Ohne Titel

SCHMERZBLOGADE schreibt über das wahre Leben (mit oder ohne Schmerzen) hinter der Fassade.

„Wie hältst du das nur aus?“

Quelle: visualstatements.net

Seit genau 22 Jahren leide ich unter chronischen bzw. wiederkehrenden Schmerzen. Und das mit gerade einmal 47 Jahren. Mein Leben, meine Entwicklung stand seitdem fast immer im Schatten des Schmerzes. Wer mit dauerhaften Schmerzen leben muss, kann sich nicht normal entwickeln. Schmerzen zermürben das physische und psychische Wohlbefinden, stören soziale Beziehungen, gefährden die gesamte Existenz.

Im September 1995 fing es mit Kopf- und Gesichtsschmerzen (atypischer Gesichtsschmerz bzw. anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz) an. 2005 kamen chronische Rücken- und Gesäßschmerzen (Spondylolisthesis vera, Piriformis-Syndrom) hinzu.

Gleich zweimal wurde ich den vergangenen Wochen gefragt: „Wie hältst du das nur aus?“. Um ehrlich zu sein: Ich weiß es nicht.

Unzählige Ärzte und Therapeuten habe ich aufgesucht, bis ich endlich diejenigen gefunden habe, denen ich vertraue und die die Probleme auch etwas eindämmen konnten. Alleine sechsmal wurde ich im Bereich der Nasennebenhöhlen operiert.

Unzählige Untersuchungen, Tests und Aufnahmen wurden gemacht, um die Ursache der Schmerzen zu finden. In meiner Wohnung stapeln sich Aufnahmen aller gängigen bildgebenden Verfahren (Röntgen, CT, MRT).

Unzählige Therapien, Hilfs- und Arzneimittel habe ich ausprobiert, bis ich endlich Mittel und Wege gefunden habe, die Schmerzen und Ängste einigermaßen im Griff zu haben. Die Kosten, die nicht erstattet werden, belaufen sich jährlich auf hohe dreistellige, in manchen Jahren vierstellige, Beträge.

Eine klassische „Schmerzkarriere“.

„Wie hältst du das nur aus?“. Diese Frage lässt mich nicht mehr los. Es ist wohl eine Mischung aus starkem Willen, Pflichtbewusstsein und der Hoffnung, dass irgendwann vielleicht doch alles wieder gut wird. Und nicht zuletzt hat mich meine Neugier am Leben gehalten.

Was ist aus mir geworden? Wie habe ich mich entwickelt? Ich habe mir mit jahrelanger Übung etwas Gelassenheit, innere Ruhe und die Fähigkeit Glücksmomente zu genießen, angeeignet. Aber der Schmerz und die Angst sitzen immer mit im Boot. Darüber zu schreiben ist Teil meiner Therapie, Teil meiner Selbstheilungsversuche, geworden. Manchmal schreibe ich viel, manchmal wochenlang gar nicht.

Aber DAS halte ich locker aus.

Kennen Indianer wirklich keinen Schmerz? Bekannte Schmerzphänomene unter der Lupe

Quelle: Sanofi/Ibuflam
Quelle: Sanofi/Ibuflam

„Ein Indianer kennt keinen Schmerz – dieses bekannte Sprichwort hat wohl jeder in seiner Kindheit schon mal zu hören bekommen. Handelt es sich dabei nur um einen lockeren Spruch, oder steckt mehr dahinter? Und was sagt die Wissenschaft zu diesem und anderen Schmerzphänomenen?

