Kopfschmerz- und Migränemythen: Was ist wirklich dran?

Für Kopfschmerzen und Migräne gibt es viele angebliche Auslöser, wie z.B. Kaugummikauen, Wetterumschwünge, Zitrusfrüchte. Aber was ist wirklich dran? Darüber klärt die Initiative Schmerzlos jetzt auf.

Viele Menschen kennen ihn, diesen bohrenden Schmerz im Kopf. Vor allem unter Kindern und Jugendlichen wächst der Anteil jener, die regelmäßig unter Kopfschmerzen und Migräne leiden.

Dr. Astrid Gendolla
Dr. med. Astrid Gendolla

Handy-Strahlung: Kann die Strahlung von Handys tatsächlich Kopfschmerzen verursachen, wie viele glauben? „Es gibt keine Studie, die darauf hinweisen würde, dass die ‚Strahlung‘ durch die normale Benutzung von Handys oder anderen elektrischen Quellen zu Kopfschmerzen beitragen könnte“, entwarnt Dr. Astrid Gendolla.

Kaugummi: Tatsächlich gebe es Hinweise, dass extensives Kaugummikauen über mehrere Stunden pro Tag mit mehr Kopfschmerzen einhergeht, erklärt. Dr. Raymund Pothmann. „Für ‚normales‘ Kaugummikauen gilt das aber nicht.“

Das Wetter spielt eine Rolle

Fernsehen und Computerspiele: Das Starren auf die Mattscheibe als Quelle des Schmerzes? Professor Stefan Evers sagt: „Ein kausaler Zusammenhang konnte in Studien nicht belegt werden, allerdings verbringen männliche Jugendliche mit Kopfschmerzen mehr Zeit mit Spielen am PC als Jugendliche ohne Kopfschmerzen; dabei ist aber nicht geklärt, was Folge und was Ursache ist.“

Prof. Dr. med. Dr. phil. Stefan Evers
Prof. Dr. med. Dr. phil. Stefan Evers

Wetterwechsel: Temperatur und Luftdruck sind ursächlich für Migräne – zumindest ist die Wetterfühligkeit laut Evers einer der am häufigsten angegebenen Trigger für Migräneattacken. „Dabei hat sich aber keine Regelhaftigkeit herausgestellt“, so der Mediziner. „Während der eine auf hohen Luftdruck reagiert, reagiert der andere auf niedrigen Luftdruck.“

Für Deutschland sei festgestellt worden, dass signifikant mehr Migräneattacken auftreten, wenn es größere Veränderungen in der Lufttemperatur gibt, die Richtung ist dabei egal.

Ernährung: Von A wie Alkohol bis Z wie Zitrusfrüchte – Ursachen für den dröhnenden Kopf? „Es gibt nur ganz wenige Stoffe, von denen nachgewiesen werden konnte, dass sie bei einigen Betroffenen regelhaft Migräne auslösen können“, sagt Dr. Raymund Pothmann.

„Schokolade, Käse, Nüsse und Zitrusfrüchte sind nicht darunter. Etwa ein Viertel der Migränepatienten reagiert sensibel auf Alkohol, am ehesten auf französischen Rotwein. Der Geschmacksverstärker Glutamat kann ebenfalls Kopfschmerzen bei Migränepatienten auslösen. Dabei handelt es sich häufig nicht um typische Migräneattacken, sondern um einen dumpfen Kopfschmerz, der sich von Migräne unterscheidet.“

Migräne nur Frauensache?

Dr. med. Raymund Pothmann
Dr. med. Raymund Pothmann

Migräne ist Frauensache: Unter Migräne leiden bei weitem mehr Frauen als Männer – meinen viele. Doch Dr. Astrid Gendolla klärt auf: „Die angeborene Veranlagung für Migräne ist unter Frauen und Männern gleich verteilt. Nur im Alter zwischen etwa 20 und 50 Jahren haben Frauen zwei- bis dreimal häufiger und mehr Migräne als Männer, da durch die besondere hormonelle Situation der Frau mehr Attacken ausgelöst werden.“

Heilung von Migräne: Der Mythos, dass besondere Ernährungsformen wie etwa die „No-Carb-Diät“ Migräne heilen können, hält sich hartnäckig. Doch was ist dran? Dr. Astrid Gendolla: „Grundsätzlich ist es nicht möglich, Migräne zu heilen. Die Veranlagung bleibt ein Leben lang, sodass immer Attacken auftreten können, auch wenn sie bei den meisten Patienten mit zunehmendem Lebensalter immer seltener kommen“, erklärt die Neurologin.

