Die Mär von Multimodalität und Ganzheitlichkeit

Zweifelsohne: Schmerztherapie sollte multimodal und ganzheitlich sein. Denn chronische Schmerzen belasten – physisch, psychisch und sozial. Zu den körperlichen Symptomen kommen häufig Einschränkungen bei der Arbeitsfähigkeit, die Sorge um die berufliche Zukunft sowie negative Auswirkungen auf das Zusammenleben mit Familie und Freunden hinzu.

Aber finden diese psychosozialen Auswirkungen chronischer Schmerzen in der Realität die notwendige Berücksichtigung? Außerhalb sogenannter Schmerzzentren kann man dies wohl getrost verneinen. Oder habt Ihr schon mal erlebt, dass ein zugelassener Orthopäde mit einem Physiotherapeuten Ihr Beschwerdebild und das dazugehörige Behandlungskonzept durchspricht? Im Gegenteil. Allzu oft muss man sich als Patient das Kopfschütteln des Physiotherapeuten oder des Orthopäden ansehen, weil dieser nicht mit der Meinung des jeweils anderen konform geht. Ein verunsicherter Patient bleibt zurück.

Und auch in den oft hochgelobten Schmerzzentren findet man oft nur ein Nebeneinander, statt ein Miteinander. Es wird propagiert sogenannte Schmerzkonferenzen abzuhalten, bei denen alle Behandler an einem Tisch sitzen, die Situation des Patienten beurteilen und die weitere Vorgehensweise besprechen. Doch spätestens bei der Entlassung hat man als Patient oft das Gefühl, dass jeder Behandler seinen eigenen Bericht geschrieben hat – ohne nach links oder rechts zu schauen.

Es mag tatsächlich Schmerzzentren geben, die ihr Versprechen halten, die medizinische Behandlung, intensive Schulung sowie verhaltens-, psycho- und sozialtherapeutische Maßnahmen tatsächlich gleichwertig nebeneinander stellen. Bis dato habe ich ein solches Zentrum noch nicht kennengelernt. Zu wünschen wäre es den Millionen Betroffenen allemal.

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