Kennen Indianer wirklich keine Schmerzen? Wortwörtlich darf man diese Redensart selbstverständlich nicht nehmen. Und das ist auch gut so, denn akuter Schmerz ist für jeden ein wichtiges Warnsignal des Körpers und weist auf Verletzungen oder Schädigungen im Gewebe hin. Indianer haben eine besondere Art, mit Schmerzen umzugehen. Sie versuchen sich von Schmerzen durch Tanz, Trance und Konzentration auf ein „höheres Ziel“ abzulenken. In der Tat kommt die Wissenschaft zu dem Schluss, dass religiöse und magische Praktiken maßgeblichen Einfluss auf Schmerzempfinden und -bewältigung haben (1). Eindeutig geklärt ist der Ursprung der Redensart „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“ jedoch nicht. Es gibt verschiedene Erklärungsansätze. So schrieb beispielsweise Karl May in „Der Schatz im Silbersee“ (2) über Indianer, dass sie „die größten Qualen ertragen ohne mit der Wimper zu zucken“ und die Schmerzen am Marterpfahl „mit lächelndem Munde“ quittieren. Bei ihrem Sonnentanz lassen sich Indianer scheinbar schmerzfrei die Haut durchbohren (3). Diese Zeremonie wird ebenfalls als mögliche Quelle für die Redensart angenommen.

Wer rastet, der rostet

Es muss nicht gleich ein ritueller Tanz sein, aber man kann trotzdem viel von den Indianern lernen: Es ist wichtig, aktiv und frühzeitig etwas gegen Schmerzen zu unternehmen. Akute Schmerzen lassen sich beispielsweise mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln wie Ibuflam® akut mit dem Wirkstoff Ibuprofen behandeln (4). Der Wirkstoff Ibuprofen ist für leichte bis mäßig starke Schmerzen das rezeptfreie Schmerzmittel der ersten Wahl in Deutschland schlechthin. 2016 waren rund die Hälfte (50,6 Prozent) aller in Deutschland verkauften Schmerzmittel in oraler Form Arzneimittel mit diesem Wirkstoff (5). Aus gutem Grund: Schließlich kann der Wirkstoff bei den häufigsten leichten bis mäßig starken Schmerzen zum Einsatz kommen. 91 Prozent aller Deutschen sind jährlich von Schmerz betroffen. Zu den häufigsten Schmerzarten gehören Rücken-, Nacken- und Schulterschmerzen (70 Prozent der Frauen, 57 Prozent der Männer) sowie Muskel- und Gelenkschmerzen (51 Prozent der Frauen, 51 Prozent der Männer) (6). Gerade hier gilt es, die akuten Schmerzen frühzeitig zu bekämpfen. Bei Schmerzen, die länger als drei Tage andauern, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Denn bleiben akute Schmerzen unbehandelt, geraten die Betroffenen in einen Teufelskreis und der Schmerz kann chronisch werden: Um den akuten Schmerz zu reduzieren, werden bestimmte Bewegungen vermieden und eine Schonhaltung wird eingenommen. Das verspannt die Muskulatur zusätzlich und verstärkt die Schmerzen. Zudem „rosten“ die Gelenke ein, denn der Knorpel in Gelenken wird aufgrund der falschen oder fehlenden Bewegung nicht mehr optimal mit Nährstoffen versorgt. Oder, wie es der Volksmund auf den Punkt bringt: „Wer rastet, der rostet“. Regelmäßige Bewegung (z.B. Schwimmen, Rad fahren, Spaziergänge) beugt also Schmerzen auch vor (7). Als weitere vorbeugende Maßnahmen sind eine Reduzierung sozialer und psychologischer Stressfaktoren (8) sowie eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung (9) zu empfehlen.

Ertragen Frauen wirklich mehr Schmerzen als Männer?

Entgegen der weitläufigen Meinung, dass Frauen mehr Schmerzen ertragen können, haben Untersuchungen gezeigt, dass Männer wohl tatsächlich „das stärkere Geschlecht“ sind (10). Im Experiment wurden Männer und Frauen einem Hitze- und Druckreiz ausgesetzt. Frauen schätzten die Schmerzintensität höher ein und hielten den Schmerz weniger lange aus als Männer. Demnach scheint das weibliche Nervensystem „empfindlicher“ zu sein und die Schmerzverarbeitung sensibler. Warum das so ist? Eindeutig geklärt ist diese Frage nicht, aber ein Faktor scheinen die Hormone Östrogen und Progesteron zu sein. In der Schwangerschaft führen hormonelle Veränderungen beispielsweise dazu, dass Frauen unempfindlicher gegenüber Schmerzen sind und beim Geburtsvorgang starke Schmerzen relativ gut ertragen können.“

Doch egal, ob nun zum Beispiel die Hormone oder mangelnde Bewegung die Ursache sind – Schmerzen können den Alltag zur Tortur werden lassen. Manche Dinge erträgt man gerne. Schmerzen nicht. Schnelle Hilfe ist also angesagt.

