Schmerzhafte Verwirrung

Gestern startete der Deutsche Schmerzkongress 2015 in Mannheim. Veranstalter: Die Deutsche Schmerzgesellschaft (DGSS) sowie die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).

Unter den Schmerz-Fachgesellschaften gibt es weiter extrem unterschiedliche Auffassungen mit Blick auf die Einführung eines Facharztes für Schmerzmedizin. Dieser Facharzt wird seit Jahren vom Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS), Dr. Gerhard Müller-Schwefe, gefordert.

Sowohl Professor Andreas Straube, Präsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, als auch der Tagungspräsident des Schmerzkongresses, Professor Martin Marziniak aus München, lehnten Müller-Schwefes Forderung bei einem Pressegespräch ab.

Käme dieser „Allgemeinmediziner des Schmerzes“, dann hätte das fatale Konsequenzen, warnte Straube: „Die Interdisziplinarität der Schmerztherapie, für die wir kämpfen, wäre dann tot!“

Quelle: Andreas Hermsdorf, pixelio.de
Quelle: Andreas Hermsdorf, pixelio.de

Ein Kommentar von Christoph Fuhr aus der Ärzte Zeitung von 15. Oktober 2015, der mir aus der Seele spricht:

„Zwei Kongresse, zwei völlig unterschiedliche Botschaften. Eine bessere Versorgung für Schmerzpatienten wird gebremst, weil es immer noch zu viele Orthopäden, Anästhesisten, Neurologen, Psychiater und Psychologen gibt, die sich an ihre Pfründe klammern und die Fachkompetenz für Schmerz ausschließlich für sich selbst reklamieren.

Deshalb muss dringend der Facharzt für Schmerz kommen. Das war die Botschaft beim Deutschen Schmerztag im März in Frankfurt am Main. Beim Deutschen Schmerzkongress, der am Mittwoch in Mannheim begonnen hat, hörte sich das völlig anders an.

Wenn dieser „Allgemeinarzt des Schmerzes“ komme, sei dies der Tod der Schmerztherapie, die auf einen interdisziplinären Ansatz setzt. Ja, was den nun?

Im Kern geht es hier um zwei völlig unterschiedliche Konzepte, die zugleich fundamentale Auswirkung auf Versorgungsstrukturen haben. Dass Fachgesellschaften unterschiedliche Auffassungen vertreten und sich auch mal trefflich streiten, ist völlig legitim und muss in der Regel nicht überbewertet werden.

Beim Thema Facharzt für Schmerz allerdings ist lange genug diskutiert worden. Die Beteiligten sollten endlich in die Gänge kommen und einen Konsens finden. Klappt das nicht, wird es am Ende nur einen Verlierer geben: der Schmerzpatient lässt grüßen.“

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