Infos zu individualisierter Therapie bei Schmerzen

logo-onko-internetportalDie Möglichkeiten einer präzisen Diagnostik und Therapie bei Schmerzen haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert, sodass heute bei jedem Krebskranken eine Schmerzlinderung und bei 90 Prozent der Patienten sogar eine Schmerzfreiheit erreicht werden kann.

Entscheidend für eine erfolgreiche Schmerztherapie ist ein interdisziplinäres Konzept, das neben der Pharmakotherapie auch psychosoziale Interventionen und die aktive Mitarbeit des Patienten einschließt, erinnert das ONKO-Internetportal in einer Mitteilung.

Unter www.krebsgesellschaft.de/thema_august2016 stellt das ONKO-Internetportal medizinische Konzepte für eine auf individuelle Bedürfnisse des Patienten angepasste Schmerztherapie vor.

Chronischer Schmerz – Multimodale Schmerztherapie

Quelle: geralt, pixabay.com
Quelle: geralt, pixabay.com

Jeder von uns kennt das Gefühl Schmerzen zu haben. Doch glücklicherweise ist die Ursache meist klar, und ein Ende abzusehen. Bei Menschen mit chronischen Schmerzen ist das anders. Sie leiden Tag für Tag ohne eine Aussicht, dass es endet. Die Ursache dafür liegt meist tief in der jeweiligen Person verborgen. So auch bei Frau M., deren Geschichte ich hier erzählen will, um zu zeigen, dass es einen Ausweg gibt. Man kann sich den Schmerzen entgegen stellen.

Ein erstes Gespräch im April 2015

Frau M. kommt zur Vorbesprechung. Sie möchte an unserem Programm der multimodalen Schmerztherapie teilnehmen und wird von ihrem Schmerztherapeuten geschickt. Frau M. ist eine gepflegte Frau Ende 50, etwas übergewichtig. Schon als sie zur Tür hereinkommt spüre ich ihren Kummer und große Wut.

Dauerschmerzen seit zehn Jahren

Auf meine erste Frage, wie lange sie schon unter den Schmerzen leidet, folgt ein tiefer Seufzer und dann berichtet Frau M. ihre Leidensgeschichte anfangs stockend, dann immer flüssiger, gelegentlich unterstützt von meinen Fragen.

Seit ihrer Jugend leide sie schon unter Schmerzen. Seit zehn Jahren habe sie nun Dauerschmerzen – Tag und Nacht. Zu Beginn habe sie Rückenschmerzen gehabt. Sie sei von Arzt zu Arzt gelaufen, habe Spritzen, Tabletten, Akupunktur, Krankengymnastik, Elektrotherapie und Infusionen erhalten und sogar eine Rehabilitationsbehandlung gemacht. Es sei aber immer schlimmer statt besser geworden.

Der ganze Körper schmerzt und schränkt ein

Dann kamen noch die Gelenkschmerzen dazu. An immer anderen Gelenken. Außerdem eine zunehmende Müdigkeit. Oft sei es ihr zu anstrengend, die Waschmaschine zu füllen, am nächsten Tag könne es sein, dass sie normal „funktioniere“. Sie habe zu nichts Lust, gehe nur noch ungern aus dem Haus. Beschreiben lasse sich der Schmerz schlecht, er sei immer da, wie ein Messer, mit dem man in ihr herumbohre.

Die Biografie: Als Mädchen konnte sie ihren Traum nicht erfüllen

Einen Beruf? Ja, sie habe nach der Hauptschule Verkäuferin gelernt, aber sie wäre gerne Lehrerin geworden. Da sie aber ja nur ein Mädchen sei, die eh heiratet, waren ihre Eltern der Ansicht, dass sich die Investition nicht lohne. Sie haben lieber den Bruder gefördert. Sie habe ein paar Jahre gearbeitet, dann seien die Kinder gekommen und sie sei Zuhause geblieben. Später habe sie immer mal wieder gearbeitet. An ihrem letzten Arbeitsplatz sei sie gemobbt worden, dann habe sie immer häufiger gefehlt. Man habe ihr gekündigt. Nun sei sie arbeitslos. Wer stellt denn eine Frau meines Alters mit der Krankengeschichte noch ein?, fragt sie seufzend.