(1) Larbig, W. (1982). Schmerz: Grundlagen – Forschung – Therapie. Stuttgart: Kohlhammer.
(2) Der Schatz im Silbersee. Zeitschriftenfassung 1890/91. 12. Kapitel:Auf Tod und Leben.
(3) Prof. Dr. med. Matthias Karst (2014). Das Schmerz-Buch: Neue Wege wagen. Hannover: Schlütersche.
(4) Gebrauchsinformation Ibuflam® akut, Stand: August 2015.
(5) IMS Health, Sell-out in EUR, Analgetika Rezeptfrei N02B2, MAT 10/2013 und 10/2016.
(6) Umfrage TNS Healthcare, repräsentative Befragung bei 1.500 Personen 14+ in der deutschsprachigen Bevölkerung, Feldzeit: 27. bis 30. Juni 2008.
(7) Robert Koch Institut, Statistisches Bundesamt (2012): Rückenschmerzen. Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 53: S.17-22.
(8) Dossier der Deutschen Schmerzliga e.V. (2013): Chronischer Schmerz: Daten, Fakten, Hintergründe – Informationen der Deutschen Schmerzliga e.V.
(9) Göbel, H., Heinze,A.(2015). DGS-Praxisleitlinie primäre Kopfschmerzen v2.0. DGS-Praxisleitlinien Schmerzmedizin.
(10) http://www.dgss.org/patienteninformationen/besonderheiten-bei-schmerz/schmerz-und-geschlecht

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Kopfschmerz – Au weia!

Quelle: geralt, pixabay.com
Quelle: geralt, pixabay.com

Wer kennt keine Kopfschmerzen? Da wird sich wohl kaum jemand finden. Gerade der Teil des Menschen, der für die „Krone der Schöpfung“ im wahrsten und im übertragenen Sinne so wichtig ist, schmerzt oft gewaltig. Die Beule, wenn es in frühen Jahren mit dem Fahrradfahren noch nicht so recht geklappt hat, die Kopfschmerzen bei der Grippe, der Zahnschmerz, die Migräne, der Gesichtsschmerz, der Kopfschmerz nach reichlich Alkoholkonsum und viele andere Arten. Sie hämmern und bohren, pochen und ziehen, quälen und stechen. Und es gibt kein Entrinnen, denn der Kopf ist oben und der Schmerz ganz nah dran.

Klassifikationen

Auch wenn die Medizin keine exakte Wissenschaft ist, sondern eine Kunst, so werden die Kopfschmerzen doch eifrig klassifiziert. Wir kennen primäre Kopfschmerzen wie zum Beispiel Migräne, Clusterkopfschmerz und Spannungskopfschmerz. Dann gibt es noch sekundäre Kopfschmerzen wie zum Beispiel Kopfschmerzen nach Hirninfarkt, durch Traumen, Tumoren, Entzündungen in und am Kopf. Nicht zu vergessen, sind auch Kopfschmerzen bei psychiatrischen Erkrankungen. Und schließlich gibt es noch als dritte Untergruppe die cranialen Neuralgien, denn den schmerzenden Teufelchen im Kopf wäre sonst noch nicht Genüge getan. Insgesamt kann man sich mit Hunderten von Kopfschmerzarten auseinandersetzen oder froh sein, wenn man nicht alle am eigenen Kopf spüren muss.

Wann ist Kopfschmerz nicht nur schmerzhaft, sondern gefährlich?

