Schmerz-Apps: Welche gibt es und was nützen sie?

Quelle: mcmurryjulie, pixabay.com
Quelle: mcmurryjulie, pixabay.com

Kleine Anwendungen zur Nutzung auf Smartphones (Apps) sind aus unserem Alltag fast nicht mehr wegzudenken. Für fast jedes Alltagsproblem gibt es mittlerweile eine passende App-Lösung. Dieser Trend macht auch vor dem Gesundheitsbereich nicht halt.

Gesundheits-Apps im täglichen Leben liegen im Trend. Mehr als 100.000 gibt es inzwischen. Mit Hilfe dieser Gesundheits-Apps wollen z.B. Gesundheitsorganisationen, Pharma- und Medizinprodukteunternehmen Patienten Orientierung und Unterstützung im Umgang mit Erkrankungen und den damit im Zusammenhang stehenden Therapien geben.

So gibt es mittlerweile auch einige Schmerz-Apps. Die Initiative Präventionspartner hat im November 2015 das derzeitige App-Angebot analysiert und auf HealthOn, dem nach eigenen Angaben größten Bewertungsportal von Health-Apps, publiziert. Hier einige Auszüge der Bewertung von Ursula Kramer.

  • Für die 23 Millionen Menschen, die in Deutschland an chronischen Schmerzen leiden und Hilfe brauchen, stehen derzeit 24 Schmerz-Apps (kostenlos, deutschsprachig, Google Play) zur Verfügung. Die Zahl der Downloads dieser 24 Apps beläuft sich derzeit auf ca. 1 Million (min. 373.00, max. 1.5 Mio). 

  • Die untersuchten Schmerz-Apps richten sich an Betroffene mit Kopfschmerz/Migräne (34%), Rückschmerzen (25%), Rheuma und Arthrose.

  • Jede dritte Schmerz-App (29%) bietet Unterstützung beim Schmerzmanagement, ohne einen speziellen Anwendungsschwerpunkt zu benennen.

Schmerz-Apps geben vor, den Alltag der Betroffenen zu unterstützen und Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten. Was können diese Apps tatsächlich?

  • Knapp die Hälfte der Apps bietet die Möglichkeit, Schmerzstärke und -lokalisation in einem Schmerztagebuch festzuhalten (11 von 24; 46%).

  • Mit jeder zweiten App (13 von 24; 54%) lassen sich Tagebucheinträge oder die Auswertung von Schmerztests graphisch auswerten sowie mit Dritten teilen, z. B. auch mit dem behandelnden Arzt.

  • Knapp die Hälfte aller Apps (42%) arbeiten mit Videos, um z. B. die Durchführung von Übungen zu unterstützen.

  • Mit vielen Schmerz-Apps können sich Nutzer erinnern lassen (42%), z. B. an das Führen des Schmerztagebuchs oder die Durchführung von Übungen.

  • Mehr als jede dritte App (38%) generiert interaktiv nutzerbezogene Informationen, z. B. die Auswertung von Schmerztests, die durchschnittliche Schmerzstärke oder -dauer, sowie Statistiken zur Anzahl der Tagebucheinträge.

Fazit der Initiative Präventionspartner

  • Keine der untersuchten Schmerz-Apps unterstützt die Nutzer bisher durch ein umfassendes, individualisiertes Hilfeangebot, das eingebettet ist in ein therapeutisches Gesamtkonzept. Das mag die Zurückhaltung von Seiten der Nutzer und damit die vergleichsweise niedrige Anzahl der Downloads erklären. Schmerzpatienten brauchen offensichtlich mehr als ein digitales Schmerztagebuch, sondern umfassende Unterstützung, z. B. bei der Suche nach qualifizierten Schmerztherapeuten, bei der Überbrückung langer Wartzeiten für einen Arzttermin, bei der Stärkung ihrer Selbstbefähigung zur dauerhaften Bewältigung ihrer Schmerzen. Eine Schmerz-App, die dieses Leistungsprofil abdecken kann, stößt sehr wahrscheinlich auf größere Akzeptanz bei Schmerzpatienten.

Im Folgenden möchte ich exemplarisch vier dieser Schmerz-Apps vorstellen – immer mit der Angabe, wer dahintersteckt.

Die schmerzApp der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V.

Quelle: Google Play
Quelle: Google Play

Auf Initiative des Arbeitskreises Patienteninformation der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. veröffentlichte diese unter dem Titel schmerzApp die erste deutschsprachige App zu allen relevanten Schnell-Informationen und Kurzartikel rund um das Thema Schmerz.