Die Biografie: Mann und Kinder, so wie es sich halt gehört

Ich frage sie, ob sie mit ihrem Mann zufrieden sei. Ja natürlich. Er habe zwar so seine Eigenheiten, aber wer habe das nicht? Zögernd fügt sie noch hinzu, dass er sie nicht so gerne in den Arm nehme.
Ob sie Kinder habe? Ja, zwei Töchter. Die Augen von Frau M. füllen sich mit Tränen. Leise sagt sie, dass ihre jüngere Tochter mit Drogen zu tun habe, unzuverlässig sei, nicht arbeite. Dabei hat sie doch immer alles bekommen und hätte sogar studieren können. Letzte Woche habe ihre Tochter sie sogar geschlagen. Ihr Mann habe schon die Polizei rufen wollen, aber sie habe ihn daran gehindert.

Die Biografie: Die Eltern

Vorsichtig nähere ich mich dem nächsten großen Thema, der Familie. Es wird schwierig werden, das ahne ich schon. Ich frage erst einmal, ob die Eltern noch leben. Nein beide seien bereits verstorben. Der Vater sei nur 78 Jahre alt geworden und an Leberversagen verstorben. Er habe sehr viel Alkohol getrunken und sei abends oft betrunken nach Hause gekommen. Sie habe immer Angst vor ihm gehabt. Die Mutter sei immer kränklich gewesen und nie belastbar. Sie habe ihre Mutter jahrelang gepflegt, das sei ganz schrecklich gewesen mit der Demenz. Aber die Mutter habe ja nichts dafür gekonnt.

Die Biografie: Sexueller Missbrauch

Als sie 12 war, sei es ganz schlimm gewesen. Frau M. schweigt und schaut zu Boden. Sie weint. Ich ahne, dass Frau M. sexuell missbraucht wurde und schließlich erzählt sie es auch. Sie habe sich so geschämt und es niemanden erzählen können. Die Mutter habe es gewusst und nichts unternommen. Sie sei so alleine gewesen damit.

In der Vergangenheit liegt der Schlüssel für die Zukunft

Sie wisse gar nicht, warum sie mir die ganzen alten Geschichten erzähle. Man könne ja nichts mehr daran ändern. Nein, das kann man nicht, bestätige ich ihr. Aber ihre Erkrankung gehöre in ihre Biografie hinein. Im Leben jedes chronisch schmerzkranken Menschen gibt es Brüche, schmerzhafte Erlebnisse, oft eine ungünstige Verarbeitung von Lebensereignissen, nicht bewältigte Kränkungen, Demütigungen oder Verluste. Sich diese Zusammenhänge bewusst zu machen, Auswege und Strategien zu entwickeln und auch dem Zorn, der Angst, der Depression und der Hilflosigkeit ihren Raum zu geben, das sind wichtige Schritte, aus der Erkrankung heraus.

Verschiedene Therapien als Start zum Erfolg

Ich schildere Frau M., dass unsere Patienten jeden Tag Nordic Walking machen, viermal pro Woche Wassergymnastik haben, dreimal Krankengymnastik, dreimal Entspannungsverfahren, dazu Musiktherapie, Bürstenmassage und Psychotherapie in Einzel- und Gruppengespräche.

Frau M. schaut mich an. Die Gefühle der Trauer und des Ärgers, die mit ihr zur Tür hereingekommen waren, spüre ich nicht mehr. Wir besprechen noch die Einzelheiten der Anreise, was mitzubringen ist, wann sie da sein soll und natürlich vereinbaren wir einen Termin, in ihrem Fall für Juni.

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Weniger Bürokratie bei Akupunktur

Quelle: Harald Wanetschka, pixelio.de
Quelle: Harald Wanetschka, pixelio.de

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat sich mit dem GKV-Spitzenverband darauf geeinigt, die Prüfung der ärztlichen Dokumentation von Akupunkturbehandlungen für zwei Jahre auszusetzen. Gute Nachrichten für Ärzte – und durch den geringeren Arbeitsaufwand hoffentlich auch für Patienten.

Die Dokumentationsprüfungen für Akupunkturbehandlungen chronisch schmerzkranker Patienten sind für die nächsten zwei Jahre nicht mehr verpflichtend vorgeschrieben. Darauf haben sich KBV und Kassen geeinigt. Das Moratorium beginnt am 1. Januar 2016.

„Für die Ärzte verringert sich damit der bürokratische Aufwand, der mit der Überprüfung verbunden ist“, schreibt die KBV. Die „Qualitätssicherungsvereinbarung Akupunktur“ sieht eine jährliche Prüfung der Behandlungsdokumentation durch die KVen bei mindestens fünf Prozent der Ärzte vor, die Akupunkturleistungen erbringen.

Überprüft wird etwa, ob die Dokumentationsinhalte vollständig erfasst sind. „Aufgrund der geringen Zahl von Beanstandungen“, heißt es, sei diese Prüfung „nun nicht mehr verpflichtend“.