Wenn es um Gefahr für Leib und Leben geht, dann sind die sekundären Kopfschmerzen ganz weit vorne auf der Liste. Denn hier geht es nicht nur um einen Schmerz, sondern oft auch um die Wurst oder in diesem Fall um Kopf mit Kragen. Ein kräftiges Trauma mit dem Kopf kann rasch oder verzögert zu einer dringend behandlungsbedürftigen Hirnblutung führen. Ein Kopfschmerz, der so plötzlich auftritt, wie ein Schlag mit einer Keule und anders ist, als alles, was bisher im und am Kopf geschmerzt hat, gehört rasch neurologisch abgeklärt. Aber auch der Kopfschmerz mit Muskelschmerzen und Sehverschlechterung hat eine eingehende Untersuchung verdient. Merke: Wenn der Kopfschmerz plötzlich anders ist als sonst, dann ab zum Arzt.

Migräne – nein danke!

Migräne und Spannungskopfschmerzen sind nicht nur deshalb lästig, weil sie so weit verbreitet sind. Die Migräne versaut das freie Wochenende, die Lust auf Sex, den wichtigen Termin, eben einfach die Planbarkeit des Lebens. Dazu kommt die Übelkeit, die Lichtscheu, das unangenehme Gefühl neben sich zu stehen. Die alles beherrschende Frage ist, wann die nächste Attacke kommt, und schon durch diese Erwartungshaltung steigt der Druck, der die nächste Attacke triggert. Menschen, die unter Migräne leiden, sind meistens sehr leistungsorientiert und haben wenig Selbstfürsorge gelernt. Irgendwann ist der letzte Tropfen im sprichwörtlichen Fass angekommen und der Körper nimmt sich so eine Art Auszeit.

Therapiestrategien

Es gibt viele Therapiestrategien gegen die Migräne. Sucht sie den betroffenen Menschen mehrfach im Monat heim, so ist eine medikamentöse Prophylaxe angebracht. Dafür steht eine Vielzahl an Medikamenten zur Verfügung, deren Einsatz in Bezug auf mögliche Nebenwirkungen, Verträglichkeit und Vereinbarkeit mit dem Lebensstil abgewogen werden muss. Die Attacke, die rechtzeitig erkannt wird, kann mit Triptanen oft ausgebremst werden. Entspannungsverfahren, Ausdauersport, Bio-Feedback und eine bewusstere Lebensführung sind wichtige Methoden, die bei vielen Schmerzerkrankungen sinnvoll sind. Vor einer regelmäßigen Medikamenteneinnahme mit den frei verkäuflichen Präparaten sollte man sich sehr hüten. Medikamente regelmäßig eingenommen, können Kopfschmerzen hervorrufen, den sogenannten medikamentös induzierten Kopfschmerz. Und der ist auch nicht besser.

Spannungskopfschmerz – der Unverstandene

Was soll man dazu sagen? Jeder kennt ihn, niemand mag ihn. Er drückt wie ein Schraubstock den Kopf zusammen, sodass man sich nicht mehr konzentrieren kann. Er ist harmlos, in seinen Ursachen unverstanden und in der Therapie oft ein aussichtsloser Fall. Wer selten Kopfschmerzen hat, wird sich mit Medikamenten ausreichend behelfen können. Auch hier gilt: nie regelmäßig einnehmen, siehe oben. Was man beim Spannungskopfschmerz wissen sollte, ist der Zusammenhang mit Angst und Ärger. Auch, wenn beide Gefühle oft nicht auf den ersten Blick als hintergründige Ursache ins Auge springen. Es lohnt sich, sich darüber Gedanken zu machen.

Chronischer Kopfschmerz

Schwierig wird es, wenn die Migräne oder der Spannungskopfschmerz erst einmal chronisch geworden sind. Dann sind beide Kopfschmerzarten nicht mehr auseinanderzuhalten. Mal ist der Schmerz eher drückend, mal eher pochend, mal ist Übelkeit und Lichtscheu dabei und mal nicht. Nichts hilft und die Verzweiflung steigt und meistens damit auch der Medikamentenkonsum. Als chronisch gelten Kopfschmerzen, die an über 15 Tagen im Monat auftreten. Spätestens dann sollte man alle Register ziehen und einen Fachmann hinzuziehen. Um den Ärger und damit die Kopfschmerzen nicht direkt anzuheizen, sei hier deutlich gesagt: Auch der beste Arzt kann nicht jeden Schmerz und schon gar nicht jeden chronischen Kopfschmerz beseitigen. Gemeinsam kann man aber Strategien zur Linderung und zur Verbesserung der Lebensqualität entwickeln.