„Gerade Anbieter von bestimmten Diäten versprechen eine Heilung von Migräne, ohne dass es dafür Belege gäbe. Dies gilt auch für die ‚No-Carb-Diät‘, die im Gegenteil sogar bei Migräne problematisch ist, da Menschen mit Migräne regelmäßig Kohlenhydrate benötigen.“

Die Initiative Schmerzlos wurde von Reckitt Benckiser Deutschland im September 2013 ins Leben gerufen. Sie informiert Eltern über eine angemessene Schmerzbehandlung, die auf die speziellen Bedürfnisse von Jugendlichen eingeht. Unterstützt wird die Initiative dabei von namhaften Experten, die auf die Behandlung von Schmerzen spezialisiert sind: Prof. Dr. med. Dr. phil. Stefan Evers (Generalsekretär der International Headache Society, Professor an der Universität Münster und Chefarzt der Neurologischen Klinik im Krankenhaus Lindenbrunn in Coppenbrügge), Dr. med. Astrid Gendolla (Neurologin, Psychotherapeutin und Schmerztherapeutin aus Essen) und Dr. med. Raymund Pothmann (Pädiater und Kinderneurologe, Leiter des Zentrums Integrative Kinderschmerztherapie und Palliativmedizin in Hamburg). Weitere Informationen unter www.initiative-schmerzlos.de.

Schmerz-ABC für Kinder: Wenn die Kleinsten chronisch leiden

Quelle: SWR2
Quelle: SWR2

Am 12. August 2015 lief auf SWR2 die Sendung „Schmerz-ABC für Kinder: Wenn die Kleinsten chronisch leiden“.

Zwei Millionen Kinder und Jugendliche hierzulande leiden unter chronischen Schmerzen. Zum Teil sind sie so stark beeinträchtigt, dass auch ihr ganzer Alltag davon bestimmt wird.

Der Beitrag, der über diesen Link in der ARD-Mediathek zu finden ist, dauert 27:30 Minuten.

Good initiative!

„Good initiative“ hört man es gerne mal von Englisch radebrechenden Kollegen über die Flure internationaler Unternehmen rufen. Deshalb verwende ich solche Sprüche äußerst selektiv, um beim „Bullshit-Bingo“ nicht ganz weit vorne zu landen.

DruckEine wirklich gute Initiative ist in meinen Augen die Initiative Schmerzlos, welche über unterschiedliche Schmerzarten bei Jugendlichen und deren altersgerechte Behandlungsoptionen, nicht medikamentöse und medikamentöse, aufklärt. Darüber hinaus informiert die Initiative über Möglichkeiten der Prävention.

Mir scheint, als seien in unserer Gesellschaft die Begriffe Schmerzen, alte Menschen und Palliativstation untrennbar miteinander verbunden. Doch leider entspricht dies nicht (ganz) der Wahrheit. Inzwischen werden gerade Jugendliche immer häufiger von Schmerzen geplagt. Ganz weit vorne: Kopf-, Regel- oder Rückenschmerzen. Und dies häufig noch zu einer Zeit, in der sich Jugendliche ohnehin nicht besonders toll finden: der Pubertät.

Es gibt nur wenige Informationen und Versorgungsangebote, die diesen Bedarf abdecken. Es fehlt häufig eine Schmerzbehandlung, die auf die spezifischen Bedürfnisse Jugendlicher abgestimmt ist. Um diese Bedarfslücke(n) zu decken, wurde die Initiative Schmerzlos im Jahr 2013 von Reckitt Benckiser Deutschland in Zusammenarbeit mit renommierten Neurologen, Pädiatern und Schmerzexperten ins Leben gerufen.

Mehr Informationen unter:

http://www.initiative-schmerzlos.de

Junge Menschen mit chronischen Schmerzen – ein Tabuthema

In Deutschland leiden etwa 12 bis 15 Millionen Menschen an chronischen Schmerzen. Sie zählen zu den häufigsten Ursachen für Krankenstände, Berufsunfähigkeit und Frühpension. Vor allem die Zahl junger Menschen mit chronischen Schmerzen nimmt zu. Doch dies ist noch wie vor ein Tabuthema – vor allem bei Arbeitgebern.

Jeder kennt Schmerzen und der Umgang damit scheint einfach. Eine Fülle an freiverkäuflichen Präparaten aus der Apotheke schafft schnell Abhilfe und ermöglichen die unbeschwerte Teilnahme am täglichen Leben. Doch was tun, wenn der Schmerz bleibt, mit der Zeit spürbar Besitz von einem ergreift und chronisch wird? Das tägliche Handeln und Entscheiden wird zur Qual. Neben den Schmerzen begleiten zunehmend Ängste und Selbstzweifel den Tag. Der Kampf mit dem Schmerz wird zum bestimmenden Lebensthema. Doch aus Sicht vieler Betroffener sollte die Umwelt davon möglichst nichts mitbekommen – schon gar nicht der Arbeitgeber, die Kollegen oder der Lebenspartner.