Bisher gab es keine App, die dem Laien die Möglichkeit bot, sich über das Medium Smartphone zu vielen unterschiedlichen Aspekten von Schmerz, Schmerzerkrankungen und Schmerztherapien einen Überblick zu verschaffen. Grundlage der schmerzApp sind über 50 Beiträge, an deren Erstellung rund 40 SchmerzexpertenInnen beteiligt waren.

Weiterführende Informationen sind auf der vereinseigenen Homepage http://www.dgss.org erhältlich.

Die App führt auch zu einem interaktiven Schmerzfragebogen von studyPool, einem wissenschaftlichen Umfragetool, um Wünsche und Anregungen von Nutzern zu erfahren, die dann selbstverständlich anonym erfasst und ausgewertet werden. Webtipps verweisen auf externe Inhalte und Kontaktinformationen zu diversen Beratungsstellen, die alle per Link sofort im Browser zu öffnen sind.

Google Play: schmerzApp

iTunes: schmerzApp

Rheuma Track RA und Rheuma Track SPA – unterstützt von AbbVie

Quelle: Google Play
Quelle: Google Play
Quelle: iTunes
Quelle: iTunes

Die in Hamburg und Herne niedergelassenen Rheumatologen Dr. Aries und Dr. Baraliakos haben zwei Apps für Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) und axialer Spondyloarthritis (SpA) entwickelt. Unterstützt wurden sie dabei vom Unternehmen AbbVie.

In einer Mitteilung des Unternehmens heißt es, dass die Apps RheumaTrack RA bzw. RheumaTrack SpA als digitales Patiententagebuch dienen und den Austausch über den Krankheitsverlauf beim nächsten Arztbesuch erleichtern sollen.

Rheuma-Patienten können z.B. ihren Gelenkstatus, die Stärke der Schmerzen anhand der Visuellen Analog-Skala (VAS) und die Dauer der Morgensteifigkeit der Gelenke erfassen.

Patienten mit SpA können unter anderem das Schmerzempfinden vermerken, ein Gelenkprotokoll führen sowie die Dauer der Morgensteifigkeit der Gelenke festhalten. Auch eine Erinnerungsfunktion für den nächsten Kontrollbesuch ist enthalten.

Die Apps sind leicht zu bedienen und ermöglichen es, den Krankheitsverlauf über einen längeren Zeitraum auszuwerten. Die kostenlosen Apps stehen sowohl für iOS- als auch für Android-Betriebssysteme in den jeweiligen App-Stores zur Verfügung.

Google Play: RheumaTrack® RA

Google Play: RheumaTrack® SPA

iTunes: RheumaTrack® RA

iTunes: RheumaTrack® SPA

M-Sense vom Startup Newsenselab

Quelle: Google Play
Quelle: Google Play

Nach langjähriger Forschungsarbeit entwickelt das Berliner Startup Newsenselab GmbH eine mobile Anwendung zur Migräne- und Kopfschmerzbekämpfung. Kopfschmerz und Migräne sind die zweit- und dritthäufigsten Krankheiten der Welt. Allein in Deutschland leiden etwa acht Millionen Menschen daran. Die App M-Sense will Betroffenen helfen.

Die App M-Sense analysiert die Auslöser und Attacken von Migräne und stellt sie mobile Therapiemethoden zur Verfügung, die individuell auf ihren Nutzer abgestimmt sind.

Migräne geht meist mit Symptomen wie Übelkeit, Lichtscheuheit und neurologischen Ausfällen einher. Sie macht es den Betroffenen in schweren Fällen unmöglich, Stunden bis Tage am Alltag teilzunehmen. Die Analysesoftware von M-Sense untersucht die Auswirkungen von Umweltfaktoren und individuellem Lebensstil auf Migräne- und Kopfschmerzattacken. Wetterdaten werden erfasst und Betroffene haben zusätzlich die Möglichkeit, weitere relevante Faktoren wie Schlafmuster, Aktivitätslevel und Stressphasen zu dokumentieren und deren Einfluss auf Migräne und Kopfschmerz zu verstehen.

Ziel der Anwendung ist es, über die Analyse des individuellen Schmerzmusters eine personalisierte Therapie zur Reduktion der Kopfschmerz- und Migräneattacken anzubieten.

Als erste App in Deutschland, die als Medizinprodukt klassifiziert ist, hält M-Sense die medizinischen Richtlinien für digitale, medizinische Anwendungen ein.

Google Play: M-Sense

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