Autor Dr. med. Sabine Borck, Ärztliche Leiterin Schmerztherapie

Dr. med. Sabine Borck ist ärztliche Leiterin der Schmerztherapie der Vitos Klinik für Neurologie Weilmünster. Sie ist Ärztin für Neurologie und Anästhesie und verfügt über die Zusatzbezeichnungen spezielle Schmerztherapie, Manuelle Therapie und Palliativmedizin. Außerdem hat sie eine abgeschlossene osteopathische Ausbildung.

Weitere Artikel von Dr. med. Sabine Borck finden sich im Vitos Blog.

Einladung

Quelle: Bettina Stolze, pixelio.de
Quelle: Bettina Stolze, pixelio.de

Immer mehr Menschen folgen meinem Blog über Facebook,WordPress, Google+ oder per E-Mail – nicht nur jene mit chronischen oder wiederkehrenden Schmerzen, sondern vor allem auch deren Angehörige. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken. Ich sehe dies zugleich als Lob und Ansporn für die Zukunft. Ich würde mich sehr freuen, wenn dieser Blog noch populärer werden würde und somit auch andere betroffene Menschen mit Berichten und Tipps rund um das Thema chronische Schmerzen versorgt. Also: Bitte folgen, liken, teilen, kommentieren was das Zeug hält!

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Krankenkassen-Bericht: Mehr als drei Millionen leiden unter chronischem Schmerz

Die Zahl der Schmerzpatienten in Deutschland steigt seit Jahren: Mehr als drei Millionen plagen laut einem Krankenkassenbericht sogar chronische Schmerzen. Gleichzeitig fehlen Experten in der Therapie.

3,25 Millionen Menschen in Deutschland leben mit chronischen Schmerzen – das berichtet die Krankenkasse Barmer GEK im „Arztreport 2016„. Die Zahl der Schmerzpatienten sei seit 2005 kontinuierlich gestiegen. Damals waren 1,6 Prozent der Bevölkerung betroffen, 2014 waren es laut der Krankenkasse vier Prozent.

Quelle: DPA
Quelle: DPA

Frauen leiden häufiger unter chronischen Schmerzen als Männer, Ältere öfter als Jüngere. Zudem gilt die Dunkelziffer von Betroffenen ohne einschlägige Diagnose als hoch.

Doch auch zwischen den Bundesländern gibt es deutliche Unterschiede. Laut „Arztreport“ fiel die Diagnose „chronischer Schmerz“ am häufigsten in Brandenburg und Berlin – 5,8 beziehungsweise 5,7 Prozent der Bevölkerung sind dort betroffen. Am seltensten wurde die Diagnose in Bremen mit 2,9 Prozent gestellt.

Barmer-GEK-Chef Christoph Straub machte auf Verbesserungen in der Schmerztherapie aufmerksam. Zusätzlich müsste aber bereits der Hausarzt Lotse sein, sodass Betroffene früh von verschiedenen ärztlichen Fachrichtungen betreut werden könnten, damit Schmerzen möglichst gar nicht erst chronisch werden.

Hier der Link zum vollständigen Artikel des Spiegel.

Schmerz nach der Krebstherapie: Kaum auszuhaltende Qualen

Quelle: NicoLeHe, pixelio.de
Quelle: NicoLeHe, pixelio.de

Lange dachten Ärzte, Krebspatienten könnten keine chronischen Schmerzen entwickeln. Heute wissen sie es besser. Gut versorgt sind diese Patienten trotzdem noch nicht.