Allerdings stehe es den Kassenärztlichen Vereinigungen frei, die Akupunktur-Dokumentationen weiterhin stichprobenartig zu kontrollieren. Ende Juni 2017 wollten KBV und GKV-Spitzenverband dann erneut über die Prüfpflicht entscheiden.

Ausdrücklich weist die KBV darauf hin, dass sich mit dem Aussetzen der Prüfungen nichts an der Verpflichtung der Ärzte, die Akupunkturleistungen zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen erbringen, ändere, „den Therapieplan sowie die Eingangs- und Verlaufserhebung in der Patientenakte zu dokumentieren“.

Akupunktur ist Kassenleistung nur bei chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule und chronischen Schmerzen im Kniegelenk durch Knorpelverschleiß (Gonarthrose).

Gelenkentzündungen stoppen per RSO

Quelle: Apotheken Umschau
Quelle: Apotheken Umschau

„Wer Arthrose oder entzündliches Rheuma hat, dem kann unter Umständen ein spezielles Therapieverfahren helfen: die Radiosynoviorthese.

Der Begriff Radiosynoviorthese setzt sich aus den Wörtern Strahlen (Radio), Gelenkinnenhaut (Synovialis) und Wiederherstellung (Orthese) zusammen. Denn die Ärzte spritzen bei der RSO spezielle radioaktive Substanzen in das Gelenk. Diese werden von den Entzündungszellen auf der Oberfläche der kranken Gelenkinnenhaut „gefressen“. Durch die von der Substanz abgegebenen Beta-Strahlen werden die Entzündungszellen anschließend zerstört und die Gelenkinnenhaut verschorft. Dadurch nehmen sowohl die Entzündung als auch die Gelenkschmerzen ab. Das Eindämmen der Entzündung soll auch verhindern, dass weitere Gelenkstrukturen wie Knorpel und Knochen Schaden nehmen. „70 bis 80 Prozent der Patienten schildern eine deutliche Besserung der Beschwerdesymptomatik, die Studien zufolge im Durchschnitt für zwei Jahre anhält. In echt vermutlich sogar noch länger, weil zufriedene Patienten eher die Studien abbrechen und dann nicht mehr erfasst werden“, sagt Nuklearmediziner Professor Lutz Freudenberg aus Grevenbroich.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel (Apotheken Umschau).

Direkter Zugriff auf die Psyche

„Die Vorstellungen, die wir von Psychotherapie haben, müssen erweitert werden. Inzwischen kann man auch Video-Feedback-Programme und die Gabe des Bindungshormons Oxytocin an Menschen mit Schmerzstörungen dazuzählen.

Unter Psychotherapie verstehen wir die Behandlung psychischer Störungen mit psychologischen Methoden. Die Hirnforschung hat wichtige Beiträge zum besseren Verständnis psychischer Störungen wie auch zu ihrer Behandlung geliefert. Jedoch sind psychische Störungen keine Hirnerkrankungen wie die Epilepsie oder die Parkinson-Krankheit, obwohl dies oft behauptet wird, zum Beispiel vom amerikanischen National Institute of Mental Health, dessen Direktor Tom Insel immer wieder betont, dass psychische Störungen Hirnerkrankungen sind. Im Gegensatz zu neurologischen Störungen gibt es bei den psychischen Störungen bislang keine klaren Nachweise, dass tatsächlich ein krankhafter Gehirnprozess die Grundlage der Störung ist.

Vielmehr belegt die neurowissenschaftliche Forschung, dass viele Hirnveränderungen durch Erleben, Verhalten und Umwelteinflüsse erst bedingt werden. So verändert frühkindliches Stresserleben das Volumen des Hippocampus und der Amygdala oder deren Verbindungen mit dem Frontalkortex. Dies sind Hirnregionen, die für Lern- und Gedächtnisprozesse wichtig sind und bei vielen Störungen wie Angst oder Depression im Mittelpunkt der Krankheitsentstehung stehen. So haben beispielsweise Personen, die ein vermindertes Hippocampusvolumen haben, ein höheres Risiko, an einer posttraumatischen Belastungsstörung zu erkranken, jedoch reduziert Stresserleben selbst wieder den Hippocampus.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel (Herta Flor, Frankfurter Allgemeine Zeitung).

Welchem Schmerzpatienten hilft welche Therapie?

„Auch bei Schmerzen wird verstärkt auf maßgeschneiderte Lösungen gesetzt. Das gilt für die Pharmakotherapie, wo man Responder identifiziert und für psychotherapeutische Interventionen, die auf das jeweilige Syndrom ausgerichtet werden.

