Mörderisch gut

„Der Wirkstoff TGN1412 hat vor Jahren fast mehrere Versuchspersonen das Leben gekostet. Jetzt ist er die neue Hoffnung für Menschen, die an Rheuma und MS leiden. Die Geschichte eines wundersamen Comebacks.

Zumindest war das Leid der Probanden nicht umsonst.“ Thomas Hünig denkt nur ungern an den 13. März 2006 zurück, an den Tag der Katastrophe. Damals änderte sich einiges im Leben des Immunologen von der Würzburger Universität. Die von ihm entwickelte Substanz hätte beinahe sechs Menschen das Leben gekostet.

Hünig hatte seit Jahren an dem Wirkstoff TGN1412 geforscht, einem Mittel, das gegen Autoimmunkrankheiten wie Rheuma, multiple Sklerose oder Diabetes Typ I zu wirken schien. Krankheiten, die jeden irgendwann im Leben erwischen können. Die nicht tödlich sind, aber Millionen Menschen tagein, tagaus das Leben verleiden. Das Mittel schien eine Hoffnung für sie zu sein. Alle Analysen und Tierversuche zeigten Erfolge.

An dem Montag vor über neun Jahren wurde der Wirkstoff in London zum ersten Mal an sechs gesunden Freiwilligen getestet. Es war ein Routinetest in der Medikamentenentwicklung. Dabei soll geprüft werden, ob Menschen geringe Mengen eines Wirkstoffs überhaupt vertragen. Meist laufen solche Tests ohne Komplikationen ab. Es kann zu Übelkeit, zu leichten Schmerzen oder Rötungen kommen – aber mehr passiert meistens nicht. Bei TGN1412 war das anders. Kurz nach der Einnahme lagen alle sechs Probanden auf der Intensivstation und kämpften um ihr Leben. Die Substanz hatte eine extrem heftige Reaktion des Immunsystems ausgelöst. Zum Glück überlebten die Probanden und behielten kaum Schäden zurück. Für die Substanz aber schien dies das Aus zu bedeuten.

Doch das Engagement einiger Wissenschaftler könnte dem Wirkstoff nun zu einem Comeback verhelfen – denn TGN1412 wird derzeit erneut getestet. Das Risiko ist gering, meint Hünig: „Gemeinsam mit Kollegen in anderen Instituten konnten wir inzwischen genau klären, wie es zu den schrecklichen Überreaktionen des Immunsystems in London kam, und können sie inzwischen zuverlässig vermeiden.“ Millionen von Patienten können neue Hoffnung schöpfen.“

Hier der Link zum vollständigen Artikel (Roland Knauer, Welt am Sonntag).

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