Sei doch froh, dass du die schwere Erkrankung überstanden hast – diesen Satz hat Cecile Kreutz in den vergangenen sechs Jahren nicht nur einmal gehört. Ende 2009 entdeckten die Ärzte bei der heute 64-Jährigen einen Lungentumor, der so groß gewachsen war, dass er schon das umliegende Gewebe angegriffen hatte. Um ihn herauszuoperieren, mussten die Ärzte nicht nur Teile der Lunge entfernen, sondern auch Muskeln und Rippen herausschneiden. Eine große Narbe am Oberkörper zeugt von der Schwere des Eingriffs, dem eine lange Chemotherapie folgte.

Dass sie heute noch lebt und mit dem Rollator überall hinkommt, dafür ist Cecile Kreutz dankbar. Doch diese Freude wurde lange durch starke Schmerzen getrübt, die sie seit der Chemotherapie Tag für Tag begleiteten und sie bei jeder Bewegung einschränkten. Kein Arzt hatte dafür eine Erklärung. „Da kann man nichts machen“, sagte man ihr genauso häufig wie „Damit müssen Sie nun leben“. Doch Kreutz sagt ganz offen, dass für sie die vergangenen Jahre kein Leben mehr waren. Kein Atemzug ohne Schmerzen, kein Liegen ohne Drücken im Oberkörper. Mehrfach am Tag litt sie unter Attacken, die sich anfühlten, als steche man ihr mit zahlreichen Messern in den Rücken.

Chronischer Tumorschmerz tritt immer häufiger auf

Stefan Wirz kennt solche Leidenswege zur Genüge. Er ist Chefarzt der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin des Katholischen Krankenhauses im Siebengebirge. Der Schmerzmediziner hat sich auf Patienten spezialisiert, die unter einem Tumorschmerz leiden, und vor allem auf die, bei denen dieser chronisch ist. Sie werden immer zahlreicher, was – auch wenn es erst einmal nicht so klingt – eine gute Nachricht ist. Denn durch bessere Therapien überleben immer mehr Menschen eine Krebserkrankung. Nicht selten leben sie noch Jahrzehnte nach der Diagnose und gelten als geheilt. Doch durch die steigenden Überlebensraten zeigen sich auch Folgen der Erkrankung, die früher keine Rolle gespielt haben. Der chronische Tumorschmerz zählt dazu.

Erst langsam nimmt die Medizin dieses Leid der Krebspatienten wirklich ernst. Bis vor kurzem hat man Schmerzen unterteilt in Akutschmerz, chronifizierten Schmerz und Tumorschmerz. Lehrbücher schlossen aus, dass eine Schmerzempfindung Eigenschaften aus zwei der drei Kategorien haben könne. Laut medizinischem Fachwissen konnten nur Schmerzen von Nicht-Tumorpatienten „chronifizieren“, chronisch werden. Das Resultat: Betroffene Tumorpatienten fielen und fallen in eine Versorgungslücke unseres Gesundheitssystems.

Für Krebspatienten, die so schwer krank sind, dass sie wohl nicht mehr gesund werden, hat sich die Palliativmedizin in den vergangenen Jahren zu einer hilfreichen Fachrichtung entwickelt. Damit diese Patienten die restliche Zeit ihres Lebens so angenehm wie möglich verbringen können, ist es eine der Hauptaufgaben der Palliativmedizin, Schmerzen zu bekämpfen.

Hier der Link zum vollständigen Artikel von Lucia Schmidt, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.

2015 im Rückblick

Die WordPress.com-Statistik-Elfen haben einen Jahresbericht 2015 für dieses Blog erstellt.

Hier ist ein Auszug:

Ein New York City U-Bahnzug fasst 1.200 Menschen. Dieses Blog wurde in 2015 etwa 7.700 mal besucht. Um die gleiche Anzahl von Personen mit einem New York City U-Bahnzug zu befördern wären etwa 6 Fahrten nötig.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Jeder fünfte Mann über 50 erkrankt an Osteoporose

Quelle: Wikipedia
Quelle: Wikipedia

Osteoporose betrifft auch Männer. An der meist als typische Frauenkrankheit wahrgenommenen Krankheit leide jeder fünfte Mann über 50 Jahren, teilte das Kuratorium Knochengesundheit jetzt mit. 20 bis 30 Prozent der Patienten, die sich wegen Knochenbrüchen als Folge von Osteoporose behandeln lassen müssen, seien Männer, heißt es in der Mitteilung.