Mag man es nun als personalisierte, als individualisierte oder als stratifizierte Medizin bezeichnen – das Ziel, für jeden einzelnen Patienten die für ihn maßgeschneiderte Behandlung zu finden, gilt natürlich auch für die Therapie bei Schmerzen.

Welche Optionen bieten hier die unterschiedlichen psychotherapeutischen Interventionen, und was tut sich in puncto maßgeschneiderter Pharmakotherapie?“

Hier der Link zum vollständigen Artikel (Christine Starostzik, Ärzte Zeitung).

So kneten Physiotherapeuten die Schmerzpunkte weg

„Sogenannte „Triggerpunkte“ bestehen aus verkrampften Muskeln. Sie sorgen für Schmerzen, allerdings nicht dort, wo die Knubbel auftreten. Physiotherapeuten können helfen – aber leider nur bedingt.

Der Knubbel sitzt in der Schulter, aber der Kopf tut weh: Viele Menschen leiden unter Schmerzen, deren Ausgangspunkt nicht einfach zu finden ist. Das äußert sich oft durch ein Ziehen im Bein, einen steifen Rücken oder Schmerzen im Knie. 

Ursache für diese Beschwerden können muskuläre Triggerpunkte sein. „Muskeln spannen sich normalerweise an und entspannen sich dann wieder“, erklärt Walter Lieb, Physiotherapeut von der Internationalen Triggerpunkt-Akademie in Kaufbeuren.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel (Alexandra Bülow, Die Welt).

Pause statt Pille: Gezielte Entspannung kann bei Schmerzen helfen

„Chronische Schmerzen gehören für viele Menschen zum Alltag. Um den Tag trotzdem zu bewältigen, können neben Schmerztabletten auch Entspannungstechniken helfen.

Chronischen Schmerzen beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen enorm. Schmerztabletten sind nur ein Teil der Behandlung. Eine gute Ergänzung dazu ist die psychotherapeutische Schmerzbewältigung. Darauf weist die Diplom-Psychologin Kathrin Bernardy hin. Sie ist Leitende Psychologin der Abteilung für Schmerzmedizin an der Universitätsklinik Bergmannsheil in Bochum und erklärt, wie die Behandlung funktioniert.“

Hier der Link zum kompletten Artikel (FOCUS Online)

Schmerz lindern und Verspannung lösen – Faszientherapie kann helfen

„Der Körper ist durchzogen von Faszien. Durch Verletzungen oder Bewegungsmangel verdrehen oder verkleben die Fasern dieses Kollagenbindegewebes. Eine spezielle Therapie soll helfen.

Der Daumen geht tief hinein in die Haut, der Schmerz schwillt an – und löst sich. Dann arbeitet der Osteopath mit Zug und flächigen Bewegungen entlang der Bahn in Bein, Arm oder Rücken, auf der sich der Schmerz entlangzieht. Nein, hier wird kein Muskel, sondern eine Faszie behandelt.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel (Alexandra Bülow, Rhein-Neckar-Zeitung)

Bei vielen Patienten bleiben Schmerzen

Operationsbesteck Quelle: pixelio.de
Operationsbesteck
Quelle: Martin Jäger, pixelio.de

„Chronische Schmerzen nach einer Operation sind offenbar kein seltenes Phänomen. Wie Ärzte der Uni Witten-Herdecke berichten, klagen zwei Jahre nach dem Eingriff knapp 15 Prozent der Patienten unter Dauerschmerzen, die auf die Op zurückzuführen sind.

Dr. Christian Simanski und sein Team hatten in ihre Studie alle 3020 Patienten eingeschlossen, die während eines Jahres in der Chirurgischen Klinik des Medizinischen Zentrums Köln-Merheim behandelt worden waren (Pain Medicine 2014; online 9. April).

Die Klinik ist ein Level-1-Traumazentrum und als Lehrkrankenhaus der Universität Witten / Herdecke angeschlossen.

Im Schnitt 19 Monate nach dem Eingriff hatten sich 911 Patienten mit einem vollständig ausgefüllten Fragebogen zurückgemeldet. Schmerzen mit einer Stärke von mindestens 3 auf einer Zehnerskala (10 = stärkster Schmerz) lagen bei 522 Patienten (57,3 Prozent) vor.

Insgesamt benötigte jeder Dritte trotz leitliniengerechter Schmerztherapie mehr als ein Jahr postoperativ eine erneute Intervention. Als chronisch wurden die Schmerzen bei 214 Patienten eingestuft. Frauen waren unter den chronischen Schmerzpatienten etwas häufiger vertreten (51,8 Prozent).“

Hier der Link zum vollständigen Artikel (Ärzte Zeitung)