Die Überdosis

Quelle: Karl-Heinz Laube, pixelio.de
Quelle: Karl-Heinz Laube, pixelio.de

„Der Handel mit rezeptfreien Medikamenten wächst, vor allem dank des Internets. Der frühere Präsident der Arzneimittelaufsicht warnt vor Pillen-Missbrauch.

Demnach sei der Umsatz von OTC-Produkten im Versandhandel zuletzt um elf Prozent auf 1,2 Milliarden Euro gewachsen, inklusive Kosmetika und Nahrungsergänzungsmittel. Anders als bei Medikamenten auf Rezept, bei denen eine Bestellung über das Internet oft umständlicher ist als der Gang zur Apotheke vor Ort, boomt der Versand von Arzneien etwa gegen Husten oder Heiserkeit, die ohne ärztliche Überwachung eingenommen werden können. Wie fleißig die Deutschen Pillen schlucken, zeigt sich auch an den insgesamt 700 Millionen verkauften Packungen im Jahr 2014 mit knapp 30,7 Milliarden Tabletten und Kapseln. „Im Ergebnis bedeutet das statistisch eine Tablette pro Tag pro Bundesbürger“, so Schweim. Interessant sei dabei vor allem, dass die durchschnittliche Arzneimittelpackung in Präsenz-Apotheken mit 41,5 Einzeldosen deutlich weniger Einheiten enthalte als die der Versandpharmazien mit 63,4 Einzeldosen. Das zeige bereits, dass der Versandhandel vorwiegend umsatzorientiert agiere, während die Apotheke vor Ort offenbar eher mengenbegrenzend wirke.

Als Beleg für diese These führt der Bonner Professor Detailanalysen zu Schmerzmitteln wie Paracetamol oder Kombi-Präparaten wie Thomapyrin oder Wick Medinait an. „Gerade solche Kombi-Präparate gegen Schmerzen und Erkältung sind therapeutisch unzweckmäßig, weil sie den Überblick über die aufgenommenen Mengen erschweren und das Risiko von Überdosierungen erhöhen“, sagt Schweim. „Ein seriöser Apotheker wird solche Produkte gar nicht erst empfehlen.“ Die Verkäufe sprächen aber eine andere Sprache. So liege etwa bei Thomapyrin der Anteil der über den Versandhandel verkauften Packungen bei 17 Prozent und damit mehr als vier Prozentpunkte über dem durchschnittlichen Marktanteil der Versandapotheken von 12,5 Prozent im OTC-Markt: „Das klingt im ersten Moment wenig. Man muss aber berücksichtigen, dass ein Prozent Marktanteil etwa 120.000 Packungen entspricht.“ Für die Versandapotheken bedeute das 1,86 Millionen Euro Mehrumsatz für ein einziges Präparat.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel von Anja Ettel, Welt am Sonntag.

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