Was ist eigentlich eine Schmerzskala?

Zur Einschätzung von Schmerzen sind Schmerzskalen unverzichtbare Instrumente geworden. Denn es gibt wohl kaum eine schlimmere Vorstellung, als unter starken Schmerzen zu leiden und niemand beurteilt sie richtig. Zwischenzeitlich gibt es eine ganze Reihe von verschiedenen Schmerzerfassungsinstrumenten. Aber nicht jedes Instrument eignet sich gleich gut für jede Personengruppe.

Zu den am häufigsten angewendeten Schmerzskalen gehören die Visuelle Analog-Skala, die Numerische Analog-Skala bzw. Numerische Rating-Skala, die Smiley-Analog-Skala, die Verbale Rating-Skala sowie die Beurteilung von Schmerz bei Demenz.

Visuelle Analog-Skala (VAS)

  • Selbsteinschätzungsskala auf einer 10 cm langen Linie
  • Der Anfangspunkt wird mit „kein Schmerz“ betitelt, der Endpunkt mit „stärkster vorstellbarer Schmerz“.
  • Nun kann der Betroffene auf der Linie angeben, wo seine Schmerzintensität gerade liegt.
  • Mit Hilfe eines Lineals kann die Schmerzstärke dann genau ermittelt werden.
  • Die Anzahl der cm entspricht der jeweiligen Schmerzstärke.

Zielgruppe:

  • Für Betroffene, die nicht mehr gut mit Zahlen umgehen können und für die eine Numerische Skala weniger gut geeignet ist.
  • Ältere und auch schon kognitiv beeinträchtigte Menschen.
  • Es hat sich gut bewährt, die Skala bei älteren Menschen vertikal zu nutzen. Sie ähnelt dann in ihrer Form einem Fieberthermometer.

 

350px-VAS

 

Numerische Analog-Skala (NAS) bzw. Numerische Rating-Skala (NRS)

  • Selbsteinschätzungsskala, grundsätzlich gleich wie VAS
  • Auf einer 11 cm langen Linie werden die einzelnen Schmerzstufen mit einem Abstand von 1 cm mit einem Zahlenwert von 0–10 unterteilt.
  • 0 entspricht hier „kein Schmerz“, 10 ist „stärkster vorstellbarer Schmerz“.
  • Die jeweilige Zahl entspricht der jeweiligen Schmerzstärke.

Zielgruppe:

  • Für Patienten, die orientiert sind und eine Verbindung von den Zahlen zur Schmerzstärke herstellen können.

 

350px-NRS

Smiley-Analog-Skala (SAS)

  • Selbsteinschätzungsskala
  • Sie besteht aus 5–6 Smiley-Gesichtern, die den aktuellen Schmerzzustand wiedergeben sollen.
  • Der Betroffene wählt das Gesicht aus, das seinem eigenen Schmerzempfinden am nächsten kommt.

Zielgruppe:

  • Gut in der Altenpflege einsetzbar
  • Demenzerkrankte Menschen können mit Hilfe dieser Skala noch lange eine aussagekräftige Auskunft über ihren aktuellen Schmerz geben.
  • Gut bei Kindern ab dem 3.–4. Lebensjahr einsetzbar

 

300px-VAS

 

Verbale Rating-Skala (VRS)

  • Selbsteinschätzungsskala
  • Es werden dem Betroffenen 5 Wortkombinationen vorgegeben.
  • Er soll diejenige Kombination aussuchen, die seinen Schmerz am besten widerspiegelt.
  • Folgende Wortkombinationen werden verwandt:
    0 = kein Schmerz
    1 = leichter Schmerz
    2 = mittelstarker Schmerz
    3 = starker Schmerz
    4 = sehr starker Schmerz
    5 = maximal vorstellbarer Schmerz

Zielgruppe:

  • Für Patienten, die orientiert sind, aber sich nicht lange konzentrieren können.
  • Sehbehinderte Personen, da kein Hilfsmittel benötigt wird.
  • Personen, die unter motorischen Einschränkungen leiden.

Beurteilung von Schmerz bei Demenz (BESD)

  • Fremdeinschätzungsinstrument in Form eines Beobachtungsbogens
  • Es wird das Verhalten des Betroffenen von einer außenstehenden Person (meist einer Pflegefachkraft) beobachtet und in einem vorgegebenen Fragebogen dokumentiert.
  • Bestimmte Beobachtungen zu Atmung, Gesichtsausdruck, Körpersprache und Trost sind einem Punktwert von 0–2 zugeordnet.
  • Am Ende werden die erreichten Punkte zusammengezählt. Der Score (maximal 10 Punkte) gibt dann Auskunft über die Schmerzintensität.

Zielgruppe:

  • Gut einsetzbar bei an demenziell erkrankten Personen, die sich verbal nicht mehr über ihr eigenes Schmerzempfinden äußern können.
  • Bei demenziell erkrankten Personen sollte das Schmerzinstrument nur eines von mehreren Mitteln sein, um eine umfassende Schmerzerfassung durchzuführen.

3 Gedanken zu “Was ist eigentlich eine Schmerzskala?

  1. Ich richte mich ganz gerne nach der KIP-Skala (numerisch-verbal). Die sieht so aus:

    KIP Skala

    Schmerzintensität 0
    Keine Schmerzen, das Leben ist wunderbar.

    Schmerzintensität 1
    Sehr geringer Schmerz, der schleichend kommt und geht. Immer noch ist das Leben schön.

    Schmerzintensität 2
    Die Schmerzen werden langsam dauerhaft.

    Schmerzintensität 3
    Die Schmerzen festigen sich, aber man kann damit leben.

    Schmerzintensität 4
    Es geht dir schon schlechter, du möchtest alleine sein.

    Schmerzintensität 5
    Noch nicht ganz schlimm, aber dir reicht’s.

    Schmerzintensität 6
    Nervöses Aufwachen durch den Schmerz, kleine Aggressionen, jedoch schafft man es, weiter zu schlafen.

    Schmerzintensität 7
    Aufgeweckt durch den heftigen Schmerz läufst du ziellos durch die Gegend und kannst nicht mehr schlafen. Hinterher fällst du völlig erschöpft ins Bett.

    Schmerzintensität 8
    Du fängst an zu schreien, irrst herum, schlägst deinen Kopf gegen die Wand und versuchst alles, was den Schmerz mindern könnte.

    Schmerzintensität 9
    Das „Warum gerade ich?“-Syndrom fängt an!

    Schmerzintensität 10
    Größtmöglicher Schmerz, lautes Schreien, Aggressionen und Depressionen, du denkst an Selbstmord.

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    • Ja, die zehn ist mir leider auch nicht fremd. Eigentlich würd ich da gern noch eine 11 anfügen. Das ist dann, wenn ich so sehr dabei bin, dass mein Kopf mir nichts mehr zumuten kann und ausschaltet, sprich: ich in Ohnmacht falle. Nicht oft, aber auch das kommt vor :(.

      Ganz viel schmerzfreie Zeit wünsche ich! Uns allen, die betroffen sind.

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