deutschland. Viel zu wenige, sagen die schmerzmedizinischen Fachgesellschaften.

Sie fordern eine Verdopplung der Zahl der Einrichtungen – und mehr politisches Gewicht für die Schmerzmedizin.

Die Schmerzpatientin Marianne Simon, Gründerin der in Weinheim ansässigen Selbsthilfegruppe für Schmerzpatienten „Schmerz lass nach“, kennt die Versorgung von Patienten mit chronischem Schmerz aus der eigenen Erfahrung und aus Gesprächen mit Dutzenden von Patienten: „18 Monate Wartezeit auf einen Termin beim Schmerztherapeuten kommen vor“, so Simon.

Dr. Gerhard Müller-Schwefe vom Schmerzzentrum Göppingen widersprach ihr nicht: Von einigen Akutindikationen abgesehen liege die Wartezeit auch bei ihm derzeit bei mindestens einem Jahr.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel aus der Ärzte Zeitung.

Rückenschmerz-Patienten sind fehlversorgt

Quelle: kubelik2, freeimages.com
Quelle: kubelik2, freeimages.com

„Immer mehr Patienten mit Kreuzschmerzen landen im Krankenhaus – doch jeder Dritte wird letztlich nicht behandelt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Barmer GEK. Die Kasse fordert eine stärkere Vernetzung in der Behandlung von Schmerzpatienten.

Gut ein Drittel der Patienten mit Rückenschmerzen wird in einer Klinik aufgenommen, dort aber letztlich nicht behandelt. Das geht aus dem aktuellen Krankenhausreport der Barmer GEK hervor.

Rund 140.000 Patienten mit der Diagnose „lumbale Rückenschmerzen“ wurden demnach weder operiert noch schmerztherapeutisch behandelt. „Das ist eine deutliche Fehlentwicklung“, sagte der Vorstandsvorsitzende Dr. Christoph Straub am Dienstag bei der Vorstellung des Reports.

Kreuzschmerz-Patienten sollten im Krankenhaus auch eine Behandlung erhalten, sonst gehörten sie dort nicht hin. Er forderte eine „professionelle und fachübergreifende Vernetzung der niedergelassenen Ärzte“, um die Patienten vor einer Chronifizierung der Schmerzen zu bewahren.

In diesen Verbünden sollten Hausärzte die Lotsen sein. Auch empfahl er Patienten, sich vor einer Operation an der Wirbelsäule in jedem Fall eine zweite Meinung einzuholen.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel von Susanne Werner, Ärzte Zeitung.

Verschiedene Programme gegen den Schmerz

„Menschen mit chronischen Schmerzen gehen oft einen langen Leidensweg. Betroffen sind viele. Die AOK will mit verschiedenen Programmen zur Schmerzlinderung dazu beitragen, die Lebensqualität von Patienten mit Schmerzerkrankungen zu verbessern.

Kopfschmerzen und Rückenschmerzen entwickeln sich immer mehr zu Volkskrankheiten. Nach Daten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) leidet jeder vierte Beschäftigte in Deutschland unter Kopfschmerzen und Schlafstörungen.

Sogar Kinder sind zunehmend von Kopfschmerzen betroffen. Über chronische Rückenschmerzen klagt jede fünfte Frau und jeder siebte Mann.

Nach Untersuchungen des Robert Koch-Instituts (RKI) werden pro Jahr bundesweit 579.000 Fälle mit Krankheiten der Wirbelsäule und des Rückens stationär behandelt, 160.000 Menschen werden jährlich am Rücken operiert.

Vor diesem Hintergrund haben beispielsweise die AOK PLUS und die AOK Nordost integrierte Versorgungsverträge mit Kliniken abgeschlossen, in denen Schmerzpatienten von spezialisierten Teams behandelt werden.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel von Taina Ebert-Rall, Ärzte Zeitung.

Barmer GEK und Hausärzte wollen Rheuma-Patienten besser versorgen

„Die Barmer GEK und der deutsche Hausärzteverband wollen die Versorgung von Menschen mit Rheuma verbessern. Dazu haben sie den ersten Versorgungsvertrag mit der „Versorgungslandschaft Rheuma“ geschlossen.

Rheumapatienten, die bei der Barmer GEK versichert sind, sollen künftig binnen 14 Tagen einen Termin beim Rheumatologen bekommen und bei akuten Krankheitsschüben sogar umgehend. Ihre Versorgung erfolgt in enger und zeitnaher Abstimmung zwischen Rheumatologen und Hausärzten. „Den entsprechenden Versorgungsvertrag hat die Krankenkasse mit der Versorgungslandschaft Rheuma GmbH, ein gemeinsames Unternehmen des Berufsverbandes Deutscher Rheumatologen e.V. und des Deutschen Hausärzteverbandes e.V., abgeschlossen“, schreibt die gesetzliche Krankenkasse in einer Pressemitteilung. Am 1. Oktober soll der Vertrag zunächst in Hessen, Mecklenburg-Vorpommern sowie Sachsen beginnen und dann sukzessive bundesweit umgesetzt werden.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel von Cornelia Wanke, Gesundheitsstadt Berlin.