Das Thema chronische Schmerzen ist nicht gesellschaftsfähig

Aus Angst vor unangenehmen Fragen, einem Gesichtsverlust oder weiterer Konsequenzen werden Schmerzen häufig nicht oder viel zu spät offen angesprochen. Das Thema ist nicht populär und stößt bei vielen Menschen auf Unverständnis oder Ablehnung. „Für einen gesunden Menschen ist es oftmals unvorstellbar, welchen negativen Sog und welchen Teufelskreis anhaltende Schmerzen auslösen können“, erläutert Rolf Fahnenbruck, Vizepräsident der Deutschen Schmerzliga e.V. und selbst Schmerzpatient seit 1989. „Vor allem jungen Menschen, die mitten im Leben stehen und den nächsten Schritt im Berufs- oder Privatleben gehen möchten, ist der chronische Schmerz wie eine Mauer, die sie vom unbeschwerten Leben abschneidet – ein Schmerz der jegliche Lebensenergie raubt“, erläutert Fahnenbruck weiter.

Erschwerend kommt hinzu, dass die optimale Therapie oftmals erst relativ spät einsetzt, da die Zeiträume von den ersten Symptomen bis hin zur Diagnose recht lange ist. Dabei erschwert nicht nur der Schmerz das Leben der Patienten, sondern zum Teil auch die Einnahme von Medikamenten und deren Nebenwirkungen. Auf der Suche nach Linderung werden unzählige Ärzte aufgesucht und Therapien ausprobiert. Im Durchschnitt suchen Schmerzpatienten über elf Jahre nach geeigneter Hilfe und erfolgversprechenden Therapiemöglichkeiten.

Das eigene Unverständnis und die Ablehnung der eigenen Situation erschwert den Umgang mit der Erkrankung – nicht nur für die Betroffenen sondern auch für deren Umfeld. Die Bedrohung oder gar der Verlust des Arbeitsplatzes, sozialer Rückzug und spürbare Risse in der Beziehung sind die Folge.

Hilfe in Selbsthilfegruppen finden und der Wunsch nach mehr Öffentlichkeit

Der Austausch in einer Gruppe mit Menschen, die in einer ähnlichen Lebensphase und -situation stehen, kann dabei helfen, den Anschluss an das Leben und den Mut daran aktiv teil zu nehmen, nicht zu verlieren. Betroffene können in regelmäßigen Treffen gemeinsam wieder Mut schöpfen, Anregungen zum Umgang mit und der Behandlung von chronischen Schmerzen auszutauschen und (somit für sich und ihre Umwelt) die Lebensqualität wieder steigern.

Die SHG „Chronische Schmerzen“ in Frankfurt am Main ist die Älteste ihrer Art in Deutschland. Schon 1989 gründete Birgitta Gibson, zugleich Vizepräsidentin der Deutschen Schmerzliga e.V., diese SHG „um anderen dieses Alleingelassensein mit ihren Schmerzen zu ersparen“. Denn bis heute werden Schmerzpatienten nicht nur von ihren Schmerzen gequält, sondern zusätzlich von einem mangelnden Verständnis in ihrer Umgebung. „Die SHG sollte dazu beitragen, dass Betroffene Informationen über ihre Erkrankung bekommen und dass sie eine psychische Begleitung haben“, erklärt Gibson.

Von Anfang an stand dabei das Ziel, Raum für die Bedürfnisse und Wünsche der Schmerzpatienten zu schaffen, im Vordergrund. Neben der Hilfe zur Selbsthilfe legen die Selbsthilfegruppen jedoch auch sehr viel Wert auf Aufklärungsarbeit zum Thema chronische Schmerzen in der Gesellschaft. Viele Patienten wünschen sich mehr Akzeptanz, Toleranz und Respekt ihrer Situation gegenüber. „Dies kann nur durch mehr Aufklärung sowie einen natürlicheren Umgang mit Schmerzpatienten und deren Einbindung in unserer Gesellschaft erfolgen“, erläutert Gibson.

Jedoch sind die Teilnehmer in diesen Selbsthilfegruppen häufig älter als 50 Jahre. Aber immer mehr junge Menschen leiden unter chronischen Schmerzen. Somit ist das Ziel vor allem junge Menschen (U50) mit chronischen Schmerzen für eine Teilnahme in einer SHG zu bewegen. Interessierte können sich an die Selbsthilfe-Kontaktstelle Frankfurt oder die Deutsche Schmerzliga e.V. wenden:

Selbsthilfe-Kontaktstelle Frankfurt, Telefon: 069 – 55 94 44, service@selbsthilfe-frankfurt.net

Deutsche Schmerzliga e.V., Telefon: 0700 – 375 375 375, info@schmerzliga.de