Die Ursachen für eine Osteoporose bei Männern und Frauen wichen allerdings stark voneinander ab. Bei neun von zehn Frauen trete die Krankheit aufgrund von Hormonveränderungen im Verlauf der Wechseljahre auf, die sich ungünstig auf den Knochenstoffwechsel auswirken. Bei Männern dagegen seien lediglich in 40 Prozent der Fälle Veränderungen im Hormonhaushalt für eine Osteoporose verantwortlich.

Vielmehr lägen bei 60 Prozent der männlichen Patienten spezifische Ursachen zugrunde, etwa Langzeittherapien mit Cortison-ähnlichen Präparaten bei Asthma, eine Überfunktion der Schilddrüse, Kalziummangel bei entzündlichen Darmerkrankungen, Nierenerkrankungen mit erhöhter Kalziumausscheidung oder Störungen des Vitamin-D-Stoffwechsels. Osteoporose bei Männern trete auch häufiger in Zusammenhang mit einer Parkinson-Erkrankung, Epilepsie oder bestimmten Krebserkrankungen auf, teilt das Kuratorium mit. Neben den krankheitsbedingten Faktoren existierten weitere Risiken, die sich aber gut vermeiden ließen, beispielsweise Alkoholmissbrauch, kalziumarme Ernährung, starkes Untergewicht oder Bewegungsmangel.

Studien zeigten, dass die Osteoporose eine unterdiagnostizierte Krankheit sei. «Männer werden viel seltener untersucht als Frauen», heißt es. Bei Frauen zögen Ärzte siebenmal häufiger eine Knochendichtemessung zur Diagnose heran als bei Männern. Und je älter die Patienten seien, desto seltener ordneten Ärzte die Knochendichtemessung an, besonders bei Männern. Die Zahl der an Osteoporose Erkrankten in Deutschland wird auf mehr als sechs Millionen geschätzt, Frauen sind fünf Mal häufiger betroffen als Männer.

Die deprimierende Wahrheit über Rückenschmerzen

Quelle: Infografik Die Welt
Quelle: Infografik Die Welt

Immer mehr Menschen landen wegen ihrer Rückenprobleme im Krankenhaus, 455.000 waren es 2013. Die Zahl der stationären Aufnahmen stieg in acht Jahren um 50 Prozent. Die Zahl der Operationen an der Wirbelsäule stiegt in nur fünf Jahren um 118 Prozent. Medizinisch ist das nicht zu erklären, sagen Ärzte, Versorgungsforscher, Kassenvertreter. Die Zahl der Menschen, deren Rücken schmerzt, ist hoch, aber seit Jahren etwa gleich hoch. Medizinisch ist erst recht nicht zu erklären, warum jeder dritte Rückenpatient im Krankenhaus überhaupt nicht behandelt wird.

Quelle: Infografik Die Welt
Quelle: Infografik Die Welt

Vieles lässt sich nur ökonomisch erklären. Patienten mit langwierigen Rückenschmerzen sind zu einer „Finanzierungsoption“ des Systems geworden, sagt ein Rückenspezialist. Ihre aufwendige, gern an teure Geräte gebundene Behandlung garantiert gute Umsätze – und weil sie ihnen selten hilft, kommen die Leute immer wieder. Selbst die Fachgesellschaften wollen jetzt umsteuern. „Wir müssen als Ärzte dazu beitragen, dass jede Operationsindikation überprüft wird“, sagt Rüdiger Krauspe, Chef der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie. So könnten die OP-Zahlen sinken.

Hier der Link zum vollständigen Artikel von Wiebke Hollersen, Die Welt.